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Lorenz Sonderer war einst Direktor des Verkehrsamts.

Murnau arbeitet nationalsozialistische Vergangenheit auf

Arbeitskreis empfiehlt: Lorenz Sonderer Ehrung aberkennen

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Der Arbeitskreis „Geschichte des Nationalsozialismus in Murnau“ befasst sich mit der Frage: Wie geht man mit Ehrenbürgern und Trägern der Bürgermedaille um, die möglicherweise eine NS-Vergangenheit haben? In einem Fall gibt er nun eine klare Antwort. 

Murnau – Die Gemeinde ging nach dem Tagblatt-Bericht zu Lorenz Sonderer auf Tauchstation. Sie wolle sich aktuell nicht äußern. So blieben Fragen offen. Allen voran: Wird sie auf Konstantin Ferihumers Arbeit reagieren? Der Wiener Historiker hatte den wissenschaftlichen Aufsatz „Der Fall Sonderer. Eine vergangenheitspolitische Kurzbiografie“ (2017) veröffentlicht – der den früheren Murnauer Verkehrsamtsdirektor und seit 1959 Träger der Bürgermedaille in keinem guten Licht zeigt. Nun reagiert darauf der Arbeitskreis „Geschichte des Nationalsozialismus in Murnau“ – mit einem drastischen Urteil: Er empfiehlt dem Gemeinderat, Sonderer die Ehrung abzuerkennen. Dies begründen die Mitglieder in einer Pressemitteilung mit Ferihumers Arbeit. Diese kommt laut AK zu dem Ergebnis: „Lorenz Sonderer war maßgeblich an einer Massenhinrichtung im Zuchthaus Stein (Krems an der Donau, Niederösterreich) im April 1945 beteiligt.“ Im Aufsatz aber spricht Ferihumer von Sonderer nur als einen „der mutmaßlichen Hauptakteure“. Der Verdacht wiegt schwer, doch offenbar bleiben Zweifel.

Gemeinderat tagt im September

Seit Längerem befassen sich Kommunen mit dem Umgang von Ehrenbürgern mit einer möglichen braune Vergangenheit. Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP) betont in diesem Zusammenhang einmal mehr die „Pflicht, sorgsam mit den Biografien der Würdenträger umzugehen“. Sollten sie „an schwersten Verbrechen“ zwischen 1933 bis 1945 beteiligt gewesen sein, „wäre eine Aberkennung die logische Folge“. Auf die konkrete AK-Empfehlung geht er in der Mitteilung nicht ein. Wichtig ist ihm: Keine Vorverurteilung, man brauche fundierte Argumente. Auf diese legt auch der Arbeitskreis wert. So empfiehlt er dem Gemeinderat zudem, einen wissenschaftlichen Forschungsauftrag zu vergeben, um mögliche NS-Hintergründe zu prüfen. Ein Kriterienkatalog des AK könne die Bewertung der Ergebnisse unterstützen. Über seine Empfehlungen berät der Gemeinderat im September.

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