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Motiviert: die Funker Achim Fiala (l.) und Jens Plessen. 

Attraktiver Arbeitgeber?

Alternative Wehrdienst: Darum wollen diese zwei Männer zur Bundeswehr

115 Rekruten haben in Ohlstadt der Bundesrepublik den Fahneneid geschworen. Freiwillig Wehrdienstleistende wie Jens Plessen und Achim Fiala braucht die Bundeswehr dringend.

Murnau/Ohlstadt – Um fünf Uhr morgens aufstehen, sich waschen, die Stube putzen, frühstücken und pünktlich um 6.30 Uhr im Gang antreten, um das weitere Vorgehen für den Tag zu besprechen: Dies ist für Jens Plessen und Achim Fiala unter der Woche Routine bei der Bundeswehr. Die beiden Männer gehören zum Grundausbildungszug der Ersten Kompanie in der Werdenfelser Kaserne Murnau. Am Mittwoch gelobten sie gemeinsam mit 115 anderen Kameraden, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen.

Das Gelöbnis wurde auf dem Ohlstädter Rathausplatz gefeiert, wo sich die Soldaten des Informationstechnikbataillons 293 aus Murnau sowie des Gebirgsjägerbataillons 233 aus Mittenwald zusammen kamen. Mit dem Nachwuchs habe es die hiesige Bundeswehr seit der Abschaffung der Wehrpflicht nicht leicht, erklärte der Murnauer Pressestabsoffizier Max-Josef Kronenbitter gegenüber dem Tagblatt. „Wir können jeden Einzelnen gebrauchen“, betonte er. Darum ist die Freude groß über zwei freiwillige Wehrdienstleistende wie Fiala und Plessen, die beide seit Anfang Januar in der Werdenfelser Kaserne stationiert sind. „Ich will meinem Land damit etwas zurückgeben“, sagt der 34-Jährige Fiala. Der dreifache Familienvater war zuletzt im Landkreis Dillingen als Servicetechniker für Fräsmaschinen im Außenbereich tätig gewesen. Ihm zufolge ist das eine körperlich anstrengende Arbeit, die er dauerhaft nicht ohne gesundheitliche Einbußen würde ausüben können. Da kam der Gedanke auf, zur Bundeswehr zu gehen.

Fiala gelobte, 23 Monate seinen Dienst zu leisten. In dieser Zeit kann er bis zum Hauptgefreiten aufsteigen. Am Anfang ist er Funker, genauso wie sein Kamerad Plessen. Dieser will sich zunächst nur für acht Monate verpflichten. Der 21-Jährige kommt aus Baden-Württemberg und war eigentlich Informatik-Student. „Mir hat der Ablauf an der Uni nicht gefallen, und ich konnte mir nicht vorstellen, einen Beruf auszuüben, bei dem ich den ganzen Tag im Büro sitze“, meint er. Darum entschloss er sich zur Grundausbildung.

Wenn er diese abgeschlossen hat, stehen ihm alle Möglichkeiten offen: Er kann seine Zeit beim Bund verlängern, eine Ausbildung beginnen oder ein Studium. Wie Kronenbitter mitteilte, würden einige bei der Bundeswehr studieren, da dieser die Kosten übernimmt und obendrein noch einen Sold zahlt. „Wir bieten individuelle Möglichkeiten an, seine Zeit zu gestalten“, sagte er. Damit wolle man die Eintrittsschwelle möglichst gering halten.

Zur Grundausbildung gehört unter anderem eine Wachausbildung, außerdem lernen die Soldaten den Umgang mit Waffen und üben das Versorgen von Verletzungen. Auch Ernstfälle werden geprobt. „Das ist im zivilen Leben sehr hilfreich“, befindet Plessen.

Angst vor Auslandseinsätzen haben die beiden nicht, da sie nicht lange genug dabei sind, um hierfür herangezogen zu werden. Eigenen Angaben zufolge könnten es sich die zwei Funker aber eines Tages vorstellen, beispielsweise in Afghanistan zu landen. Um beim Bund zu bestehen, muss man Fiala zufolge eines mitbringen: „Durchhaltevermögen und einen starken Willen“, sagt der 34-Jährige. „Damit schafft man sowieso alles im Leben.“

Constanze Wilz

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