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Vorbildcharakter: Am Münchner Dantebad entstand über einem Parkplatz dieser Komplex mit 100 neuen Wohnungen. 

Ungewöhnliche Idee von Gemeinderätin Veronika Jones

Auf Stelzen gegen die Wohnungsnot

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Not macht erfinderisch: Das sollte auch oder gerade für den Wohnungsbau gelten, meint Murnaus Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones. Sie schlägt vor, Stelzenhäuser auf Gemeinde-Flächen zu errichten, etwa auf Parkplätzen.

Murnau – Wohnraum ist in Murnau ein knappes und teures Gut. Der Gemeinderat hat daher bereits zwei Großprojekte auf den Weg gebracht. Wie berichtet, sollen bezahlbare Wohnungen am Längenfeldweg und auf dem James-Loeb-Areal entstehen. Außerdem ist die Wohnbau GmbH Weilheim, eine kommunale Gesellschaft, in dem Gebiet östlich der Eichendorffstraße aktiv. Doch diese drei Initiativen werden nach Ansicht von Veronika Jones, die für die Grünen im Gemeinderat sitzt, vermutlich nicht ausreichen, um eine wirkliche Entspannung auf dem Immobilien-Markt herbeizuführen. Die Situation sei alarmierend: „Familien ziehen weg, weil sie nichts mehr finden.“

Die Marktgemeinde müsse „noch weitere Projekte in möglichst kurzer Zeit realisieren und dabei auch kreative und unkonventionelle Lösungen in Betracht ziehen“, schreibt die Kommunalpolitikerin in einem aktuellen Antrag. Sie hat dazu auch schon eine konkrete Idee: den aufgeständerten Wohnungsbau, also Häuser auf Stelzen – ein Trend in Zeiten der Wohnungsnot. Der Vorteil: Ein öffentlich genutzter Parkplatz wird einfach mit Unterkünften überbaut – und die bereits versiegelte Fläche doppelt genutzt. Beispielsweise entstand auf diese Weise in München im Rahmen eines städtischen Sofortprogramms („Wohnen für alle“) ein Komplex am Dantebad, der Modellcharakter besitzt. Es wurden 100 Wohnungen geschaffen, die das Sozialreferat an berechtigte Haushalte vergab.

Neu ist der Jones-Vorstoß nicht. Bereits 2016 war die Volksvertreterin damit im Bauausschuss vorstellig geworden – und an einer knappen Mehrheit gescheitert. Unter anderem wurde eine Verstädterung befürchtet. Und es kam der Vorschlag auf, zuerst abzuwarten, bis man sich in anderen Kommunen solche Gebäude anschauen kann. Dies sei jetzt der Fall, argumentiert Jones. In dem Antrag gehe es ihr darum, dass die Verwaltung erstmal prüft, welche Flächen in Murnau dafür überhaupt in Frage kämen. Jones kann sich beispielsweise den Forsteranger-Parkplatz vorstellen. Natürlich müsse die Bebauung zum Markt passen, sagt sie. „Das muss man sensibel angehen.“ Solch ein Bauvorhaben könne die Gemeinde selbst oder ein Partner, etwa eine Genossenschaft, umsetzen.

Die Rathaus-Verwaltung geht davon aus, dass ein aufgeständerter Wohnungsbau planungsrechtlich durchaus möglich wäre. Allerdings werde man sich erst dann damit auseinandersetzen, heißt es auf Nachfrage, wenn die Politik grünes Licht gegeben hat. Die beiden Wohnbau-Projekte der Gemeinde kommen indessen gut voran: Für das James-Loeb-Areal soll im Rahmen einer Ausschreibung ein Träger für den genossenschaftlichen Wohnungsbau gefunden werden. Entstehen sollen mindestens 50 bis 70 Quartiere. Am Längenfeldweg sind 29 geplant. Der Baubeginn ist ab Frühjahr 2019 vorgesehen, der Bezug der Mietwohnungen könnte dann möglicherweise im Herbst 2020 erfolgen.

Im Rathaus rechnet man aber damit, dass diese beiden Aktivitäten nicht ausreichen werden, um den Bedarf zu decken. Derzeit liegen der Behörde mehr als 100 Wohnungsgesuche vor. „Das Thema bezahlbarer Wohnraum ist eines der wichtigsten Themen in Murnau“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Der Ort müsse im Gleichgewicht bleiben, kein Murnauer sollte gezwungen sein, ihn aufgrund der Mietpreisentwicklung zu verlassen. Beuting weiter: „Wir haben ein hohes Interesse daran, dass auch junge Menschen und Familien eine Perspektive in der Gemeinde haben. Gerade auch die Murnauer Betriebe benötigen Wohnraum für ihre Arbeitskräfte, denn der Fachkräftemarkt ist hart umkämpft, und Wohnraumangebote würden hier einen deutlichen Standortvorteil bedeuten.“

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