Durch Murnau verlief einst eine römische Handelsstraße.
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Durch Murnau verlief einst eine römische Handelsstraße.

Handelsstraße aus Römerzeit

Denkmäler im Boden? Bauprojekt könnte sich verzögern

Im Boden verbergen sich oftmals interessante Dinge. Die Denkmalbehörde vermutet solche Schätze auch in Murnau in der Nähe eines geplanten Mischgebiets.

  • Die Denkmalbehörde nimmt an, dass eine wichtige Römerstraße direkt neben einem geplantem Mischgebiet verläuft.
  • Das Thema kam jetzt im Murnauer Bauausschuss auf den Tisch.
  • Gibt es Funde, könnte sich das Bauprojekt verzögern.

Murnau – Das könnte historisch interessant werden: Im Rahmen der Neuaufstellung eines Bebauungsplanes für das 7240 Quadratmeter große Areal zwischen Resch- und Griesbräustraße (westlich von Blumen Krempl) schließt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege mögliche Funde aus der Römerzeit nicht aus.

Teilstück der Trasse Augsburg/Brenner

Als der Leiter der Murnauer Bauverwaltung, Ingo Presuhn, in der Bauausschusssitzung die Anregungen, Bedenken und Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange vortrug, wie es nach einer öffentlichen Auslegung üblich ist, konnte er sich die Bemerkung nicht verkneifen, die Denkmalpfleger hätten den „für uns interessantesten Beitrag“ geleistet. Denn laut der Behörde liegt nördlich des Planungsraums das Bodendenkmal „Straße der römischen Kaiserzeit“, ein Teilstück der Trasse Augsburg/Brenner. Dessen südliche Verlängerung wird im Bereich der Seidl- und der Murnauer Straße in Hechendorf vermutet. „Es ist anzunehmen, dass diese wichtige Fernstraße in direkter Nachbarschaft des Planungsraumes verläuft“, heißt es in dem Schreiben. Und weiter: „Im Umfeld römischer Straßen treten häufig sogenannte Materialentnahmegruben auf, die der Instandhaltung der Trasse dienten. Außerdem liegen römische Siedlungen mit den zugehörigen Gräberfeldern in der Regel direkt neben den Straßentrassen.“

Grabungskosten tragen die Grundbesitzer

In Bereichen, in denen Bodendenkmäler vermutet werden, bedürfen Bodeneingriffe aller Art einer denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis – eine Tatsache, der sich Architekten und Planer, aber auch Erdbaufirmen bewusst sind. Die Kosten für die Grabungen haben die jeweiligen Grundstücksbesitzer zu tragen. So ist auch der Hinweis des Landesamtes zu verstehen, dass bei der Verwirklichung von Bebauungsplänen vor einer Parzellierung der gesamten Fläche eine qualifizierte archäologische Untersuchung stattfinden sollte, um die Kosten für die einzelnen Bauwerber zu reduzieren.

Einstimmiges Votum

Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) erklärte dazu, die Festsetzungen des Bebauungsplanentwurfes würden im Sinne der Stellungnahme überarbeitet und korrigiert. Bodeneingriffe sollen nach seinen Worten nur in enger Abstimmung mit der Unteren Denkmalschutzbehörde durchgeführt werden. Auch werde das Schreiben an die betreffenden Grundstückseigentümer weitergeleitet, damit diese über die Vorgaben informiert sind. Das Gremium votierte einstimmig für dieses Vorgehen.

Beuting: mit Umsicht und Vorsicht vorgehen

Gegenüber dem Murnauer Tagblatt erklärte der Rathauschef: „An sich finde ich das sehr spannend, denn in Murnau gibt es nicht so oft archäologische Grabungen.“ Wegen der vermuteten Handelsstraße aus der römischen Kaiserzeit gelte es, bei den Bauvorhaben mit Umsicht und Vorsicht vorzugehen. „Uns ist wichtig, dass keine wertvollen Kulturgüter unserer Ortsgeschichte verloren gehen, und dass sichergestellt wird, dass wichtige archäologische Funde bewahrt werden“, sagt Beuting. Sollten Funde gemacht werden, wäre nach seinem Dafürhalten mit Verzögerungen des Projektes zu rechnen, das als Mischgebiet aus Wohn- und Gewerbenutzung festgesetzt ist.

Heino Herpen

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