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Forum für Debatten: Beim Treffen des Regionalausschusses sind vor Ort: (v. l.) Bildungsberaterin Martina Löffelmann, Jens Wucherpfennig (IHK-Geschäftsstelle Weilheim), der Vorstandsvorsitzende Peter Lingg, Landrat Anton Speer und Johannes Klucker, Leiter des Beruflichen Schulzentrums Garmisch-Partenkirchen.

Regionalausschuss der Industrie- und Handelskammer

Ungebremster Schwund an Azubis

Der Lehrlingsmangel beschäftigt die Politik – und auch die Industrie- und Handelskammer (IHK). Beim Regionalausschuss der IHK kam die Thematik jetzt auf den Tisch. Abhilfe könnte unter anderem eine Erhöhung des Einzugsbereichs der Schule bringen.

Murnau – Früher suchten sich die Lehrlinge ihren Betrieb, heute müssen sich die Betriebe nach Lehrlingen umschauen. Ursache ist der stetige Schwund an Auszubildenden in einigen Gewerken, die die Fachbetriebe in diesen Sparten in Schwierigkeiten bringen – und auch die Berufsschulen.

Dies hat der Leiter des Beruflichen Schulzentrums Garmisch-Partenkirchen, Johannes Klucker, in einem Vortrag zum Thema „Berufliches Schulzentrum GAP-Status Quo und Ausblick“ beim Regionalausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Murnauer Griesbräusaal beklagt. „Wenn in bestimmten Ausbildungsberufen die Zahl der Schüler“ die Zahl „von 16 unterschreitet, spricht man von einer so genannten ‚Minderklasse’“, erklärte er dem Gremium. „Wenn das über mehrere Jahre so geht, wird der Beruf abgezogen und woanders unterrichtet – zum Beispiel in Weilheim oder Schongau.“ Insbesondere Berufe aus der Nahrungsbranche, aber auch aus dem Bankwesen seien momentan schwach am Berufsschulzentrum vertreten, sagte Klucker weiter. So würden gegenwärtig sieben Bäcker und acht Bäckereifachverkäuferinnen zusammen in einer Klasse unterrichtet.

Abhilfe könnte eine Erhöhung des Einzugsbereichs der Schule bringen: „Und die Ansiedelung neuer, attraktiver Berufe – unter der Voraussetzung, dass es Übernachtungsmöglichkeiten gibt – sprich ein Lehrlingsheim.“ Rückendeckung erhielt Klucker vom IHK-Vorstandsvorsitzenden Peter Lingg: „Uns ist sehr wichtig, dass der Berufsschulstandort Garmisch-Partenkirchen gestärkt wird.“ Da dürften ihm und Klucker die „IHK-Ausbildungs-Scouts“ sehr gelegen kommen, die vor anderthalb Jahren im Landkreis Garmisch-Partenkirchen eingeführt wurden. Marina Gattinger von der IHK für München und Oberbayern stellte das landesweite Projekt vor. Junge Menschen im zweiten Ausbildungsjahr erhalten dabei eine Schulung, und gehen anschließend in die Abschlussklassen der Mittel- und Realschulen, um den Absolventen dort auf Augenhöhe ihre jeweiligen Berufe näher zu bringen. „Sie sollen aus erster Hand erfahren, warum ein Beruf Spaß macht und eine gute Basis für ihre Zukunft sein kann“, sagte Gattinger. Zurzeit seien elf Scouts im Landkreis unterwegs, die bereits zehn Klassen mit 250 Schülern besuchten.

Über ihre Arbeit als Bildungskoordinatorin des Landratsamtes sprach Anett-Maria Jonietz, deren Aufgabe es unter anderem ist, vorhandene Bildungsangebote von Organisationen und Initiativen zu vernetzen. „Dahinter steht die Idee, dass man in einer Verantwortungsgemeinschaft mit den verschiedensten Akteuren der Bildung das Thema gemeinschaftlich betrachtet, Fehlendes erkennt und miteinander Lösungen sucht“, sagte die Referentin.

Auf den Einwurf von Gremiumsmitglied Claudia Hans aus Oberammergau, die einen erheblichen Rückgang des bayerischen Dialekts in der Öffentlichkeit festgestellt hatte, ging Landrat Anton Speer (Freie Wähler) ein. „Fast die Hälfte der Lehrerinnen und Lehrer des Werdenfels-Gymnasiums sprechen bayerisch“, hielt er ihr entgegen. Speer stellte bei dieser Gelegenheit alle elf Schulen, deren Sachaufwandsträger der Landkreis ist, im Einzelnen vor.

Heino Herpen

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