Richter-Kommentar zum Angeklagten 

„Blödheit muss bestraft werden“

Kaum zu glauben: Ein 24-Jähriger aus einem Dorf bei Murnau setzt sich innerhalb einer knappen Stunde zweimal mit viel zu viel Promille im Blut hinters Pkw-Steuer. Beide Male ertappt ihn vor einer Murnauer Diskothek die Polizei – nicht nur betrunken, sondern auch noch ohne Führerschein.

Murnau/Landkreis – „Blödheit muss bestraft werden“, fand Richter Andreas Pfisterer. Ein 24-Jähriger aus einem Dorf bei Murnau hatte sich innerhalb einer knappen Stunde zweimal mit viel zu viel Promille im Blut hinters Pkw-Steuer gesetzt. Beide Male ertappte ihn vor einer Murnauer Diskothek die Polizei – und das auch noch zweimal ohne Führerschein, denn er besitzt gar keinen. Das kostet ihn jetzt wegen fahrlässiger und vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr eine Geldstrafe von 3000 Euro.

Staatsanwältin Cathrin Rühling schlüsselte bei der Verhandlung im Amtsgericht eingangs auf, welche zwei Dummheiten sich der junge Mann am 2. Oktober 2016 erlaubt hatte: Um 0.40 Uhr wurde er am Parkplatz vor der Disko erstmals alkoholisiert ertappt. Eine Blutprobe ergab einen Alkoholgehalt von 1,69 Promille.

Dann geschah das eigentlich Unfassbare: Nachdem ihn die Polizei freundlicherweise nach der Blutprobe wieder zurückgefahren hatte, hatte der 24-Jährige nichts anderes im Sinn, als sich sofort wieder ans Steuer zu setzen – und zwar genau um 1.18 Uhr erneut am Parkplatz vor der Disko. Das Prozedere wiederholte sich daraufhin: erneute Blutprobe, diesmal mit nur noch 1,58 Promille, und wiederum die amtliche Feststellung, dass der Fahrer nach wie vor keinen Führerschein besitzt. Erst fahrlässig, beim zweiten Mal dann vorsätzlich verübte der Dörfler also die gleiche Straftat und bekam dafür einen Strafbefehl von 3000 Euro (100 Tagessätze à 30 Euro).

Doch man möchte es nicht für möglich halten: Er ließ seine Mutter daraufhin einen Einspruch gegen den Strafbefehl schreiben, er sei zu hoch. Richter Pfisterer befand dies deshalb als „äußerst dämlich“, weil der Strafbefehl-Tagessatz, der ein Dreißigstel des Monats-Nettoeinkommens ausmacht, bei dem 24-Jährigen, der immerhin 1300 Euro im Monat verdient, mit 30 Euro höchst freundlich berechnet worden war. „Ich kann Ihnen darum nur ans Herz legen“, riet Pfisterer mit Nachdruck, „nehmen Sie Ihren Einspruch ganz zurück, sonst könnte es nur noch teurer werden.“

Wenigstens an diesen Rat hielt sich der junge Mann.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: ©  dpa

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