Gemeindewerke Murnau rüsten bei der Infrastruktur auf

E-Auto-Ladesäulen: Fünf weitere Standorte sind fix

  • Silke Reinbold-Jandretzki
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Murnaus Gemeindewerke rüsten bei den Ladesäulen für Elektroautos auf. Fünf neue Standorte sind fix, weitere dürften früher oder später folgen. Vom Tisch ist der umstrittene Carport mit Photovoltaikanlage am Sitz der Gemeindewerke.

Bleibt ohne Carport: der Sitz der Murnauer Gemeindewerke am Viehmarktplatz.

Murnau – Der Markt für Autos mit alternativen Antrieben nimmt Fahrt auf: Elektro-Pkw erreichten nach Angaben des ADAC bei den Neuzulassungen in Deutschland im September einen Anteil von rund 17 Prozent, Plug-in-Hybride von knapp 12 Prozent. Folge: Der Bedarf an – auch öffentlichen – Lademöglichkeiten steigt. Die Murnauer Gemeindewerke warten bislang an der Tiefgarage in der Lederergasse mit einer Anlage (zweimal 22 kW) auf und mit einer weiteren an der Bahnhofstraße, an der zudem eine Schnellladesäule zur Verfügung steht. Künftig werden E-Auto-Fahrer deutlich mehr Gelegenheiten erhalten, den Akku zu füllen. Der Werkausschuss legte fünf weitere Standorte fest, an denen die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge ausgebaut wird. Dafür zapft man ein Förderprogramm an, über das 90 000 Euro fließen. Die Gesamtinvestition, hatte es im Sommer geheißen, liege bei etwa 135 000 Euro.

E-Auto-Ladesäulen: Das sind die neuen Standorte

Neue Ladesäulen entstehen bei den Gemeindewerken am Viehmarktplatz 1, am Bahnhof Murnau, an der Biologischen Station im Moos, am Parkplatz am See in der Murnauer Bucht sowie in der Gemeinde Seehausen. Bei den Nachbarn ist ebenfalls der Parkplatz am See angedacht.

Diskussion um Ladesäulen im Moos und am See

Der Werkausschuss sprach sich mehrheitlich für diese Standorte aus. Drei Mitglieder wollten statt der Säule an der Biologischen Station lieber eine Lademöglichkeit am Volksfestplatz, die Stephanie Neumeir-Schrank (Bündnis 90/Die Grünen) als Alternative ins Spiel gebracht hatte. Sie argumentierte mit Blick auf die Standorte im Moos und am See, sie wolle gar nicht, dass die Menschen „mit dem Auto da runterfahren“ – und dann stelle man für sie dort auch noch eine Lademöglichkeit auf. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) argumentierte anders: Man denke vor allem an Tagesausflügler, die, wenn sie schon nicht aufs Auto verzichten wollen, zumindest elektrisch anreisen sollen.

Anlagen an Taxistand kommen in diesem Fall nicht in Frage

Josef Bierling (CSU) verwies auf ein Gespräch mit einem Murnauer Taxiunternehmer, verbunden mit der Frage, ob sich die Ladepunkte am Bahnhof so platzieren ließen, dass sie für die wartenden Fahrzeuge am Taxistand nutzbar wären. Bierling wollte wissen, ob dies „generell möglich“ wäre oder kontraproduktiv, was die Bezuschussung betrifft. Werkleiter Karl Steingruber stellte klar: „Öffentlich geförderte Ladesäulen müssen öffentlich zugänglich sein“ – dürfen sich also nicht an einem Taxistand befinden.

Auch Rand des Volksfestplatzes wäre für Ladesäulen geeignet

Wolfgang Küpper (ÖDP/Bürgerforum) hakte nach, ob man nicht Plätze bevorzugen sollte, an denen Autos längere Zeit stehen können. Steingruber bezeichnete den Volksfestplatz als „schon geeignet“. Er empfahl jedoch, eine mögliche Ladesäule außer Betrieb zu nehmen und abzudecken, wenn die Murnauer Wiesn läuft, um die Anlage vor Schäden zu schützen. Die Schnellladesäule an der Bahnhofstraße werde „sehr gut angenommen“. Beuting erklärte, man gehe nicht davon aus, dass Fahrer ihre E-Autos an öffentlichen Stellen immer voll aufladen, da dort „der Strompreis deutlich teurer als daheim“ sei. Es reichten Standzeiten von zwei bis drei Stunden – das eigne sich „ideal für einen Ausflug ins Moos“.

Neue Schnellladesäulen im Ort: Mehrere Bewerber auf Standortsuche

Mit den fünf neuen Ladesäulen ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Der Bürgermeister prognostizierte, dass „man über kurz oder lang den gesamten Ort an Parkplätzen mit Ladesäulen wird ausstatten müssen“. Auch Konzerne sind bei diesem Geschäft im Spiel. Steingruber sagte, dass mehrere Bewerber auf Standortsuche in der Gemeinde seien. Nach Murnau kämen acht Schnellladesäulen mit 150 kW Leistung. Diese sollen an Durchgangsstraßen platziert werden. Den Volksfestplatz, sagte Steingruber, könnte man wie das Parkareal am Forsteranger „beim nächsten Förderprogramm“ angehen.

Alternative für umstrittenen Carport gefunden

Endgültig passé sind dagegen die umstrittenen Pläne, direkt am schmucken Gebäude der Gemeindewerke am Viehmarktplatz einen massiven Carport mit Photovoltaikanlage und Lademöglichkeit zu installieren. Diese hatten im Juni nach einer kontroversen Diskussion nur eine knappe 6:5-Mehrheit im Werkausschuss gefunden. Nun hob das Gremium den alten Beschluss einstimmig auf. „Wir sind noch mal in uns gegangen“, sagte Beuting. Auch Steingruber erläuterte, man habe sich die Angelegenheit „wegen der Diskussion“ – eine Baugenehmigung erschien keineswegs sicher – erneut angesehen. Ergebnis: Es fand sich eine Alternative. Die bestehenden Photovoltaikanlagen auf den Gebäuden von Bauhof und Feuerwehrhaus liefern nicht mehr die gewünschten Erträge und sollen ausgetauscht werden. Auf diese Weise lässt sich die Leistung erhöhen und auch noch eine Ladestation anschließen. Einen neuen Carport braucht es dann nicht mehr.

Rubriklistenbild: © sj

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