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Alptraum Buchsbaumzünsler: So gelingt die Bekämpfung des Schädlings

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Behandelt Sträucher mit homöopathisch aufbereitetem Gießwasser: Gärtnermeister Georg Schmötzer (vorne).

Der Buchsbaumzünsler verbreitet Schrecken unter Gartenbesitzern. Nach Ansicht einer Expertin gibt es vermutlich im ganzen Landkreis einen massiven Befall. Doch viele Betroffene handeln in dieser Situation grundverkehrt.

Murnau – Die kleinen, weißen Schmetterlinge sind hübsch anzusehen. Doch das Erscheinen der Falter bedeutet für die in deutschen Gärten überaus beliebten Buchsbaumsträucher vielfach den sicheren Tod. Der vor wenigen Jahren aus Asien eingeschleppte Buchsbaumzünsler, dessen Raupen für Kahlfraß sorgen können, hat sich binnen kurzer Zeit in rasendem Tempo im mitteleuropäischen Raum ausgebreitet – und vor der Region nicht Halt gemacht.

„Wir haben vermutlich im gesamten Landkreis einen massiven Befall“, sagt Corinna Zenke, Kreisfachberaterin für Garten- Kultur- und Landespflege im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, gegenüber dem Tagblatt. „Der Buchsbaumzünsler hat sich seit 2015 in Deutschland großflächig verbreitet und besitzt hier keine natürlichen Feinde.“ Da helfe nur „absammeln, ausschneiden oder kräftig abspritzen“. Zur Bekämpfung empfiehlt sie den „Bacillus thuringiensis“, von der Verwendung chemischer Mittel rät sie generell ab. Die Entsorgung des betroffenen Schnittgutes solle nicht über die Grüngutschiene, sondern vielmehr in kleineren Mengen in Plastiksäcken durch die Restmülltonne erfolgen. Größere Mengen sollten ebenfalls in Säcke verpackt in den jeweiligen Müllumladestationen des Landkreises abgegeben werden.

Fakt ist: In zahlreichen Gärtnereien der Region steht das Telefon nicht mehr still. Gartenbesitzer sorgen sich um ihre Buchsbaumbestände und bitten um Ratschläge zur Schädlingsbekämpfung. Das war Grund genug für den erfahrenen Gärtnermeister Georg Schmötzer, auf dem Gelände der Gartenbaumschule Sauer eine Informationsveranstaltung vor 40 Interessierten abzuhalten. Oft werden die beliebten Buchsbaumsträucher per Heckenschere auf Form geschnitten, schickte der Experte voraus. „Das ist aber grundverkehrt, denn dadurch wird eine geschlossene Oberfläche geschaffen, durch die kein Licht und auch keine Luft ins Innere gelangt“, unterstrich Schmötzer. „Dann fühlt sich der Zünsler am wohlsten.“ Vor den Augen der Umstehenden lichtete er sogleich einen etwa eineinhalb Meter hohen Buchs fachgerecht aus: „Der Falter mag es gar nicht, wenn es dort drinnen zieht.“

Ein rechtzeitiges Erkennen eines Befalls sei von entscheidender Bedeutung, wofür die Sträucher stetiger Beobachtung bedürften. Hierfür empfahl Schmötzer Lockfallen für die Schmetterlinge. Wenn die Temperaturen stimmten – ab sieben Grad Celsius –, kämen pro Jahr drei bis vier Generationen des Schädlings zur Welt, sagte der Gärtnermeister. Der Falter lege unter einem gesunden Blatt bis zu 150 Eier ab, und bereits nach drei Tagen schlüpften die Raupen, die sich nach drei bis zehn Wochen verpuppten. „Und in diesem Zeitraum muss man die Raupen bekämpfen“, so Schmötzer. Dies könne mit einem Hochdruckreiniger oder mithilfe von biologischen Insektiziden wie dem auch von Zenke empfohlenen „Bacillus thuringiensis“ geschehen. Lägen die Raupen erst einmal unter dem Strauch am Boden, könnten sie aufgesammelt oder mittels der Gabe von „Effektiven Mikroorganismen“ nachhaltig vernichtet werden. Er selbst habe mit homöopathisch aufbereitetem Gießwasser gute Erfahrungen gemacht, sagte Schmötzer.

Die Frage eines Teilnehmers, ob die Düngung des Buchses etwas bringe, verneinte der Gärtnermeister: „Dann schmeckt’s dem Zünsler bloß noch besser.“ Die komplette Entfernung der befallenen Sträucher sind für Schmötzer übrigens keine Option, denn: „Wir wollen schließlich alles tun, um sie zu retten.“

Heino Herpen

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