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Stark frequentiert: Schülerzug auf der Ammergaubahn-Strecke am vergangenen Donnerstag.

Kapazitäten nach jahrelangen Beschwerden erhöht

Ammergaubahn: Zusatz-Bus soll vollen Schülerzug entlasten

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Die Klage ist nicht neu: Ein junger Westrieder kritisiert, dass die Schülerzüge der Ammergaubahn oft „überfüllt“ sind – und erhält viel Zustimmung. Die Deutsche Bahn AG setzt nach jahrelangen Beschwerden seit September morgens ab Bad Kohlgrub zusätzlich einen Bus ein. Ein Sprecher meint: Die Situation sei „entspannter“ als in den Vorjahren.

Murnau– Josef Holzmann kennt die Probleme, er hat sie über Jahre von Schülern geschildert bekommen: „Das waren immer die gleichen Beschwerden“, sagt der Leiter des Staffelsee-Gymnasiums Murnau. Die jungen Leute äußerten Kritik über die Zustände in der zu Schüler-Stoßzeiten stark frequentierten Ammergaubahn.

Manuel Müller (Name geändert) kennt die Lage seit Jahren. Der Westrieder machte seinem Ärger jetzt gegenüber dem Tagblattsowie über ein Soziales Netzwerk Luft – und erntete viel Zuspruch; andere Fahrgäste und Schülereltern pflichteten ihm bei. Nach Müllers Erfahrung sind die Schülerzüge auf der Strecke Murnau-Oberammergau oft „überfüllt“. Sobald eine Reisegruppe oder Radler einstiegen, stehe man Schulter an Schulter und habe kaum Platz. Biete jemand einem älteren Menschen seinen Sitz an, gelange dieser fast nicht mehr rechtzeitig zur Tür, um auszusteigen. Was dem Schüler zudem Sorge bereitet, ist die Frage, was mit den vielen stehenden Fahrgästen passiert, wenn der Zug eine Vollbremsung vollziehen muss: „Da fliegen dann alle aufeinander.“

Klagen über proppenvolle Schülerzüge werden seit Jahren laut. Auch das Tagblatt berichtete bereits 2016 von Beschwerden über die phasenweise Platznot in der Ammergaubahn. Am Staffelsee-Gymnasium nahm sich Erika Häringer, zuständig für die Schülerbeförderung, der Sache an; bei ihr landeten auch Beanstandungen. Diese verstummten im laufenden Schuljahr. Häringer meint: „Die Beschwerden haben auf alle Fälle etwas bewirkt.“

Denn: Die DB hat in der Folge aufgerüstet. „Nach den Erfahrungen aus den vorangegangen Schuljahren“, so ein Unternehmenssprecher, setze die DB Regio Bayern seit 11. September parallel zu dem besonders stark nachgefragten Zug zu Schulbeginn zwischen Bad Kohlgrub (Abfahrt an Kurhaus sowie Bahnhof) und Murnau einen RVO-Entlastungsbus mit Platz für bis zu 70 Fahrgäste ein – zunächst befristet auf ein Jahr. Die Zusatzleistung stimmte man mit dem Besteller des Regionalverkehrs ab, der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft (BEG).

Die Schülerzahl mit Fahrtziel Murnau sei „in der Vergangenheit von Jahr zu Jahr angewachsen“, so der Bahn-Sprecher. Betroffene Züge zu verlängern, sei „aus verkehrlichen Gründen derzeit nicht möglich“. Das zusätzliche Busangebot machte man bekannt. Der Sprecher meint: „Durch den Einsatz des Busses hatte sich die Situation nach unseren ersten Erkenntnissen bereits entspannter dargestellt als in den vergangenen Schuljahren.“ Trotzdem werde man auch zukünftig die Entwicklung in den Schülerzügen auf der Strecke Murnau-Oberammergau beobachten. Der Bahn-Sprecher schränkt ein: Wie auf anderen Routen oder in Ballungszentren üblich, „wird es nicht möglich sein, in Stoßzeiten jedem Fahrgast einen Sitzplatz anzubieten“.

Die Situation stellt sich nach Ansicht der DB also „entspannter“ dar, aber in Müllers Augen längst nicht gut. „Der Bus am morgen entlastet etwas – doch mittags ist der Zug trotzdem voll“, betont er. Und Häringer bekam mit, dass der zusätzliche Bus, den „wir bekannt gemacht haben“, zumindest anfangs „relativ leer gefahren“ sei.

162 Schüler – davon 79 aus Bad Kohlgrub – haben nach Angaben von Landratsamtssprecher Stephan Scharf fürs Jahr 2018/2019 eine Zugfahrkarte nach Murnau erhalten, für die je nach Streckenlänge jeweils monatliche Kosten zwischen 36,70 und 74,10 Euro auflaufen; vor 2 Jahren waren es 144 Schüler gewesen, vor 3 Jahren nur 125.

Auch Scharf betätigt: Im vergangenen Jahr seien „einige Beschwerden an uns herangetragen worden“. Diese habe man an die Bahn weitergeleitet. „Mal sehen, ob es nun noch Klagen gibt“, sagt Scharf mit Blick auf das neue Busangebot. Seit September liefen zumindest keine weiteren Beanstandungen im Landratsamt auf. „Alles weitere muss man abwarten.“

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