+++ Eilmeldung +++

Große Trauer um Karl Dall: TV-Ikone und Komiker gestorben

Große Trauer um Karl Dall: TV-Ikone und Komiker gestorben
Leere Stühle haben die Gastrobetreiber aus Murnau und Umgebung auf der Marktstraße in Murnau aufgestellt. Die Organisatoren Christina Prager (r.) und Marco Pollini beantworten stellvertretend für alle Gastronomen die Fragen der Besucher.
+
Leere Stühle haben die Gastrobetreiber aus Murnau und Umgebung auf der Marktstraße in Murnau aufgestellt. Die Organisatoren Christina Prager (r.) und Marco Pollini beantworten stellvertretend für alle Gastronomen die Fragen der Besucher.

Gastronomen und andere Gruppen gehen auf die Straße

Demo im Doppelpack im Murnauer Ortszentrum

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
    schließen

Gastronomen starten einen Hilferuf, eine Aktionsgemeinschaft protestiert hingegen gegen Corona-Beschränkungen. In Murnau sind am Samstag verschiedene Gruppen auf die Straße gegangen.

Murnau – Der Freitag gehört bislang den Klimaaktivisten. Der Samstag dagegen ist nun nationaler Corona-Demo-Tag. Murnau mag keine der Großstädte sein, in denen sich am Wochenende Tausende versammelten. Doch auch im Markt trafen sich hunderte Menschen für zwei Aktionen, die in ihrer Erscheinung so gegensätzlich waren, wie Proteste nur sein können. Die einen nennen sich „Aktionsgemeinschaft Leben in Freiheit“. Sie kamen mit Wucht und Wallung, mit Lautsprecher und Mikrofon, mit Crescendo und Forte. Sie wehren sich gegen Bevormundung, gegen Maskenpflicht, gegen das Impfen und gegen vieles weitere.

Gastronomen setzen ein Zeichen

Die anderen hörte Murnau nicht. Der Hilferuf der Gastronomen war ein leiser, einer für die Augen. Fast schon ein Kunstwerk, das diesem Ort der Künstler gerecht wurde. Murnaus Wirte dekorierten die Marktstraße mit ihren leeren Stühlen, von denen sie derzeit viele anzubieten haben. Sie stellten sich nicht gegen die Auflagen der Politik, sie fochten aber ihren Überlebenskampf am Samstag vor den Augen aller aus. „Ohne Unterstützung werden wir nicht überleben“, sagt Christina Prager, die Organisatorin. Sie sagte noch einen Satz, den selbst die Gäste der ersten Veranstaltung beklatscht hätten: „Die Auflagen sind kein Segen für uns.“ Deshalb schleppten sie die Sessel, so divers geformt wie die Szene, genau an diesem Samstag zur Mariensäule. Am Samstag nachdem Markus Söder Lockerungen für die Gastronomie verkündet hatte. 

Existenzen sind bedroht

Ab 18. Mai dürfen Biergärten öffnen, sieben Tage darauf Restaurants. Unter Auflagen. Welche das sind, wissen sie noch nicht. „Wir können sie uns denken“, sagt Prager. Viel Abstand zwischen den Tischen, reduzierte Platzzahlen – also weniger Umsatz in den Worten der Wirte. „Die Gastro verdient erst Geld, wenn 60, 70 Prozent belegt sind“, erklärt Marco Pollini, der zweite Organisator. „Mit 50 Prozent ist das nicht zu machen.“ Diese Botschaft, diese Klage, soll diejenigen erreichen, die über ihr Dasein richten: Regierung, Gäste, Mitarbeiter. „Für jeden von uns ist die Krise existenzbedrohend“, betont Prager. „Es wird echt eng“, ergänzt Pollini. Doch die Aktion hat ihnen gelehrt, wie nahe sie sich – trotz aller Konkurrenz – stehen.

Viele Betriebe machen mit

Über 50 Betriebe beteiligten sich. „Unfassbar viele“, findet Prager. Sie erzählt von der Begegnung mit dem Inder Ganpati, der kein Deutsch spricht, aber ihr den Stuhl in die Hand gedrückt hat. „Für uns ist es ein Erlebnis, wie viele wir sind.“ Am Abend waren alle Sitze verschwunden, dahin, wo sie herkamen. Aus den vielen Lokalitäten des Marktes.

Demo gegen Corona-Beschränkungen

Dagegen wird die Aktionsgemeinschaft wieder kommen. Nächsten Samstag möchte Uwe Erfurth ein weiteres Mal sprechen. „Wir wollen das etablieren“, sagt der Bad Kohlgruber. Die Gruppe hat sich für den Kampf gegen den Mobilfunkstandard 5G gefunden. Aber derzeit sehen sie die Corona-Beschränkungen als „vorrangiges Thema“. Zum Kreis gehören auch Impfgegner. Sie protestieren eben gerne gegen oder für Dinge, die ihnen wichtig sind. 120 Teilnehmer hatte das Landratsamt genehmigt. Allerdings erst, nachdem er „geknurrt“ habe, erklärt Erfurth. Die Behörden hatten zunächst nur 50 gestattet.

Buntes Grüppchen ohne Mundschutz

Tatsächlich kamen mehr als die erlaubten 120 zusammen, ein buntes Grüppchen ohne Mundschutz. Alte, Junge, Kinder, Gäste, die man aus der alternativen Szene der Region kennt, neben Veranstalter Erfurth, der unter anderem Bezug auf Hans-Georg Maaßen nahm, den früheren BND-Chef mit teils rechten Standpunkten. Der Bad Kohlgruber las aus dem Grundgesetz, sprach über die fehlerhaften Corona-Tests, schimpfte über Virologe Christian Drosten, über die „Mainstream-Medien“, über die Staatsregierung („Ich möchte an Söder appellieren: Wir sind doch keine Deppen“). Annette Hudler profilierte sich als Einpeitscherin („Warum müssen wir Mundschutz tragen? Weil sie alle deppert sind.“), Ärztin Dr. Gudrun Ströer als Impfgegnerin. Tenor: Die Pandemie klingt längst ab. Das Publikum applaudierte.

Hinweise statt Verweise

Selbst für die Polizei klatschten einige. Die Behörden setzen auf „Betreuung“, wie es Jürgen Kettl nennt, der Vize-Chef der Murnauer Inspektion. Seine Kollegen beließen es bei Hinweisen statt Verweisen. Sie spannten einen Korridor für die Passanten und beobachteten die Demo aus dem Hintergrund. Grund zum Einschreiten gab es nicht, weil die Versammlung friedlich ablief. Einige Teilnehmer fühlten sich jedoch von den Beamten „indirekt eingeschüchtert“, wie Heike Stolle-Nassauer erklärt. Nach der Veranstaltung habe man mehrere Demonstranten „ziemlich energisch“ zum Gehen aufgefordert. Kettl spricht von „Kommunikation und Dialog“. Aber gut, die Art der Kommunikation eben Ansichtssache. Heute, 19 Uhr, gleiche Stelle, unterhalb der Gottesmutter, treffen sich die Beteiligten wieder. Demonstriert wird für die „Wiedereinführung der Grundrechte“. Nun auch am Montag.

Auch interessant: Murnauer Corona-Demo in der Fußgängerzone 

In Murnau kam es kürzlich außerdem zu einem dramatischen Kutschenunfall. Mitten im Ort gingen zwei Pferde durch, die der Kutscher vorgespannt hatte. Sie liefen in Richtung Bahngleise.

Auch interessant

Kommentare