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Lockt jedes Jahr bis zu 1800 Besucher nach Murnau: das Weltmusikfestival im Kultur- und Tagungszentrum. Auf diesem Archivfoto ist der Auftritt von Egberto Gismonti und Maria João im vergangenen Jahr zu sehen.

Kulturverein nimmt jetzt doch Politiker auf

180-Grad-Drehung beim Zuschuss-Hickhack für das Grenzenlos-Festival

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Murnaus Kulturverein hat in einer heiklen Angelegenheit einen Rückzieher gemacht: Es ging um die Frage, ob Gemeinderäte Mitglieder werden dürfen. Erst hieß es Nein – dann plötzlich Ja. Hintergrund war ein Zuschussantrag für das Weltmusikfestival Grenzenlos 2019.

Murnau – Das Weltmusikfestival Grenzenlos des Murnauer Kulturvereins ist eine Institution. Die Konzertreihe mit internationalen Top-Musikern lockt jedes Jahr bis zu 1800 Besucher ins Kultur- und Tagungszentrum – und beschert dem Tourismus-Ort einen hohen Werbeeffekt. Ohne eine kräftige Finanzspritze der Gemeinde wäre dieses Fest der Hochkultur nicht zu stemmen. Nächstes Jahr feiert es sein 20-jähriges Bestehen. 30 000 Euro wollte der Kulturverein dafür von der Marktgemeinde – und stellte einen entsprechenden Zuschussantrag.

Doch der Hauptausschuss lehnte diese Bitte Anfang Februar ab. Anlass war ein Vorgang, der das Zeug zu einem Eklat gehabt hätte – aber schließlich doch noch einvernehmlich endete. Was war passiert? Nach Tagblatt-Recherchen wollte die SPD-Gemeinderätin und Kulturreferentin Dr. Elisabeth Tworek bereits 2016 Mitglied im Kulturverein werden – und kassierte eine Abfuhr. Bemerkenswert, denn normalerweise haben Vereine ein erhöhtes Interesse daran, Entscheider in ihren Reihen zu begrüßen. Doch im Kulturverein, der mit derzeit rund zehn Mitgliedern zu den kleineren Gruppierungen im Ort zählt, sah man dies anders: Mandatsträger der Kommunalpolitik würden grundsätzlich abgelehnt, hieß es – „aus Gründen eines möglichen internen Interessenskonflikts“, wie Thomas Köthe, Zweiter Vorsitzender und Künstlerischer Leiter, später in einem Brief an die Gemeinde erklärte.

Bei den Ortspolitikern kam diese Praxis überhaupt nicht gut an. Dann könne man die beantragten Gelder für das Grenzenlos-Jubiläum 2019 nicht billigen, lautete kürzlich die Replik. Denn nach den Förderrichtlinien der Marktgemeinde müsse ein Verein für die Allgemeinheit uneingeschränkt offen sein, wenn er in den Genuss einer finanziellen Unterstützung kommen will. Diese schlechten Aussichten sorgten im Kulturverein zu einem Umdenken – und zu einer 180-Grad-Drehung. In einer außerordentlichen Sitzung am 14. Februar wurde die strittige Regelung – Tworeks Mitgliedsantrag war offenbar bislang der einzige konkrete Fall – gekippt. Die Folge: Nun kann im Haushaltsjahr 2019 das Geld fließen. Zwar nicht die erhofften 30 000 Euro, aber immerhin 27 800 Euro. Dies beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Köthe ist zufrieden – und gibt sich diplomatisch: „Ich freue mich, dass sich die Marktgemeinde Murnau und der Kulturverein wieder angenähert haben“, sagt er auf Tagblatt-Nachfrage. Ohne die Förderung hätte man die 20. Auflage des Festivals abblasen müssen. Man sei sich im Verein einig gewesen, das bisher Erreichte nicht zu gefährden – und habe daher nachgegeben. Im Gemeinderat wurden Überlegungen laut, das Grenzenlos-Projekt künftig nicht mehr als Vereins-, sondern als Kulturförderung zu betrachten, also aus einem anderen Topf zu bezuschussen. Eine Idee, die bei Köthe ankommt: „Das ist ein guter Blick in die Zukunft.“

Und auch Tworek setzt einen Haken hinter die Sache: „Es freut mich, dass sich der Verein öffnet. Ich sehe das ganz positiv“, sagt die Kulturexpertin. Die alte Handhabe sei einfach nicht mehr zeitgemäß gewesen. Denn es gehe dabei auch um Transparenz. Will sie nach dem ganzen Hickhack immer noch in den Kulturverein? Klar, meint Tworek. „Ich arbeite gerne mit.“

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