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Ein regelrechtes Bürgerfest: Dichtes Gedränge herrscht um die große Tafel in der Murnauer Fußgängerzone. 

Murnauer Begegnungsprojekt ein voller Erfolg

Große Tafel in Fußgängerzone

Aus dem Murnauer Projekt „Die Innere Stadt“ ist  ein regelrechtes Bürgerfest geworden. Einheimische und Flüchtlinge kochten und speisten zusammen.

Murnau – Durch die Großküche der Murnauer Christoph-Probst-Mittelschule zieht der Duft exotischer Gewürze, auf zahlreichen Kochstellen dampft es aus Töpfen und Pfannen, in denen Reis, Nudeln, Kraut und Früchte schmoren. Mehrere Dutzend Frauen und Männer aus verschiedenen Nationen hacken Gemüse klein, füllen Zutaten ab und rühren in den Töpfen. Zum zweiten Mal hat der Papierkünstler Johannes Volkmann aus Riegsee zusammen mit der Volkshochschule am vergangen Samstag sein „Kunstprojekt der Begegnung“, dem er den Namen „Die Innere Stadt“ gab, in Murnau in die Tat umgesetzt.

    Bereits 2016 erfreute sich die Aktion, die Teil der Murnauer Kulturwoche ist, breiter Publikumsresonanz. Dabei kochen Einheimische zusammen mit Flüchtlingen aus aller Herren Länder Gerichte aus deren Heimat, die an einer gedeckten Tafel in der Murnauer Fußgängerzone aufgetischt und verspeist werden. Mit Begeisterung bei der Sache ist etwa Souha Adwan aus Syrien, die seit anderthalb Jahren im Landkreis Garmisch-Partenkirchen lebt. „Ich koche ein Gericht aus gemischtem Reis, Bohnen und Fleisch“, erzählt die 35-Jährige. „Es macht sehr viel Spaß, zusammen mit Deutschen und anderen Nationalitäten zu kochen und zu sprechen.“

    Gleich nebenan ist Georg Klein aus Riedhausen mit der Zubereitung einer anderen Köstlichkeit aus dem arabischen Raum beschäftigt, das dort „Muchah“ genannt wird. Es besteht aus getrocknetem Kraut, das eingeweicht und mit Butter frittiert wird, dazu kommen Hühnerfleisch, Hühnerbrust, Zwiebeln, Koreandersamen und Knoblauch. „Ich bin hier, weil ich das gemeinsame Kochen und Essen für die beste Art halte, mit den Menschen in Kontakt zu treten“, sagt er dazu. Im gleichen Sinne äußerte sich die Murnauerin Martina Örtel: „Ich finde es schön, dass hier alle Männer und Frauen aus den verschiedenen Nationen so problemlos zusammenarbeiten – es ist eine große Gemeinschaft ohne Ängste.“

    Gegen 17 Uhr fanden sich alle an der langen Tafel in der Fußgängerzone zusammen. „Die ‚Innere Stadt’ ist ein Kunstprojekt, das ganz stark von der Ästhetik lebt“, unterstrich Volkmann in seiner kurzen Einführungsrede. „Kunst darf auch etwas Soziales haben, das nicht nur in Museen stattfindet, sondern im öffentlichen Leben und mit Themen der Gesellschaft.“ Dem Anspruch der Ästhetik werde dabei der gedeckte Tisch mit den liebevoll zubereiteten Speisen gerecht, die allein schon für sich eine Augenweide seien. Auch warb Volkmann für ein Buch über das Projekt der „Inneren Stadt“, das nur zustande kommen wird, wenn sich 50 Interessenten unter der Mailadresse volkmann@daspapier theater.de bei ihm melden.

    „Wir in Deutschland denken, es sind Flüchtlinge zu uns gekommen, aber in Wirklichkeit sind Menschen zu uns gekommen“, stellte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) klar, „Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit und Besonderheit, so wie wir selbst ein Stück weit sind“, wofür er spontanen Beifall aus der Runde erhielt.

    Zur Unterhaltung der rund 400 Besucher sang die Irakerin Bushra Poles, begleitet von George Ghenim am Keyboard und mehreren anderen Musikern, traditionelle arabische Volkslieder. Und spätestens als eine Gruppe von fröhlichen Tänzern sich spontan einhakte und die aufgestellten Tische umrundete, bekam das Ganze den Charakter eines Bürgerfests. Gerührt vom ungezwungenen Miteinander zeigte sich die 36-jährige Syrerin Ranja Dbah, die mit ihrer Familie in Eschenlohe lebt: „Ich bin so glücklich, ich möchte den Deutschen für alles danken, was sie für uns getan haben – für die vielen Chancen, für unser Leben, und für unsere Kinder.“

Heino Herpen

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