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Viel Glas, moderne Optik: So könnte der Bürokomplex im Kemmelpark aussehen.

Medizinische Forschungseinrichtung und ein Bürokomplex kommen

Ausverkauft: Am Murnauer Kemmelpark sind alle Flächen weg

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Geschafft: In Murnaus Kemmelpark sind alle Flächen verkauft – nach etwa zehn Jahren der Vermarktung. Damit neigt sich eine aufwändige Kasernenkonversion dem Ende entgegen, die einen neuen Ortsteil schuf. Auf den letzten beiden großen Filetgrundstücken entstehen eine medizinische Forschungseinrichtung und ein Bürokomplex.

Murnau – Murnaus Kemmelpark polarisierte in der Vergangenheit mit schöner Regelmäßigkeit die Ortspolitik – und musste als Spielball der zerstrittenen Lager herhalten. Mal wurde die Umwandlung des einstigen Militärgeländes in ein Wohn- und Gewerbegebiet als Leuchtturmprojekt gepriesen – und mal als Schlummerland verspottet, weil angeblich nichts vorwärtsgeht. Fest steht: Den Volksvertretern fiel es nicht immer leicht, die in ihren Augen richtige Nutzung und die dazu passenden Betreiber für das Gebiet im Norden des Marktes zu finden. Vor allem die Angst vor einem zweiten Zentrum, das Murnaus „gute Stube“ ausbluten lässt, war ein ständiger Begleiter. Etliche Angebote landeten daher im Papierkorb.

Doch jetzt legte der Gemeinderat quasi auf den letzten Metern eine erstaunliche Entscheidungsfreude an den Tag. Wie berichtet, erhielt ein Unternehmen den Zuschlag für das noch freie Gelände im Herzen des Areals. Dort soll ein Forschungs- und Therapiezentrum aus dem Boden gestampft werden – zur Entwicklung von Medikamenten gegen neurologische Erkrankungen.

Erster Entwurf zeigt dreigeschossiges, längliches Bauwerk

Und auch im Eingangsbereich ist jetzt klar, wohin die Reise geht: Gegenüber den Supermärkten soll laut einer gemeinsamen Presseerklärung der Investoren und der Rathaus-Verwaltung ein markantes Bürogebäude entstehen, das mehrere Firmen unter einem Dach vereint. Das Gemeinde-Parlament gab dafür bereits im Februar in nichtöffentlicher Sitzung grünes Licht. Ein erster Entwurf zeigt ein dreigeschossiges, längliches Bauwerk mit viel Glas und einer modernen Optik. „Seine Lage sowie Architektur im Zusammenspiel mit dem bereits bestehenden Areal machen das Gebäude zu einem ,Tor zum Kemmelpark‘. Und damit ist es für die städtebauliche Aussage des Marktes Murnau ein zentraler Pfeiler“, heißt es in dem Schreiben.

Sechs Murnauer Unternehmer kaufen 5000 Quadratmeter Grund

Dahinter stecken sechs Murnauer Unternehmer, die sich, um Kosten zu sparen, zu einer Baugruppe zusammengeschlossen haben. Sie kaufen (für 210 Euro pro Quadratmeter) von der Kommune den fast 5000 Quadratmeter großen Grund – der Notarvertrag muss noch unterschrieben werden – und errichten die Immobilie in Eigenregie. Wer zu dem Bündnis gehört, wird noch nicht verraten. Nur soviel: Es handle sich um Planungsbüros, die in der Baubranche tätig sind, sagt Sprecherin Heidi Salomon. Die Mitstreiterin ist Chefin des Einrichtungsspezialisten Designfunktion. Ihren Angaben zufolge fließen rund zehn Millionen Euro (inklusive Grunderwerb) in das ehrgeizige Unternehmen. Wenn alles klappt, soll bereits im Frühjahr 2019 die Fertigstellung gefeiert werden. Etwa die Hälfte der rund 3300 Quadratmeter Bürofläche wollen die Bauherren selbst beziehen – und den Rest zur Refinanzierung an andere Betriebe verkaufen. „Ich gehe davon aus, dass wir die Flächen loswerden. Wir haben viele Anfragen“, berichtet Salomon.

Rolf Beuting: „Das wird eine super Sache“

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ist begeistert: „Das wird eine super Sache.“ Auf diese Weise könne man Murnauer Firmen im Ort halten und ihnen eine Möglichkeit zur Expansion bieten.

Es dürfte zwar einige Jahre dauern, bis alle Kemmelpark-Parzellen bebaut sind. Neben dem Forschungszentrum und Bürohaus stehen noch weitere Bautätigkeiten an. Entscheidend für die Gemeinde ist aber: Der Kraftakt der Vermarktung – alles zusammen waren es vier Hektar Gewerbe- und 1,8 Hektar Wohnbau-Flächen – ist endlich abgeschlossen. Beutings Resümee fällt positiv aus: „Das Warten hat sich gelohnt. Wir haben super Firmen gefunden.“ Für ihn ist der Kemmelpark – die Palette der bereits umgesetzten Vorhaben reicht von familienfreundlichen Wohnhäusern bis hin zum Handwerker- und Gewerbehof – ein „Erfolgsprojekt“. Er schätzt, dass insgesamt 500 Jobs entstanden sind beziehungsweise entstehen. Und wie schneidet der Markt finanziell dabei ab? Beuting: „Ich wäre zufrieden, wenn wir mit einer schwarzen Null abschließen.“

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