Leere Fläche im Zentrum des Murnauer Kemmelparks, Forschungszentrum soll dort enstehen.
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Keine Augenweide: die leere Fläche im Zentrum des Murnauer Kemmelparks.

Freie Fläche auf ehemaligem Militärareal

Forschungszentrum im Murnauer Kemmelpark: Baubeginn steht in den Sternen

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Woran es genau hakt, ist unklar. Fest steht: Das geplante Forschungszentrum im Zentrum des Murnauer Kemmelparks gibt es bis heute nicht. Die Firma Neurovision Pharma GmbH hält sich mit Aussagen ziemlich bedeckt. Das Areal zurückzukaufen, steht laut Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nicht zur Debatte. 

  • Dreieinhalb Jahre sind seit dem Zuschlag für ein Forschungszentrum im Murnauer Kemmelpark vergangen.
  • Das Areal ist nach wie vor unbebaut.
  • Firma Neurovision hält sich zu den Gründen bedeckt.

Murnau – Bei der Firma Neurovision Pharma GmbH herrschte im März 2017 Jubelstimmung. „Wir freuen uns natürlich riesig“, betonte seinerzeit Geschäftsführer Prof. Dr. Ludwig Aigner. Der Murnauer Marktgemeinderat erteilte der GmbH damals den Zuschlag für die freie Filetfläche im Zentrum des Kemmelparks. Auch eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe auf genossenschaftlicher Basis sowie ein 144-Zimmer-Business-Hotel waren zur Debatte gestanden. Doch das Forschungszentrum ging als Sieger hervor. Zudem beschlossen die Volksvertreter seinerzeit, auf dem Areal am James-Loeb-Haus Wohnraum zu schaffen.

Firma hält sich bedeckt

Lange her, doch ein Forschungszentrum sucht man nach wie vor vergeblich. Woran es hakt, ist unklar. Das Unternehmen hält sich relativ bedeckt. „Die Neurovision Pharma GmbH treibt nach wie vor das Projekt Forschungs- und Therapieentwicklungszentrum im Kemmelpark voran“, teilen die Gesellschafter und Geschäftsführer Ludwig Aigner, Ulrich Bogdahn, Hans-Lothar Arth mit. „Es laufen derzeit noch wesentliche Gespräche.“ Mehr will man derzeit nicht sagen.

Kooperation mit Unfallklinik im Gespräch

Möglicherweise gibt es noch keine Einigung mit der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BG), die Aigner 2017 als „extrem wichtigen Partner“ bezeichnet hatte. Doch er schweigt er sich zu diesem Thema aus. Sarah Heinze, Geschäftsführerin der Unfallklinik, bestätigt, dass das Hospital Gespräche mit der Neurovision Pharma führt. „Die Forschungstätigkeit der Firma weckt natürlich großes Interesse, da ein Schwerpunkt der BG Unfallklinik Murnau auf der Behandlung von querschnittverletzten Patienten liegt. Es wäre sicher in beiderseitigem Nutzen, künftig gemeinsame Projekte durchzuführen, um die Paraplegiologie weiter zu verbessern.“ Dies ist die Wissenschaft und medizinische Spezialisierung, die sich mit dem Querschnittsyndrom beschäftigt. Heinze: „Die Forschungstätigkeit in diesem Bereich nimmt in der BG Unfallklinik Murnau einen hohen Stellenwert ein, wie zum Beispiel das klinikeigene Institut für Biomechanik oder die langjährige Kooperation mit der PMU Salzburg zeigt. Uns ist es wichtig, diesen Bereich auch in Zukunft weiter voranzutreiben.“ Aigner ist an der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) tätig. Die Firma Neurovision entwickelt Medikamente zur Behandlung von neurologischen Erkrankungen wie etwa Alzheimer oder Parkinson sowie Querschnittverletzungen. 2017 hieß es, dass der Neubau circa 50 Millionen Euro kosten soll. Es war von 40 bis 50 Mitarbeitern die Rede.

Runder Tisch

„Natürlich würde ich mir wünschen, dass es schneller vorangeht“, erklärt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). „Wir haben einen Runden Tisch mit mehreren am Projekt beteiligten Akteuren eingeführt.“ Diesen regelmäßigen Dialog erachte er als äußerst wichtig. „Von den Käufern fühlen wir uns sehr gut informiert.“ Ein Rückerwerb durch den Markt Murnau stehe nicht im Raum. „Zuletzt wurde über einen möglichen Baubeginn im nächsten Jahr gesprochen“, sagt Beuting. Die Frage, ob es einen Zeitpunkt gibt, bis zu dem die GmbH gebaut haben muss, beantwortet das Rathaus nicht.

Utzschneider klagt über zu wenig Informationen

Die CSU-Fraktion fühlt sich mangelhaft informiert. „Unser derzeitiger Stand ist, dass wir nichts wissen“, moniert Fraktionssprecher Rudolf Utzschneider. „Vom Rathaus kommt an Informationen gar nichts.“ Wenn man nachfrage, heiße es: „Es gibt einen runden Tisch und wir sind zuversichtlich.“

Jones regt zweiten Handwerkerhof an

Veronika Jones, Fraktionssprecherin der Grünen, findet es „enttäuschend, dass nichts passiert ist“. Schließlich handle es sich um ein wertvolles, zentrales Grundstück im Kemmelpark. Die Gemeinde sollte ihrer Meinung nach prüfen, ob die Möglichkeit besteht, das Grundstück zurückzukaufen. Jones regt an, es lieber für etwas anderes zu nutzen – für einen zweiten Handwerkerhof mit Wohnungen im ersten Stock.

Probst: Essenzielles Projekt

Phillip Zoepf, Sprecher der Fraktion „Mehr Bewegen“, sagt, der Verkauf des Grundstücks sei damals gekoppelt mit der Erwartung gewesen, „dass dort etwas entsteht. Ich hoffe, dass das Projekt umgesetzt wird, das uns vorgestellt wurde“. Optisch sei die Fläche derzeit „keine Augenweide“. Auch Welf Probst von den Freien Wählern wünscht sich, „dass man bald etwas sieht“. Denn das Vorhaben sei „essenziell für Murnau und speziell für die Unfallklinik“. Es sei wichtig, solche Forschungszentren nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land zu haben.

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