Hauptverursacher der Treibhausgasemissionen war 2018 in Murnau die Wärmeproduktion.
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Hauptverursacher der Treibhausgasemissionen war 2018 in Murnau die Wärmeproduktion.

Gemeinderat will aufs Tempo drücken

Murnau hinkt Zielen hinterher: Beim Klimaschutz viel Luft nach oben

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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In Sachen Energiewende und der Reduktion von CO2 hinkt Murnau seinen Zielen hinterher. Jetzt will der Gemeinderat aufs Tempo drücken, um in den kommenden Jahren Klimaneutralität zu erreichen. Eine neue Arbeitsgruppe soll einen Zeitplan und einen Maßnahmenkatalog erarbeiten.

Murnau – Die Ziele: superehrgeizig. Deutschland plant, die CO2-Minderung bis 2030 von 55 auf 65 Prozent zu erhöhen. Klimaneutralität ist nun schon für 2045 vorgesehen. Damit hat die Bundesregierung auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts reagiert und das Klimaschutzgesetz nachgeschärft. Was ganz oben beschlossen wurde, muss auch ganz unten, in den Kommunen und vom Bürger, umgesetzt werden. Murnau arbeitet bereits seit mehreren Jahren daran, die Energie- und Klimawende zu schaffen. Bislang allerdings mit relativ mäßigen Erfolg. Der CO2-Ausstoß ist im Vergleich zwischen 2012 und 2018 nicht signifikant zurückgegangen. Jeder Murnauer verursachte 2018 7,4 Tonnen Treibhausgas. Das geht aus einer Präsentation von Philipp Zehnder hervor, die der Umwelt- und Mobilitätsbeauftragte des Marktes im Gemeinderat vorstellte.

Seine Interpretation der Zahlen: Es habe vor allem keine Minderung beim Endenergieverbrauch gegeben, der pro Einwohner 2018 bei rund 8723 Kilowattstunden lag. Die geringe Reduktion der Emissionen sei hauptsächlich auf die Verbesserung des deutschen Strommixes zurückzuführen. Im Klartext: Energie für Haushalte wird vermehrt durch Windkraft und Solarmodule erzeugt, Heizen mit Erdöl befindet sich auf dem Rückzug. Die Wärmeproduktion ist weiter Hauptverursacher der Treibhausgase (THG). Sie trug 2018 mit 43 Prozent zu den 89 795 Tonnen THG-Emissionen in Murnau bei. 36 Prozent entfielen auf den Strom, 21 Prozent auf den Verkehr.

Bei den erneuerbaren Energien liegt Murnau in „untersten Kategorie“

Bei den erneuerbaren Energien liegt Murnau Zehnder zufolge mit nur 6,7 Prozent Strom in der „untersten Kategorie“. Andere Kommunen sind da viel weiter, vor allem, weil sie bessere Voraussetzungen besitzen. Zehnder nannte als Beispiel Kochel. Das Dorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ist besonders privilegiert und erzeugt seine Energie zu 3500 Prozent erneuerbar. „Dafür sorgt das Walchenseekraftwerk“, sagt Zehnder.

Es gibt viel zu tun, packen wir es an, lautete der Werbeslogan eines Ölmultis in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Den hat sich die Murnauer Lokalpolitik offenbar auf die Fahnen geschrieben – quer durch alle Fraktionen, ob konservativ oder ökologisch geprägt. Alle sehen beim Klimaschutz viel Luft nach oben. „Wir haben einen Marathon vor uns“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Er spricht von „Jahren und Jahrzehnten“. Man müsse die breite Bevölkerung auf diesem Weg mitnehmen. „Unsere Aufgabe ist es, Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Dr. Josef Raab (Bündnis 90/Die Grünen) bezeichnet die bislang erreichten Ergebnisse als „bescheiden. Wir brauchen zu 100 Prozent regenerative Energie und müssen diese selbst produzieren“. CSU-Fraktionsvorsitzender Rudolf Utzschneider, studierter Agrarbiologe, mahnt zur Eile: „Wir können nicht 30 oder 50 Jahre warten. Es muss jetzt etwas passieren.“

Anfang April kam Arbeitsgruppe zum ersten Mal zusammen

Und es passiert etwas. Murnau drückt aufs Tempo, man will Geschwindigkeit aufnehmen. Die Ergebnisse, die vorliegen, bilden die Grundlage, auf der die Emissionen verringert werden sollen. Anfang April kam zum ersten Mal die neu gegründete Arbeitsgruppe Energie und Klimaschutz zusammen, die einen Maßnahmenkatalog mit Zeitzielen und Kostenschätzungen erarbeiten soll. Sie besteht aus Mitgliedern des Gemeinderats, Vertretern des Bund Naturschutz, Murnau Miteinander und engagierten Bürgern. Geplant sind vier Treffen in regelmäßigen Abständen. Um einen breiten politischen Konsens zu erreichen, wünschen sich Umweltbeauftragter Zehner und Rathaus-Chef Beuting „eine Beteiligung aller Fraktionen“. Bei der Premiere war dies offenbar nicht der Fall. Phillip Zoepf, Kopf der Fraktion Mehr Bewegen, kam sich offenbar ziemlich verloren vor, weil Kollegen aus der Öko-Ecke zahlreich vertreten waren, während hingegen die anderen Parteien durch Abwesenheit glänzten. „Ich war der einzige Nicht-Grüne im Saal.“

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