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„Das ist eine Win-win-Situation“ – Immobilienmakler Rupert Poettinger mit Plänen für das mögliche Wohngebiet südlich des BRK-Seniorenheims. 

Wohnraumnot in Murnau

Baugrund für Einheimischenmodelle: Konkrete Vorschläge

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Der Ruf nach einem Einheimischenmodell ist in Murnau nicht zu überhören. Jetzt unterbreitet der Immobilienmakler Rupert Poettinger der Marktgemeinde dafür ein konkretes Angebot. Und auch die Freien Wähler haben ein ihrer Meinung nach passendes Grundstück im Visier.

Murnau – Das Thema Wohnraumnot ist ein Dauerbrenner in Murnau – und dürfte auch im Wahlkampf eine tragende Rolle spielen. Das Problem ist bekannt: Bauland ist in dem attraktiven Staffelsee-Ort ausgesprochen rar und teuer. Einheimische, die hier bleiben möchten, haben kaum eine Chance, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen – selbst dann nicht, wenn sie ganz gut verdienen. Verständlich, dass die Forderung nach einem Einheimischenmodell, das vor allem Ortsansässigen bezahlbaren Grund ermöglichen soll, immer lauter wird. Der Gemeinderat gab vergangenes Jahr grundsätzlich grünes Licht für ein Projekt dieser Art – und der Murnauer Stefan Kurz sammelte 250 Unterschriften.

Jetzt werden konkrete Vorschläge publik: Makler Rupert Poettinger schickte einen entsprechenden Antrag ans Rathaus sowie an alle Gemeinderäte – und stellte das Konzept im Tagblatt-Gespräch vor. Der Murnauer, der hofft, dass die Sache in der Januar-Sitzung des Bauausschusses behandelt wird, vertritt seinen Angaben zufolge drei private Grundstückseigentümer, die der Kommune ein insgesamt knapp 14 000 Quadratmeter großes Areal südlich des BRK-Seniorenheims an der Garhöll anbieten. Es handelt sich um Grünland, das erst über eine Änderung des Flächennutzungsplans als ein Baugebiet ausgewiesen und erschlossen werden müsste.

„Das ist eine Win-win-Situation. Keiner hat Nachteile“, wirbt Poettinger für den Deal – und spielt damit auf die Regelung zur sozialgerechten Bodennutzung an. Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, einen Teil der meist enormen Wertsteigerung, die bei der Umwandlung von einfachen Wiesen in wertvollen Grund für Wohnbebauung entsteht, der Allgemeinheit zukommen zu lassen. Wie das im vorliegenden Fall genau aussehen könnte, sei Verhandlungssache, findet Poettinger. Zum Beispiel wäre es vorstellbar, dass die Eigentümer 40 Prozent der aufgewerteten Flächen behalten dürfen – und die Gemeinde den Rest für umsonst bekommt, um darauf das gewünschte Einheimischenmodell umzusetzen. Poettinger treibt das Ganze nicht uneigennützig voran: Ihm winkt eine Provision.

Laut dem Immobilien-Fachmann, der einen Architektenplan und Kalkulationen vorlegen kann, hätten auf dem Gelände 21 Reihenhäuser Platz. Die von der Gemeinde geförderten Quartiere würden im Schnitt jeweils um die 675 000 Euro (inklusive Erschließung) kosten – in seinen Augen ein für Murnauer Verhältnisse fairer Preis. Auf dem freien Markt bekomme man für diese Summe allenfalls eine 83 Quadratmeter große Neubauwohnung mit einem Tiefgaragen-Stellplatz.

Poettinger will den politischen Druck erhöhen: „Der Bürgermeister muss jetzt Farbe bekennen“, findet er. Das besagte Areal habe er bereits vor über vier Jahren der Gemeinde zum Kauf angeboten, sei aber mit Verweis auf das laufende Verfahren zur Neuaufstellung des Flächennutzungsplans vertröstet worden. Die Rathaus-Verwaltung verweist indessen auf Nachfrage darauf, dass es sich um eine Angelegenheit handle, die nichtöffentlich beraten wurde und werde.

Die Immobilien-Krise bereitet auch den Freien Wählern Bauchschmerzen: „Ohne Familienwohnmodelle sind verwurzelte Bürger größtenteils nicht mehr in der Lage, Grundstücke für Wohnraum in ihrer Heimatgemeinde zu erwerben und zu bebauen“, heißt es in einem Antrag an den Gemeinderat. Die Fraktion um den Vorsitzenden Welf Probst, der sich um das Amt des Bürgermeisters bewirbt, hält dafür ein von der Gemeinde erworbenes Grundstück zwischen Murnau und Hechendorf für geeignet. Auf dem vergünstigten Baugrund könnte man – ähnlich wie bei einem Einheimischenmodell – ein Wohnprojekt für Familien und Senioren verwirklichen, heißt es weiter. Probst kann sich dort auch Mehrgenerationenwohnen vorstellen. Die Freien Wähler denken allerdings an eine Erbpacht-Lösung, damit der Grund nach Ablauf der vereinbarten Zeit (zum Beispiel nach 90 Jahren) oder bei vorzeitiger Auflösung wieder an die Kommune zurückfällt. Probst: „Dies ist angesichts der angespannten Lage am Immobilienmarkt eine nachvollziehbare Variante und sichert nachhaltig diesen bezahlbaren Wohnraum.“

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