Soll abgerissen werden: die alte Tengelmann-Immobilie im Lindenthal.
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Soll abgerissen werden: die alte Tengelmann-Immobilie im Lindenthal.

Behörden finden, dass sich Gebäude nicht in Umgebung einfügt

Altes Tengelmann-Areal in Murnau: Neubau zieht sich

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Der Neubau von Wohnungen im Murnauer Lindenthal auf dem alten Tengelmann-Areal zieht sich. Die Behörden finden, dass sich das geplante Gebäude nicht in die Umgebung einfügt.

  • Der Neubau von Wohnungen im Murnauer Lindenthal zieht sich.
  • Die Behörden sind mit der aktuellen Planung nicht einverstanden.
  • Ein Verkauf der Wohnungen ist aktuell nicht vorgesehen.

Murnau – Größere Bauprojekte ziehen sich in der Regel über Jahre. Bis alles unter Dach und Fach und jede Genehmigung erteilt ist, dauert es gewöhnlich etwas. Dies ist auch bei einem Vorhaben des Unternehmens Vispiron der Fall. Die Firma will in Murnau im Lindenthal, wo bis dato noch das alte Tengelmann-Gebäude steht, Wohnungen und Boardinghaus-Einheiten realisieren. Die Marktgemeinderäte haben sich im Bauausschuss schon mehrfach mit den Plänen befasst, und auch im Landratsamt ist das Thema nicht neu.

Einwände der Behörden

Der Markt Murnau hat dem Antrag sein Plazet nur unter bestimmten Bedingungen erteilt. Einer der wichtigsten Punkte ist nach Auskunft der Kreisbehörde, „dass sich das Vorhaben (auch noch) in seiner modifizierten Planung in die nähere Umgebung einfügt“. Der wesentliche Konflikt des aktuellen Bauantrages liegt laut Sprecher Stephan Scharf darin, dass das bauaufsichtlich genehmigte Gebäude erweitert werden soll und die Firsthöhe dabei nicht mehr mit der genehmigten Höhe geplant sei. „Das Landratsamt hat dem Bauherrn mitgeteilt, dass sich das Vorhaben in seiner beabsichtigten Modifizierung nicht mehr in die nähere und prägende Umgebung einfügt.“

Firma muss umplanen

Vispiron feilt an einer weiteren Tektur, wie Geschäftsführer Florian Schönberger mitteilt. Bereits im Vorjahr hatte die Firma überarbeitete Unterlagen eingereicht. „Mit der letzten Tektur haben wir das Projekt hinsichtlich Ökologie, Wärmedämmung und Eintrag, solare Energieerzeugung und Flächennutzung sowie Familienfreundlichkeit überplant.“ Das Unternehmen, das in Eschenlohe und Schöffau in den vergangenen Jahren Photovoltaikanlagen auf der grünen Wiese realisierte, reichte ein Passivhaus in Holzmassivbauweise ein – mit geneigten großen Dächern. „Leider ist der Tekturantrag abgelehnt worden mit der Begründung, dass sich die Firsthöhe mit 10,3 Meter nicht mehr in die Eigenart der Umgebung einfügt“, bedauert Schönberger. Daher war Vispiron gezwungen, das Objekt erneut zu überplanen. Die Firma musste zur ursprünglich genehmigten Variante mit Pultdach zurückkehren. Folge: „Dadurch verlieren wir 182 Quadratmeter geneigte Dachfläche. Die PV-Anlage reduziert sich um 27,5 kWp. Der CO2-Ausstoß steigt dadurch um 15,4 Tonnen pro Jahr.“ Schönberger sieht es so: „Wohnraum, der nicht im Dachgeschoss entsteht, entsteht auf der Ackerfläche. PV-Anlagen, die nicht auf Satteldächern montiert werden, entstehen auf der Wiese.“

Wohnungen und Boarding-Einheiten

Schönberger plant 27 Wohnungen unterschiedlicher Art. Altengerechte Einheiten mit Gartenabteil, aber auch für Familien, Singles und junge Pärchen soll etwas dabei sein. Darüber hinaus will er 14 Boardinghaus-Wohnungen errichten.

Aktuell kein Verkauf geplant

Eigentlich wollte Vispiron die Einheiten veräußern, aber davon hat man offenbar Abstand genommen. Ein Verkauf ist Schönberger zufolge erst mal nicht geplant. „Voraussichtlich werden wir das Objekt in unseren Bestand aufnehmen.“ Der alte Tengelmann-Markt soll abgerissen werden. Wann es mit dem Neubau losgeht, kann der Geschäftsführer nicht abschätzen. Das hänge von der Genehmigung ab. Wenn sie vorliegt, will man aber rasch beginnen. Es sind 41 Stellplätze vorgesehen, die alle über eine Ladeinfrastruktur verfügen. Die Baukosten belaufen sich auf 9 Millionen Euro, die Gesamtkosten auf rund 15 Millionen Euro.

Nachbar Umspannwerk

Die Debatte um die Verlagerung des Murnauer Umspannwerks haben sie bei Vispiron verfolgt. „Wir sehen hier keinen Vor- oder Nachteil“, erklärt Schönberger. Das Umspannwerk sei ein ruhiger Nachbar. „Auf der anderen Seite könnten dann Laufwege zu Schule und zum Einkaufen reduziert werden, wenn eine gute Gebietsentwicklung erfolgt.“

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