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Imposant: Die einstige Murnauer Burg, die heute das Schloßmuseum beheimatet.

Große Jubiläumsfeier am 28. Juli

25 Jahre Schloßmuseum: Murnaus Kultur-Flaggschiff

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die Kulturszene geizt bekanntlich nicht mit Superlativen. Aber im Falle des Murnauer Schloßmuseums sind diese mehr als gerechtfertigt. Denn die Einrichtung der Marktgemeinde ist ein Juwel – und ein Publikumsmagnet. Am 28. Juli feiert sie ihr 25-jähriges Jubiläum.

Murnau – Aller Anfang ist schwer: Dass diese Binsenweisheit Gültigkeit besitzt, davon kann Murnaus Altbürgermeister Werner Frühschütz mit Blick auf die Gründung des Schloßmuseums ein Lied singen. „Das war nicht ganz einfach“, erinnert sich der 80-Jährige. Der Ex-Rathauschef, der von 1978 bis 1996 die Geschicke des Ortes leitete und heute mit seiner Frau in Oberammergau lebt, gilt als Vater der renommierten Kulturstätte, die am 1. Juli 1993 im Schloss des Marktes erstmals ihre Pforten öffnete.

Der Einsatz hat sich gelohnt: Heute, 25 Jahre später, ist die Vorzeige-Einrichtung eine feste Größe in der Museumslandschaft und leistet wertvolle Forschungsarbeit. Im Fokus: die legendäre Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“, die vor über 100 Jahren am Staffelsee ihren Ursprung fand und den Stil des Expressionismus entscheidend mitprägte. Fast 1,5 Millionen Besucher wurden seit Beginn gezählt, darunter auch viel Prominenz. 2008 reiste sogar der damals amtierende Bundespräsident Horst Köhler (CDU) an, um eine Sonderausstellung zu eröffnen – eine Wertschätzung, die einer Adelung gleichkam. Frühschütz ist zufrieden: „Das Museum ist einmalig. Ich bin stolz darauf.“

Die Idee, ein solches aus der Taufe zu heben, ist alt. Bereits der bekannte Architekt Emanuel von Seidl dachte darüber nach. Doch richtig konkret wurde es um 1980: Es bot sich die einmalige Gelegenheit, das Projekt in einem historischen Wahrzeichen des Ortes zu realisieren: Im Schloss, das über dem Markt thront. Aufgrund des Hauptschulneubaus stand der Haupttrakt, der bis dahin für den Unterricht genutzt worden war, zur freien Verfügung – eine Chance, die die Ortspolitik ergriff. „Der Gemeinderat stand dem Vorhaben von Anfang an positiv gegenüber“, berichtet Frühschütz. Die einstige Burg, deren ältester Teil im 13. Jahrhundert entstand und die bis zur Säkularisation 1803 Gerichtssitz des Klosters Ettal war, erwies sich als idealer Standort, um Murnaus reiche Historie zu präsentieren.

Gemeinde holt sich professionelle Hilfe von außen

Nur: Wie stampft man ein Museum aus dem Boden? „Wir waren alle Laien“, sagt Frühschütz. Und die Kommune habe so gut wie keine Exponate besessen, geschweige denn Bilder der Kunst-Superstars. Nach Vorarbeiten des Historischen Vereins entschieden sich Frühschütz und der Gemeinderat, professionelle Hilfe von außen zu holen – eine Entscheidung, die nicht unumstritten war. „Das war aber der richtige Weg“, so Frühschütz. 1989 wurde Dr. Brigitte Salmen engagiert – ein „Glücksfall“, wie der Altbürgermeister anmerkt.

Die Kunsthistorikerin machte das Schloßmuseum, das sie bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand 2011 leitete, zu dem, was es heute ist: Ein Kulturbetrieb, der international einen hervorragenden Ruf genießt. „Es ist ein ganz besonderer Ort“, beschreibt Salmen ihr Lebenswerk, für das sie 1995 den Bayerischen Museumspreis erhielt. Sie entwickelte das Konzept und hob das Potential, das Murnau mit seiner bedeutenden Rolle in der Geschichte der Kunst und Kultur hat.

Die Expertin rückte neben den Themen der Ortsentwicklung die Maler der „Neuen Künstlervereinigung München“ und des „Blauen Reiter“ in den Mittelpunkt, vor allem Gabriele Münter und ihren langjährigen Lebensgefährten Wassily Kandinsky. Und sie schob eine weitere Figur der Weltkultur ins Rampenlicht: Den Schriftsteller Ödön von Horváth, der wie Münter und Kandinsky in Murnau lebte und hier Anregungen für seine Werke fand.

Es war ein Kraftakt, all dies umzusetzen. Die Gemeinde investierte etliche Millionen in das Haus – „gut angelegtes Geld“, wie Frühschütz urteilt. Ohne die Unterstützung von Spendern, Stiftungen und Sammlern wäre es nicht gelungen, die Kunstschätze zusammenzutragen. „Wir haben gezielt versucht, Dinge zu bekommen“, erinnert sich Salmen – ob nun in Form von Schenkungen, Leihgaben oder Ankäufen. Gute Kontakte und das Vertrauen in die Arbeit des Museums seien dabei das A und O. Mittlerweile stehen diesem zwei Stiftungen und ein Förderkreis fest zur Seite.

Im Laufe der Zeit wuchs der Bestand stetig an. Inzwischen sind es tausende, viele Millionen Euro wertvolle Ausstellungsstücke, die in den verwinkelten Räumen zu bestaunen sind. Das Herzstück bilden rund 80 Münter-Bilder, darunter Schlüsselwerke, und vier Kandinsky-Gemälde, die dauerhaft gezeigt werden. Bemerkenswert: Ein Großteil des Schatzes, etwa zwei Drittel, schlummert im Depot.

Kunstgeschichte wird erlebbar

In Murnau wird Kunstgeschichte erlebbar – das macht das Museum so besonders. „Das ist wie eine Zeitreise“, beschreibt Dr. Sandra Uhrig, Salmens Nachfolgerin, das Alleinstellungsmerkmal. Die Gäste sehen die Bilder weltbekannter Expressionisten und, wenn sie durch den Ort gehen, die Motive gleich dazu – ob nun die bunten Fassaden der Bürgerhäuser, den herrlichen Bergblick oder die schmucke St.-Nikolaus-Kirche. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie fasziniert Künstler wie Münter, Kandinsky, Jawlensky und Werefkin waren und – inspiriert von der Landschaft und der bayerischen Volkskunst – damit anfingen, mit ihrer ausdrucksstarken, abstrahierenden Bildsprache die Malerei des 20. Jahrhunderts zu revolutionieren.

Von großer Bedeutung sind die Sonderausstellungen – im Schnitt drei pro Jahr. Das Schloßmuseum bleibt dabei seiner Linie treu: Die gesetzten Themen werden immer wieder aufgegriffen und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. „Es kommt jedesmal ein Puzzlestück hinzu“, erklärt Uhrig.

Das alles gibt es natürlich nicht zum Nulltarif: Der personalintensive Betrieb hat ein Jahresbudget von etwa 600 000 Euro – für die Gemeinde ein Zuschussgeschäft. Immer wieder flammen politische Debatten darüber auf, wie die Ausgaben gesenkt werden können. Allerdings darf bei der Rechnung nicht vergessen werden, dass mit den vielen Kunstfreunden auch Kaufkraft angelockt wird, von der der gesamte Tourismus-Ort profitiert.

Für Uhrig steht fest: „Kultur braucht Zuschuss. Forschungsarbeit kostet nun mal Zeit und Geld.“ Eine Einrichtung wie das Schloßmuseum, das vor einigen Jahren umgebaut und erweitert wurde, sei nichts Statisches, sondern müsse sich fortwährend weiterentwickeln. Außerdem seien im Hintergrund unzählige Arbeiten zu erledigen, angefangen bei der Depotpflege bis hin zur Erstellung der Kataloge für die Sonderschauen.

Und wo geht die Reise hin? Museen müssen sich dem Zeitgeist stellen, zum Beispiel die digitalen Medientrends berücksichtigen. Und sie müssen attraktiv bleiben und Neugier wecken. Uhrig hat jede Menge Ideen: „Es ergibt sich immer wieder was.“ Zum Beispiel sei geplant, die NS-Zeit in Murnau näher zu betrachten – und das große Kapitel Sommerfrische aufzugreifen. Besonders freut sie sich auf die Entdeckerstationen für Kinder, die im Zuge der Jubiläumsfeier am 28. Juli eingeweiht werden.

Wenn es so weitergeht, muss man sich um die Zukunft des Schloßmuseums keine Sorgen machen. Murnaus Kultur-Flaggschiff erfreut sich ununterbrochener Beliebtheit und wird mit Komplimenten überschüttet. Ein besonders schönes formulierte ein „Zeit“-Journalist: „Eine begnadete Landschaft, ein schönes Museum. Man verlässt es heiterer, als man gekommen ist.“

25 Jahre Schloßmuseum – am Samstag, 28. Juli, wird dieses Jubiläum gefeiert. Auf dem Programm stehen die Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Eine Floriade zum 25jährigen Jubiläum. Mit Dank für die Blumen!“ (11 Uhr), Führungen und Aktionen (14 bis 16 Uhr) und ein Konzert der Oberammergauer Kultband Kofelgschroa (20 Uhr, bei schönem Wetter im Schlosshof). Ehrengast ist der bekannte Filmregisseur Joseph Vilsmaier („Herbstmilch“), der die Festrede hält.

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