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Es bleibt dabei: Wer 2020 bei der Passion mitspielen will, muss seit 20 Jahren in Oberammergau wohnen. 

Mitwirkungsrecht spaltet Gemüter

Passion 2020: Spielleiter Stückl ausgebremst

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Oberammergau – Es ist ein außergewöhnliches Privileg, dessen Bedeutung kein Auswärtiger je verstehen wird. Ein kostbarer Schatz, ein unumstößliches Recht, dem keine Schramme zugefügt werden darf. Nun wurde diskutiert, wie lange man in Oberammergau wohnen muss, um bei den Passionsspielen mitwirken zu dürfen.

Das Mitwirkungs- und Spielrecht bei den Oberammergauer Passionsspielen hat bei vielen Ammergauern den Status unantastbar. Spielleiter Christian Stückl wollte am Montag im Gemeinderat daran rütteln und „ein Zeichen setzen“: Voller Leidenschaft warb er dafür, den Passus, dass Gemeindeangehörige ihren ununterbrochenen Hauptwohnsitz seit mindestens 20 Jahren in Oberammergau haben müssen, um bei der Passion mitspielen zu dürfen, für die Spiele 2020 auf 15 Jahre herabzusetzen. Stückl scheiterte, wenn auch nur knapp: Mit 11:9-Stimmen lehnte das Ratsplenum seinen Vorstoß ab.

20-Jahres-Regelung besteht seit dem Jahr 1960

Man mag überrascht sein: Für das Gelübdespiel, das auf das Jahr 1634 zurückgeht, gibt es erst seit 1910 Mitwirkungsbestimmungen. Damals legte Prälat Joseph Schroeder fest, dass Mitwirkungswillige dafür zehn Jahre im Dorf wohnhaft sein mussten. Weiter informierte Christian Stückl im Gemeinderat, dass 1950 auf 15 Jahre erhöht wurde („Um die Flüchtlinge nicht dabei zu haben“) und die Regelung mit 20 Jahren erst seit 1960 gelte. Der Spielleiter plädierte mit Nachdruck dafür, auf 15 Jahre zu verkürzen: „Wenn einer nach Oberammergau zieht und irgendwann mitspielen will, sind 20 Jahre schon eine brutal lange Zeit.“ Davon abzurücken sei laut Stückl „eine tolle Geste“ und „ein Signal nach außen, dass wir die Leute schneller mitnehmen und im Ort integrieren“.

Der Regisseur rechnete vor, wenn die Regelung 15 Jahre komme, dass es dann rund 220 bis 250 Mitspielberechtigte mehr gäbe: „Das wäre zu stemmen, das würde ich hinbekommen. Eventuell müsste man die Frauen aufteilen.“

Kein Jesus mit tätowiertem Körper möglich

Verwundert über den Plan Stückls zeigte sich Ludwig Utschneider von der Fraktion der Freien Wähler: „Wenn man verlangt, dass Mitwirkungsberechtige bei mindestens 80 Aufführungen dabei sein müssen, ist das auch eine Form von Ausgrenzung. 20 Jahre sind eine klare Grenze, das macht auch das Besondere an Oberammergau aus.“ Fraktionskollege Michael Fux ergänzte, dass der Nimbus 20 Jahre ein spezielles Merkmal sei, an dem nicht gerüttelt werden dürfe: „Für uns ist das eine Form von gelebter Tradition, die es zu bewahren gilt.“ Dagegen merkte Anton Preisinger (Mit Augenmaß) an, „dass 15 Jahre eine sinnvolle Hausnummer und ein guter Kompromiss sind“. In einer Familie sei es komisch, wenn ein Partner mitspielen dürfe und der andere nicht. Am Ende reichte es nicht ganz für Christian Stückl, dessen Vorstoß mit 9:11-Stimmen ausgebremst wurde.

Einhellig strichen die Gemeinderäte dagegen die Formulierung, dass jemand sein Mitwirkungsrecht verliert, wenn er gegen die Garderobenordnung, den Haar-und Barterlass, das Verbot des Tragens von gefärbten Haaren oder Schmuck und Ähnliches verstößt. Diese Punkte werden nun in eine Hausordnung aufgenommen, die alle Mitspieler einhalten müssen. Tätowierungen seien laut Stückl nicht verboten, „wenn sie nicht offen zu sehen sind“. Deswegen werde er keinen verweisen. Allerdings räumte der Regisseur ein: „Einen Jesus mit einem tätowierten Body werde ich aber sicher nicht hernehmen.“

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