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Hat bislang keinen Schutzstatus: die Poschinger-Allee.

Antrag des BN in Murnau abgelehnt

Naturdenkmale: „Zusätzliches Etikett“ stößt auf Widerstand

An reizvollen Plätzen mangelt es im Landkreis nicht. Zu den besonderen Schönheiten zählen Naturdenkmale. Der Bund Naturschutz hat im Murnauer Bauausschuss jedoch mit einer Initiative auf Granit gebissen, mehrere Örtlichkeiten in die Liste aufzunehmen.

Murnau – Naturdenkmale sind besondere Kleinode. Die Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen fällt zum Beispiel in diese Kategorie. In Murnau hat die Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) beantragt, dem Landratsamt mehrere Örtlichkeiten und Gewächse zu nennen: Poschinger-Allee, die Vier Linden am Eichholz, die Linde bei der evangelischen Kirche, Kalktuffquellen bei Pömetsried, Kottmüllerallee, Drachenstich und Lourdesgrotte. Die an der Kreisbehörde angesiedelte Untere Naturschutzbehörde ist für die Aufnahme in die Liste zuständig.

Doch so weit wird es wahrscheinlich nicht kommen. Denn der Bauausschuss hat den Antrag am Dienstagabend mit großer Mehrheit abgelehnt. Erstens war den Räten der Vorstoß zu unpräzise. „Es ist kein Plan beigelegt“, monierte etwa Martin Bergmeister (CSU). Somit sei unklar, wo die Grenzen der jeweiligen Areale liegen. „Auf einmal sind dann Privateigentümer betroffen.“ Das gehe gar nicht. Der Antrag sei einfach „nicht komplett“.

Zweitens war der Einwand zu vernehmen, dass weitere Maßnahmen nicht nötig seien. „Wir wissen alle, dass das schützenswerte“ Plätze seien, und die Gäste würden darauf hingewiesen, betonte Vize-Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler). „Wir brauchen das nicht, dass man da ein zusätzliches Etikett draufklebt.“ Welf Probst (Freie Wähler), Referent für Wege, Plätze, Parkanlagen – er saß unter den Zuhörern –, war ebenfalls gegen den Antrag. „Ich würde die Hände davon lassen. Wir machen uns da nur Schwierigkeiten.“ Etwa, wenn an der Kottmüllerallee aus Gründen der Verkehrssicherheit eine Eiche gefällt werden müsste, und die Untere Naturschutzbehörde sage Nein. „Dann wird es wahnsinnig kompliziert.“ Probst unterstrich zudem: „Wir gehen gut mit unseren Bäumen um.“ Ist ein Objekt als Naturdenkmal ausgewiesen, zeichnet die Untere Naturschutzbehörde für die Pflege und die Betreuung verantwortlich.

Die Poschinger-Allee hat bisher keinen Schutzstatus. Für den Bereich gibt es Überlegungen des Marktes, ein Gewerbegebiet auszuweisen. Das Marktbauamt riet daher davon ab, die Straße als Naturdenkmal zu deklarieren. Über die Aufnahme der Vier Linden entschied der Gemeinderat bereits, das Verfahren läuft. Die Linde, die an der Christuskirche steht, wurde zwischenzeitlich schon in die Liste aufgenommen. Hintergrund: die Präsenz des Asiatischen Laubholzbockkäfers. Die Kalktuffquellen nahe Pömetsried liegen auf Ohlstädter Flur. Somit ist der Markt Murnau nicht dafür zuständig. Die Kottmüllerallee steht bereits als Einzeldenkmal in der bayerischen Denkmalliste. Das Marktbauamt hätte eine Ausweisung als Naturdenkmal begrüßt. Dies trifft zudem auf den Drachenstich und die Lourdesgrotte zu, die sich beide im Landschaftsschutzgebiet befinden. Auch die Aufnahme des Federbergs hätte das Marktbauamt befürwortet. Zudem schlug der BN zwei Rotbuchen am Maria-Antonien-Weg vor. Das Marktbauamt hätte dies positiv gesehen, allerdings hätten die Privateigentümer ihr Plazet geben sollen.

Am Ende lehnten alle Volksvertreter bis auf zwei die BN-Initiative ab. Nur Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen) und Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) vertraten die Ansicht, dass der BN den Antrag, den er im Zuge der Neuaufstellung des Landschaftsplanes eingereicht hatte, konkretisieren sollte. Das letzte Wort hat der Marktgemeinderat. Der BN-Ortsgruppenvorsitzende Dr. Rudolf Nützel war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Roland Lory

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