Eine Buche liegt auf dem Dach des Autos. Die Folge: Totalschaden.
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Eine Buche liegt auf dem Dach des Autos. Die Folge: Totalschaden.

Mazda-Besitzer hat nach Vorfall an Klinik Hochried das Nachsehen

Baum fällt auf Auto: Gericht weist Klage ab

  • Marion Neumann
    vonMarion Neumann
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Das Landgericht München II hat eine Klage eines Autobesitzers abgewiesen. Auf seinen Mazda war im Juli an der Klinik Hochried bei Murnau ein Baum gefallen.

  • Das Landgericht München II hat eine Klage eines Autobesitzers abgewiesen.
  • Auf den Mazda des Mannes war im Juli an der Klinik Hochried bei Murnau ein Baum gefallen.
  • Die Richterin erklärte, dass keine Verletzung von Verkehrssicherungspflichten vorlag.

Murnau/München – Dass eine Schadensersatzforderung vor Gericht verhandelt wird, ist nicht selten. Etwas ungewöhnlich war nun jedoch die Abhaltung einer solchen Verhandlung am Landgericht München II. Denn Richterin Angelica Martic saß an dem Tag allein im Gerichtssaal. Die Anwälte von Kläger- und Beklagtenseite wurden vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie per Video zugeschaltet. Die Richterin sprach von „Neuland im Verhandeln“.

Böse Überraschung

Grund des virtuellen Zusammentreffens vor Gericht war ein schwarzer Mazda, der Ende Juli dieses Jahres vom Kläger auf dem Parkplatz der Klinik Hochried in Murnau abgestellt worden war. Der Autobesitzer besuchte einen Bekannten. Als der Mazda-Fahrer aus der Klinik zurückkehrte, erlebte er eine böse Überraschung: Eine Buche war auf das Dach gefallen und hatte das Auto schwer beschädigt. An besagtem Tag war ein starker Wind gegangen, der die Stärke 8 auf der Beaufort-Skala erreichte. Laut der Skala wird ab Stufe 9 von einem Sturm gesprochen.

Buche litt an Fäule

„Das Auto war – kurz zusammengefasst – ein Totalschaden“, sagte die Richterin. Der Kläger forderte deshalb vom Träger der Klinik, der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg (KJF), mehr als 13 300 Euro Schadensersatz. Denn wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte die umgestürzte Buche an Stammfäule gelitten. „Man hätte vorher handeln und den Baum besser kontrollieren müssen“, warf der Klägeranwalt der KJF Augsburg vor.

Zahlung aus Kulanz abgelehnt

Aufgenommene Fotos des Baumes schienen die Richterin allerdings nicht von dessen Erkrankung zu überzeugen. „Der hatte mächtig Laub dran – äußerlich war da nichts erkennbar“, sagte sie. Den Vorschlag der Richterin, eine Kulanzzahlung im Rahmen eines Vergleichs in Betracht zu ziehen, lehnte die Beklagtenseite „bei allem Respekt und die sicherlich unangenehme Lage des Klägers“ ab.

Keine Pflichtverletzung

Richterin Martic wies die Klage schließlich ab und verneinte, dass eine Verletzung von Verkehrssicherungspflichten vorlag. Der Baum sei aufgrund des starken Windes umgefallen. Zwar müssten Grundstückseigentümer grundsätzlich Bäume oder Äste entfernen, wenn diese nicht mehr standsicher seien. Eine Pflichtverletzung wäre in diesem Fall aber nur anzunehmen gewesen, wenn die Stammfäule erkennbar gewesen wäre.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Im Urteil stellte die Richterin auch klar, dass potenzielle Gefahren, die von äußerlich gesunden Bäumen ausgehen, nicht durch Entfernung aller Bäume von Straßen, Wegen und Plätzen gebannt werden können. „Der Verkehr muss gewisse Gefahren, die nicht durch menschliches Handeln entstehen, sondern auf Gegebenheiten oder Gewalten der Natur beruhen, als unvermeidbar hinnehmen“, führte sie weiter aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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