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Im Dornröschenschlaf: die alte Murnauer Mariensäule ohne Figur auf dem Areal einer früheren Kiesgrube.

Früherer Unterbau der Muttergottesfigur liegt im Außenbereich auf Gemeindegrund

Alte Murnauer Mariensäule „verrottet in Kiesgrube“: Ruf nach neuem Standort

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Die Nachricht klingt nach einem Aufreger: „Alte Murnauer Mariensäule verrottet in einer Kiesgrube“, betitelt der Fotograf Christian Kolb eine Presseinformation. Er will, dass ein geeigneter Platz für den offenbar authentischen Pfeiler gefunden wird. Kolb stellt klar: Es handle sich weder um einen Skandal noch um eine Sensation. Doch die Geschichte schlägt hohe Wellen.

Murnau – Als Dr. Marion Hruschka am Montagmorgen beim Frühstück ein BR-Radioprogramm hörte, blieb der Murnauer Marktarchivarin und Vorsitzenden des Historischen Vereins „fast das Müsli im Hals stecken. Das klang so, als ob wir irgendwelche tollen Stücke in einer Kiesgrube entsorgt hätten“.

Hruschka staunte, welch große Aufregung eine Geschichte über die alte Mariensäule nach sich zieht. Mit dieser bewirbt Christian Kolb, Fotograf aus dem Ort, sein neues Buch. Er fertigte Bilder von der 160 Jahre alten, in mehrere Teile gestückelten Murnauer Mariensäule an, die auf der Fläche einer früheren Kiesgrube auf Gemeindegrund im Außenbereich liegt. Die Nazis hatten den 1859 eingeweihten Pfeiler aus Untersberger Marmor im neugotischen Stil 1939 abtragen lassen, weil er angeblich den Verkehr behinderte. Die Figur der Gottesmutter mit dem Kind im Arm sicherte man. Diese ziert auch die neue, 1975 an gleicher Stelle errichtete Mariensäule, die das Bild des Marktes prägt.

Kolbs Vorstellung: Alte Mariensäule soll an einem geeigneten Ort aufgestellt werden - „mit Geschichtstaferl“

Wie lange die Stücke des alten Unterbaus bereits kreuz und quer auf Gemeindegrund lagern, bleibt offen. Sie seien zugewachsen, vermoost und leicht lädiert, aber komplett vorhanden, umschreibt Kolb den Zustand, wie er ihn im Mai vorfand. Ein Murnauer hatte ihn auf die außergewöhnlichen Stücke aufmerksam gemacht, die Kolb nun unter dem scharf zugespitzten Titel „Alte Murnauer Mariensäule verrottet in einer Kiesgrube“ ans Licht der Öffentlichkeit brachte – mit dem Hinweis auf sein neues „Kistenblick“-Buch, in dem er dieses Kapitel behandelt. Der 59-jährige Fotograf betont, es handle sich dabei „weder um einen Skandal noch um eine Sensation“ – ihm gehe es um die Sache. Seine Sicht der Dinge: „Es ist schade darum. Alles Mögliche stellen wir aus. Für die alte Mariensäule gäbe es genug Plätze in Murnau, an denen sie besser aufgehoben wäre – mit einem Geschichtstaferl.“ Die Entdeckung will er sich auf Tagblatt-Anfrage nicht ans Revers heften. Kolb spricht sehr bildhaft davon, die Säule „aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst“ zu haben.

Tatsächlich liegt keine Sensation vor. Ein Insider erklärt, so mancher wisse vom Lagerplatz des Pfostens, ohne ein Bohei darum zu machen – Souvenirjäger sollen nicht auf die richtige Fährte geführt werden. Kolb ist auch nicht der Einzige, bei dem die neugotischen Steinteile Aufmerksamkeit erregten. Vor etlichen Monaten hatte ein „aufmerksamer Murnauer“ Hruschka mit Fotos auf den Lagerplatz hingewiesen. Die promovierte Historikerin begutachtete die Bilder mit Marktbaumeister Klaus Tworek und kam zu dem Schluss: „Es dürfte sich aufgrund der Ornamentik um Teile der alten Mariensäule handeln.“ Eine ehemalige Kiesgrube sei dafür „sicherlich nicht der passende Platz“. Die Marktarchivarin, die keinen Grund dafür sieht, etwas übers Knie zu brechen, will sich mit den Kollegen im Bauamt absprechen, um einen geeigneten Ort zu finden. Es gebe „erste Überlegungen, aber das muss man gemeinsam lösen“. Auch im Bauamt zeigt man sich unaufgeregt. Die Teile lagerten an einer Stelle, an der man sie wiederfinden könne, heißt es.

Die historische Bedeutung der Säule stuft Hruschka als „nicht so überragend“ ein. „Das muss man schon in Relation sehen.“ Es handle sich eben „um ein Zeitdokument von damals, von 1859“.

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