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Alte Post in Murnau: Kurze Mietzeit ist „Knackpunkt“ - Soziale und kulturelle Nutzung steht zur Debatte

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Von: Roland Lory

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Prägend für Murnau: das alte Postgebäude am Ödön-von-Horváth-Platz.
Prägend für Murnau: das alte Postgebäude am Ödön-von-Horváth-Platz. © Bartl

Dem Markt Murnau ist es nicht gelungen, Zwischenmieter für das alte Postgebäude zu finden. Nun will die Gemeinde untersuchen lassen, wie eine soziale und kulturelle Nutzung der Immobilie aussehen könnte.

Murnau – Nächstes Jahr wird das alte Murnauer Postgebäude 100 Jahre alt. Ob es eine Feier gibt, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist nächstes Jahr auch klar, wo die Reise hingeht mit der denkmalgeschützten Immobilie, die dem Markt Murnau gehört. Eigentlich hatte die Kommune vor, die Räume zwischenzuvermieten. Doch das ist gar nicht so einfach, wie im Hauptverwaltungsausschuss am Donnerstagabend bekannt wurde. Zunächst meldete sich jemand, der nur grundsätzliches Interesse an den Garagen hatte. Anfang April wurde dann ein aktualisiertes Exposé auf der Internetplattform www.immobi lienscout24.de veröffentlicht. Es gab drei Besichtigungen, doch heraus kam am Ende nichts.

Keine langfristige Vermietung

Nach Einschätzung der Rathausverwaltung liegt die Schwierigkeit, einen geeigneten Mieter zu finden, in der kurzen Mietzeit von zwei Jahren. Dies sei der „Knackpunkt“, betonte Norbert Werner, Leiter des Referats Immobilienmanagement. Eine Verlängerung auf mindestens fünf Jahre und eine Umwandlung nach dieser Zeit in einen unbefristeten Mietvertrag mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist lässt aus Sicht der Gemeinde eine höhere Nachfrage erwarten. Doch das war mit der Mehrheit der Ausschussmitglieder nicht zu machen. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Rudolf Utzschneider erinnerte an die „große Einigkeit“, die Immobilie „nicht langfristig“ zu vermieten. Die Sitzungsvorlage „konterkariert das, was wir besprochen haben“.

Die Mandatsträger fassten einen weiteren Beschluss: Der Marktgemeinderat beauftragt die Verwaltung damit, eine sogenannte Nutzwertanalyse in die Wege zu leiten. Und zwar „für eine optimale soziale und kulturelle Nachnutzung des Postareals“. Eine Nutzwertanalyse ist ein Bewertungsverfahren. Dabei können mehrere Alternativen beurteilt und verglichen werden. Dieses Vorgehen, das der Gemeinderat noch bestätigen muss, ist ganz im Sinne von Ratsmitglied Felix Burger (SPD). Denn er hatte schon vor längerem ein „Bürgerhaus“ vorgeschlagen. Darin könnten verschiedene soziale, kulturelle und kirchliche Einrichtungen unterkommen. Etwa die Brücke Oberland, der Familienverband, der Murmel-Verein und andere. „Es sind gut über 15, die mitmachen wollen“, sagte Burger im Hauptausschuss, in den er als Zuhörer gekommen war. Auch mit der Camerloher Musikschule hatte er schon Kontakt. Burger glaubt, dass ein Bürgerhaus für Murnau einen „wahnsinnigen Mehrwert“ hätte. Es gebe auch viele Möglichkeiten, an Zuschüsse zu kommen.

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Gutachten des TÜV Süd

Das Geld spielt bei der Causa Post natürlich auch eine Rolle. Denn die Immobilie müsste saniert werden. Um den Aufwand festzustellen, wurde der TÜV Süd beauftragt, das Gebäude technisch zu beurteilen. Die Fachleute prüften, welche baulichen und Instandsetzungsmaßnahmen nötig wären. Außen vor blieben Schritte, die Schönheitsreparaturen, Böden oder die elektrische Ausstattung betreffen. Ergebnis: Um die größten Mängel am Gebäude zu beheben, müsste die Gemeinde etwa 160 000 Euro ausgeben. Was es kosten würde, das Haus so herzurichten, dass es als Bürgerhaus dienen könnte, ist unklar. Eine konkrete Aussage dazu ist erst möglich, wenn feststeht, wer die Immobilie nutzt. Doch im Rathaus geht man von mehreren hunderttausend Euro aus. Eine Sanierung wird wohl wesentlich günstiger als gedacht, was im Hauptausschuss freudig aufgenommen wurde.

Ob das Bürgerhaus tatsächlich kommt, wird sich zeigen. Veronika Jones (Grüne) sah es so: „Wichtig ist, dass da nicht das nächste Amazon-Zwischenlager reinkommt.“

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