Charakteristisch fürs Murnauer Moos: Strahdrischen.
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Charakteristisch fürs Murnauer Moos: Strahdrischen.

Langwierige Debatte im Gemeinderat

Angst vor noch mehr Tourismus: Murnau unterstützt dennoch Bewerbung für UNESCO-Weltkulturerbe

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Seit rund zehn Jahren beschäftigt man sich im Landkreis mit einer Bewerbung für das UNESCO-Weltkulturerbe. Das Projekt ist schon relativ weit gediehen. Der Kreistag soll heuer entscheiden. Am Mittwochabend hat der Murnauer Marktgemeinderat noch einmal ein Votum abgegeben.

  • Der Murnauer Gemeinderat hat ein weiteres Mal der Bewerbung für das UNESCO-Weltkulturerbe zugestimmt.
  • Dem ging eine fast dreistündige Debatte voraus.
  • Vor allem CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider hatte viele Fragen.

Murnau – Eigentlich hätte es im öffentlichen Teil der Murnauer Gemeinderatssitzung noch um diverse andere Dinge gehen sollen. Um die Zweitwohnungssteuer zum Beispiel, den Wochenmarkt und die Veröffentlichung von Sitzungsvorlagen im Internet. Doch dieser Plan musste gekippt werden. Denn die Volksvertreter debattierten fast drei Stunden nur über ein Thema: die Bewerbung des Landkreises Garmisch-Partenkirchen für das Prädikat UNESCO-Weltkulturerbe. Die Zusammenkunft geriet somit zur Sondersitzung. Dies lag vor allem an CSU-Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider, der viele Fragen hatte und häufig nachbohrte.

Projekt wird konkret

Die Bewerbung, in der auch das Murnauer Moos enthalten ist, wird langsam konkret. Der Kreistag soll heuer darüber entscheiden. Nach Aussage von Landrat Anton Speer (Freie Wähler) ist geplant, die Unterlagen im Februar 2022 beim Welterbezentrum einzureichen. „Wir profitieren alle davon“, ist er überzeugt.

Utzschneiders Einwände

Utzschneider ist sich da nicht so sicher. Der Referent für Land- und Forstwirtschaft und das Murnauer Moos hatte einiges zu bekritteln. Etwa, dass Stellungnahmen von örtlichen Landwirten zwar „in Teilen berücksichtigt“, jedoch „an entscheidenden Stellen ignoriert“ worden seien. Utzschneider wollte zudem wissen, ob alle Grundeigentümer über das Vorhaben informiert wurden. Laut Peter Strohwasser, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, müssen diese nicht formell gefragt werden. „Das ist kein Planfeststellungsverfahren, das Recht schafft oder nimmt. Das ist ein ganz anderer Prozess.“ Und Speer betonte: „Es geht um die Kultur und Geschichte und nicht um die Flächen.“ Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) konnte Utzschneiders Bedenken nicht nachvollziehen. „Es wäre unredlich so zu tun, als wüssten die Landwirte nicht, worum es geht“, und zu sagen, „sie seien nicht ausreichend beteiligt worden“.

Weitere kritische Stimmen

Doch es wurden auch andere kritische Stimmen laut. Von SPD-Einzelkämpfer Felix Burger etwa. Er fragte: „Sind wir nicht jetzt schon überfordert mit den Touristenströmen?“ Veronika Jones, Fraktionssprecherin der Grünen, schloss sich an. „Wir leiden schon unter einem extremen Andrang an Touristen. Wir ersticken ja heute schon im Verkehr.“ Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) hatte ebenfalls Bedenken. Das Welterbe-Prädikat sei „ein Label, das man sich ans Revers heftet und das vermarktet wird“. Und Utzschneider meinte: „Die Menschen fahren von Welterbestätte zu Welterbestätte.“ Der Titel „hat einen Rieseneinfluss auf den Tourismus“. Das glaubt auch Burger: „Die Auswirkungen werden enorm sein.“ Grünen-Fraktionssprecher Hans Kohl befürchtet, dass die Schädigungen in der Natur zunehmen werden. „Das können wir nicht wollen.“

Strohwasser: Vertretbar für Murnau

Dass das Prädikat Folgen haben wird, weiß auch Beuting. „Aber es ist nicht das Ziel, die Touristenzahlen zu verdoppeln.“ Das Zauberwort heißt Besucherlenkung. Beuting findet: „Die Bewerbung ist Rückenwind für Maßnahmen, die wir ohnehin ergreifen müssen.“ Nach eigener Aussage hat er beim Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland bereits angeordnet, dass an den Wochenenden an kritischen Punkten mehr kontrolliert wird. Damit will der Rathauschef den Überwachungsdruck erhöhen. Das Gleiche habe er mit der Polizei vereinbart, sagte Beuting. Strohwasser zeigte sich überzeugt, dass die Probleme mit dem Welterbetitel nicht größer werden. „Ich glaube fest, dass es vertretbar ist für Murnau.“

Solleder: Chance für kleinstrukturierte Landwirtschaft

Ein Verfechter der Bewerbung ist auch Klaus Solleder, Kreisobmann des Bauernverbands. „Für uns ist das vielleicht eine Chance, die kleinstrukturierte Landwirtschaft zu erhalten.“ Die Bauern bräuchten „jeden Strohhalm“.

Befürworter in der Mehrzahl

Trotz mancher Bedenken unterstützt der Markt Murnau weiterhin die Bewerbung. Mit 13:8-Stimmen sprach sich der Gemeinderat dafür aus. Dagegen stimmten Phillip Zoepf, Wolfgang Köglmayr (Mehr Bewegen), Veronika Jones, Hans Kohl, Felix Burger sowie die CSU-Vertreter Rudolf Utzschneider, Lorenz Brey und Franz Neuner. Mehrere Ratsmitglieder fehlten.

Auch 2020 waren die Räte dafür

Vor gut einem Jahr hatten Murnaus Gemeinderäte bereits mit 16:8-Stimmen für die Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe gestimmt.

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