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Enormer Andrang: Hunderte Menschen versammeln sich an der gedeckten Tafel in der Fußgängerzone. 

Begegnungsprojekt „Innere Stadt“

Fußgängerzone als Gaststube

Die dritte Auflage des Begegnungsprojekts „Innere Stadt“ in der Murnauer Fußgängerzone war ein voller Erfolg. Rund 500 Menschen trafen sich im Ortszentrum, um gemeinsam zu essen. 

Murnau – Die Murnauer Fußgängerzone war am Samstag erfüllt von exotischen Düften. An einer langen Tafel oberhalb der Mariensäule waren Speisen aus aller Herren Länder aufgetischt – unter anderem persischer Safranreis mit Berberitzen und Zimt, in Zuckersirup eingelegtes Baklava-Gebäck oder äthiopischer Sauerteigfladen namens „Injera“. Rund 500 Menschen verschiedenster Nationen hatten sich im Rahmen des Begegnungsprojekts „Innere Stadt“ eingefunden, um gemeinsam zu essen. Der Initiator und Riegseer Künstler Johannes Volkmann, der mit seinem Nürnberger Papiertheater um die ganze Welt reist, hatte die Aktion in Kooperation mit der örtlichen Volkshochschule zum dritten Mal auf die Beine gestellt.

Der Andrang war enorm: „Wir haben Teller und Besteck für 400 Personen ausgegeben – und es kommen immer noch welche, die mitessen wollen“, sagte Joseph Bauer, der bei der Vhs als Pädagogischer Leiter im Bereich Integration tätig ist. Auch die Sitzmöglichkeiten reichten nicht aus. Es mussten Bänke in zweiter und dritter Reihe aufgestellt werden, um den heranströmenden Gästen Platz zu bieten.

Besucherin Elisabeth Schulz, die sich seit Beginn an der „Inneren Stadt“ beteiligte, zeigte sich überwältigt: „Die positive Veränderung ist deutlich zu sehen. In den vergangenen Jahren waren die Flüchtlinge eher unter sich gewesen. Die große Beteiligung der Einheimischen zeigt, dass hier viele Berührungsängste abgebaut wurden“, befand die Murnauerin. Jeder konnte Essen mitbringen. Manche hatten hierzu Kochpatenschaften gebildet, andere hatten sich selbst an den Herd gestellt. So wie die 49-Jährige Syrerin Muna Sikh Qabas. Die leidenschaftliche Köchin fühlte sich bei dem Projekt voll in ihrem Element und steuerte zahlreiche Gerichte bei. Ihre Augen leuchteten, als sie sah, mit welcher Begeisterung die Anwesenden die Teller leerten. „Es ist schön zu sehen, wie hunderte Menschen an dieser Tafel essen und dabei auch noch satt werden“, meinte die Witwe, die mit zwei Kindern in Murnau lebt.

„Die Fußgängerzone ist die beste Gaststube, die wir hier haben“, sagte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). In seiner Ansprache ging er weiterhin der Frage nach, was die Identität Murnaus ausmache. „Wir sind viel, wir sind bunt und wir gehören unabhängig von Herkunft oder Religion zusammen“, lautete Beutings Fazit. Ihm zufolge sei ein gemeinsames Essen die beste Möglichkeit, einander „vorurteilsfrei zu begegnen“. Auch Volkmann meldete sich zu Wort: „Ich bin berührt, wie viele Menschen sich hier eingefunden haben, um etwas beizutragen. Damit so ein Projekt gelingen kann, braucht es Leute, die sich darauf einlassen.“

Constanze Wilz

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