Ungewöhnliche Perspektive: In einer Sonnenbrille spiegelt sich der versperrte Eingang des Murnauer Strandbads. 
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Ungewöhnliche Perspektive: In einer Sonnenbrille spiegelt sich der versperrte Eingang des Murnauer Strandbads. 

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Murnauer Strandbad: Termin für Wiedereröffnung noch unsicher

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Es ist derzeit noch unklar, wann das Murnauer Strandbad wiedereröffnet wird. Derweil macht Bürgermeister Rolf Beuting der Verkehr in der Bucht Sorgen.

Murnau – Den Vergleich mit den anderen hat Murnau noch nie gesucht. Nicht mit Starnberg und auch nicht mit Tegernsee. Und doch hat sich die Gegenüberstellung nicht vermeiden lassen. Die Orte, am Seeufer gewachsen, prosperieren seit Jahren. Bodenpreise steigen, wobei sie viel eher gen Mars schießen. An Wochenenden und in den Ferien trifft sich halb Oberbayern, gefühlt zumindest, an den Seen.

Wettbewerb fällt aus

In einem entscheidenden Punkt möchte sich Murnau, der Markt mit dem italienischen Anstrich, abgrenzen: Das Seeufer, die Murnauer Bucht, soll eine Bucht mit freiem Zugang für alle der Murnauer bleiben. „Kommerzielle Interessen sollen hier nicht im Vordergrund stehen“, wie Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) betont. Das hat der Gemeinderat entschieden. Er hat sich dafür sogar in einem Kloster getroffen. Das war vor 15 Monaten. Das war vor allem aber vor Corona. Denn zum Plan gehörte auch ein Wettbewerb für Fachplaner, die das Gelände mit Ideen überziehen sollten. Der Kreativ-Wettkampf fällt aus. Oder sagen wir freundlicher: Er verschiebt sich um ein paar Jährchen. Der Bürgermeister sagt: „Auch wenn wir in den kommenden Jahren nicht die finanzielle Möglichkeit haben, um in der Bucht größer umzubauen, sollten wir die städtebauliche Planung für diesen Ortsbereich nicht aus dem Blick verlieren.“

Prioritätenliste der Kommune

Der Markt verfügt über eine Prioritätenliste. Erstellt vom Gemeinderat. Im Herbst wird sie neu verhandelt, wenn die Räte über die Finanzen der nächsten drei Jahre reden. Feuerwehrhaus und Kindergarten genießen Prioritätsstufe eins, wie Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) erklärt. Die Projekte sind laut Beuting „Pflichtaufgaben einer Kommune“. Auf welchem Rang sich die Murnauer Bucht einfindet, verrät der Rathauschef nicht. Über solche Dinge spricht er sowieso nicht gerne.

Letzte Details zu klären 

Phillip Zoepf und seine Gruppe bilden seit Jahren die Bucht-Lobby. „Ich habe immer gesagt, wir müssen in den Aktionsmodus schalten“, bekräftigt der Mehr-Bewegen-Chef. Was ohne Konzept passiert, habe man Anfang des Jahres erlebt. Kurt Höller, selbsternannter Gastronaut und Kultwirt, kündigte den Pachtvertrag und sperrte die großen Eisenstangen vor seinem Burger-Lokal zu. „Wäre etwas Fertiges da gewesen, zieht direkt ein Neuer ein.“ Aber so hat die Gemeinde Monate gewerkelt und gefahndet. Höllers Burger brutzelten in einer Mini-Küche mit 14 Quadratmetern, die nicht für einen Gastrobetrieb ausgelegt und viel zu alt ist. Einige Würdenträger im Ort störten sich an der schleichenden Expansion. Geschäftsmann Höller verwandelte mit einem genialen Konzept einen Kiosk am Strandbad in ein vielbesuchtes Lokal. 

So deutlich sagt das natürlich niemand in der Öffentlichkeit. Beuting drückt es folgendermaßen aus: „Wir haben dort keine Gastronomie zu vermieten, sondern ein Strandbad.“ Deshalb entschied sich die Gemeinde in ihrem Bewerberverfahren für Anwärter, „die den Strandbad-Charakter stärker betonen“. Um die 20 Interessenten meldeten sich. Alle aus der Region. Alle mit Referenzen aus dem Bereich Bad und Kiosk. Die Geeignetsten hatten sich im Hauptausschuss vorzustellen. Danach sortierten die Ortspolitiker ihre Modelle auf einer Rangliste, die – selbstverständlich – niemand preisgibt. Der Top-Kandidat befindet sich längst in der Planung. „Letzte Details“ müssten beide Seiten noch verhandeln, sagt Beuting. Ob in diesem Sommer überhaupt noch aufgesperrt werden kann, ist derzeit aber noch sehr unsicher. Die Auflagen für den Betrieb eines sicheren öffentlichen Freibads sind sehr hoch.

Beuting in Sorge wegen des Verkehrs

Tatsächlich könnte bald auch die Murnauer Bucht wieder die Tagesordnung des Gemeinderats zieren. Über den Verkehr wird zu reden sein. „In den ersten Wochen war schon Prime Time“, sagt der Bürgermeister. „Ich glaube, wir setzen die falschen Signale. Mit einer Tagesparkgebühr von derzeit nur drei Euro vermitteln wir den Ausflüglern die Botschaft: Komm’ bitte mit dem Auto.“ Mit dem Wort „Schmuckstück“ liebkost Beuting die Bucht. Schützen und erhalten möchte er sie. „Wir sollten nicht alles tun, was machbar ist“, betont der Bürgermeister. „Viele Seen in Oberbayern haben ihren öffentlichen Charakter verloren.“

Blick zum Starnberger See

In Bernried am Starnberger See hat übrigens in der vergangenen Woche der Bali Beach geöffnet. Mit Strand und Sand und Cocktails. In manchen Orten ist wirklich alles möglich.

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