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Nur wenige Befürworter findet im Marktgemeinderat eine Sicherheitswacht als „verlängerter Arm der Polizei“

Gemeinderäte lehnen Sicherheitswacht ab

Murnau: Nein zum „Bürger auf Streife“

Das war deutlich: Mit 17:6 Stimmen hat es der Murnauer Marktgemeinderat am Montagabend abgelehnt, eine Sicherheitswacht einzuführen. Eine klare Niederlage für Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der sich dafür ausgesprochen hatte.

Murnau – Zum Wesen der Pubertät gehört, dass junge Leute Grenzen überschreiten. Das passiert offenbar auch vorwiegend in den Sommermonaten an manchen öffentlichen Plätzen in Murnau, etwa im Kemmelpark, im Kulturpark oder in der Bucht. Bereits im Oktober hatten Anwohner im Hauptausschuss dramatische Schilderungen vorgebracht. Von Ruhestörungen bis spät in die Nacht war die Rede, von Alkohol- und Drogenmissbrauch und von Sachbeschädigungen. Seitdem wurde in der Ortspolitik intensiv über das Für und Wider einer Sicherheitswacht diskutiert, also über Bürger, die auf Patrouille gehen und nach dem Rechten schauen.

Am Montagabend stand nun die Entscheidung im Marktgemeinderat an. Auch Murnaus Polizeichef Joachim Loy war präsent, er hatte Heidi Schrödl mitgebracht, die in Schongau seit ein paar Jahren bei der Sicherheitswacht ist. „Seitdem wir da sind, ist es ruhiger geworden“, erzählte sie. Man müsse mit den Leuten einfach reden. Sie und ihre sieben Kollegen sind vor allem am Wochenende abends unterwegs. Die Polizei rufen sie ganz selten zur Hilfe. „Ich weiß gar nicht, wann das das letzte Mal war.“

Doch in den Reihen der Murnauer Räte fiel das Thema nicht auf fruchtbaren Boden. Nur sechs Volksvertreter inklusive Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sprachen sich für den „Bürger auf Streife“ aus, 17 waren dagegen. Vorgeschlagen hatte die Verwaltung eine Probezeit von zwei Jahren.

Auch eine alternative Idee fand nur zwei Befürworter. Sie bestand darin, dass die Kommune „zur Ausübung der sicherheitsrechtlichen Aufgaben“ zwei zusätzliche Teilzeitstellen mit je maximal 15 Stunden im Monat schafft, analog der Stunden für eine Sicherheitswacht.

Die Gegner der „Bürger auf Streife“ betonten vor allem, dass es in Murnau kein Sicherheitsproblem gebe. „Wir haben ein friedliches Miteinander, wir brauchen das nicht kaputt reden“, betonte etwa Welf Probst (Freie Wähler). „Ein Sicherheitsproblem haben wir in Murnau mit Sicherheit nicht“, fand auch Josef Bierling (CSU).

Das stimme, erwiderte Beuting. „Aber wir haben manchmal ein Ordnungsproblem.“ Vor allem Michael Manlik von der Bürgermeisterpartei warb vehement für die Sicherheitswacht. Denn Murnau habe „ein Belästigungs-, Lärm- und Krawallproblem. Das können wir nicht kleinreden“. Manlik wies darauf hin, dass keiner der Gemeinderäte in unmittelbarer Nähe zu den Brennpunkten wohne.

Heinz Rethfeldt tut das. Er lebt am Kulturpark – und zeigte sich am Dienstag enttäuscht über das Votum des Gemeinderats. „Wir werden allein gelassen. Wir dürfen ausbaden, was uns die Politik einbrockt“, ärgert sich der 80-Jährige. Momentan sei das Problem nicht so groß. „Aber wenn es warm wird, geht der Mist wieder von vorne los. Abends können wir dann nicht auf den Balkon gehen.“

Auch Polizeichef Loy hätte sich gewünscht, dass die Abstimmung anders ausgeht. „Aber davon geht die Welt nicht unter.“ Murnau sei einer der sichersten Orte in Bayern und werde es auch ohne Sicherheitswacht bleiben. „Aber es wurde ein große Chance vertan, engagierte Bürger mit Zivilcourage als Sicherheitswacht einzustellen, die durch ihre Anwesenheit das Sicherheitsgefühl der Bürger noch erhöht hätten.“

Bürger auf Patrouille wird es also wie in Garmisch-Partenkirchen nicht geben. Dafür entschieden die Murnauer Räte, das Budget für die Mobile Jugendarbeit um fünf Stunden pro Monat zu erhöhen. Dabei soll vor allem das Konzept der Motivierenden Kurzintervention (Move) eingeführt werden. 

Der Antrag der Freien Wähler, eine Resolution für mehr Polizeikräfte in Murnau zu beschließen, scheiterte. Nur Probst und Vizebürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) stimmten dafür.

Roland Lory

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