Wegen Körperverletzung angeklagt

Murnauer gibt Bub „Kopfnüsse“ - nicht ohne Folgen für den Achtjährigen

Er hat nicht nur mit der Mutter heftig gestritten. Ein Murnauer soll in angetrunkenem Zustand auch deren Sohn brutal angepackt haben. Jetzt musste er sich vor dem Gericht verantworten.

Garmisch-Partenkirchen – Ein 47-jähriger Murnauer stand in Garmisch-Partenkirchen vor Gericht. Er war angeklagt, seine Partnerin – eine 42-jährige Österreicherin – im Rahmen einer handfesten Streiterei am Kopf gepackt und diesen an einen Schrank geschlagen zu haben. Doch um die Kämpfe der zwei Erwachsenen ging es Amtsrichter Dr. Benjamin Lenhart gar nicht. Vielmehr verurteilte er den Umgang des Mannes mit dem achtjährigen Sohn der Gefährtin, der zusammen mit seiner Schwester ebenfalls nach Murnau in die Einzimmerwohnung des Partners gezogen war: Ihn soll der Mann nämlich zweimal in angetrunkenem Zustand brutale Kopfnüsse mit nachfolgend starken Schmerzen verpasst haben. Dafür musste er eine Geldstrafe von 3200 Euro zahlen.

Laut Staatsanwältin Ines Bankwitz seien die beiden Erwachsenen zwischen dem 1. Februar 2016 und dem Oktober 2017 liiert gewesen. An einem nicht näher feststellbaren Tag Mitte Oktober 2017 sei es zwischen ihnen zu einem besonders harten Streit samt anschließender Rangelei gekommen. Dieser endete damit, dass der Mann den Kopf der Frau zwischen die Hände nahm und ihn gegen einen Schrank schlug, was bei der 42-Jährigen zu starken Schmerzen und zu einem Hämatom am rechten Unterarm geführt habe. Ihr achtjähriger Sohn habe die Aggressionen des Mannes besonders intensiv zu spüren bekommen.

Zwei dieser Fälle, die sich zu nicht mehr genau feststellbaren Tagen zwischen dem 1. August und dem 20. Oktober 2017 ereigneten, hatte die Anklägerin aufgelistet: Jeweils in angetrunkenem Zustand habe der Murnauer, von Beruf Hausverwalter, den kleinen Buben an den Haaren gepackt und vom Stuhl bis auf den Boden heruntergezogen, was nicht nur starke Schmerzen ausgelöst, sondern in der Folge auch zu Gewichtsverlust, Alpträumen und Schlafstörungen geführt habe. Auf diese Misshandlungen eines Schutzbefohlenen ging Amtsrichter Dr. Benjamin Lenhart ganz besonders ein, denn die Rangelei der Erwachsenen zwar die eine Sache, die Misshandlung eines Kindes aber besonders strafwürdig. Weshalb auch der Bub bereits separat vernommen worden ist. 

Dem angeklagten Murnauer half darum auch nicht viel, als er das Haareziehen energisch bestritt und von „Kopfnüssen“ sprach, die nur ein sanftes Wischen über den Kopf des Kindes gewesen seien.

Die 42-jährige Mutter, die den Mann per Facebook kennengelernt habe, und die nach ihrem gescheiterten Zusammenleben mit dem 47-Jährigen mittlerweile über einen Aufenthalt im Murnauer Frauenhaus bei einer Freundin untergekommen ist, bestätigte als Zeugin das brutale Vorgehen ihres Freundes – auch ihr gegenüber. Ihren Umzug nach Murnau erklärte sie mit dem Satz: „Ich habe mich von ihm einlullen lassen“. Jetzt, da er vor Gericht stehe, gehe er über Leichen, wenn er verurteilt werden sollte. Weil er geerbt habe, könne er im übrigen auch Zeugen bezahlen.

Richter Lenhart stellte im Einverständnis mit der Staatsanwältin das Verfahren wegen der Körperverletzung an der Lebensgefährtin wegen Geringfügigkeit ein. Für die beiden Körperverletzungen an den Achtjährigen beantragte die Anklägerin 7200 Euro Geldstrafe (160 Tagessätze). Schließlich sei solch ein Vorfall ein brutaler Vertrauensbruch an einem Kind. Der Richter beließ es bei 80 Tagessätzen.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb / Uli Deck

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