Kämpft für einen fairen Milchpreis: die stellvertretende BDM-Kreisvorsitzende Brigitte Taffertshofer bei einer ihrer 30 Kühe auf ihrem Hof bei Uffing. Sie hofft nun, dass sich der Landkreis dazu entschließt, Fördermitglied zu werden. Foto: herpen

Murnau lehnt Mitgliedschaft im BDM ab

Murnau - Nur sieben der 24 Murnauer Gemeinderäte befürworteten auf ihrer jüngsten Sitzung eine Fördermitgliedschaft im Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM). Zur Enttäuschung der örtlichen ÖDP.

Das Ergebnis war abzusehen. Dennoch ist Rolf Beuting „ein bissl enttäuscht“, dass der Murnauer Gemeinderat seinen Antrag so deutlich abgelehnt hat. Nur sieben Mandatsträger waren dafür, dass die Kommune Fördermitglied im Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) wird, der um einen fairen Milchpreis kämpft. 17 Kommunalpolitiker stimmten dagegen. Sie sind der Überzeugung, dass die Gemeinde mit einem Beitritt zum BDM ihre Pflicht zur Neutralität - beispielsweise gegenüber dem Bayerischen Bauernverband - verletzen würde. So zumindest formulierte es Bürgermeister Michael Rapp (CSU) im Rahmen einer kurzen Diskussion.

Eine Argumentation, die Beuting nicht nachvollziehen kann. „Wir müssen uns eine Meinung darüber bilden, was gut für den Landkreis ist“, findet der ÖDP-Kreischef, der für seine Partei auch im Murnauer Gemeinderat sitzt. „Indem die CSU jetzt auf eine angebliche Neutralitätspflicht verweist, drückt sie sich bequem um eine Stellungnahme.“ Für ihn habe die Kommune zudem eine Chance vertan, ihre Vorbildfunktion gegenüber den Bürgern wahr zu nehmen. Denn die hätten es schließlich in der Hand, ob sie möglichst billige Milch oder regionale und fair gehandelte Produkte kaufen.

Rückendeckung erhielt Beuting nicht nur von seinen Fraktionskollegen. „Ich unterstütze den Antrag der ÖDP“, betonte zum Beispiel auch Michael Manlik (SPD). „Der Bauernverband betreibt nicht unbedingt die richtige Art von Politik, und wenn das Ziel ein hehres ist, wäre es vertretbar, dass die Gemeinde einem Interessenverband beitritt.“ Dass das rechtlich möglich ist, ließ sich zu Beginn der Diskussion Michael Wiesener vom Bürgermeister bestätigen. Das Mitglied der Freien Wählergemeinschaft Murnau stand dem Antrag der ÖDP zwar „prinzipiell positiv“ gegenüber. „Wir müssen uns aber überlegen, was wir damit für einen Prozess auslösen.“ Wiesener spielte damit auf die Gefahr an, dass künftig viele andere Gruppierung ebenfalls von der Gemeinde gefördert werden wollen. „Die lokalen Metzgereien sind auch vom Aussterben bedroht und könnten Hilfe gebrauchen.“

Diese Problematik sieht auch Johann Scherrer. Der CSU-Gemeinderat, der selbst Mitglied im Bauernverband ist, lehnt einen Beitritt zum BDM aber vor allem deshalb ab, weil er dessen Forderung nach einem Mindest-Milchpreis von 40 Cent nicht gut heißt. „Angebot und Nachfrage sollten schließlich den Markt regeln.“

„Davor haben wir auch keine Angst“, betont die stellvertretende BDM-Kreisvorsitzende Brigitte Taffertshofer, die bei der Sitzung anwesend war. „Die Marktwirtschaft funktioniert aber nur, wenn es nicht mehr politisch gewollt ist, dass zuviel Milch auf dem Markt ist.“ Taffertshofer hofft nun, dass sich wenigstens der Landkreis dazu entschließt, Fördermitglied beim BDM zu werden. Einen entsprechenden Antrag will Beuting demnächst im Kreistag stellen. sis

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