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Auf dem Areal des James-Loeb-Hauses (ehemaliges Gemeinde-Krankenhaus) soll genossenschaftliches Wohnen entstehen.

Bezahlbarer Wohnraum

Murnau geht in die Offensive

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Die politischen Grundsatzentscheidungen sind gefällt, jetzt geht es an die Realisierung: Die Marktgemeinde Murnau setzt auf drei große Bauprojekte, um bezahlbaren Wohnraum schaffen. Das Ziel ist ehrgeizig: Rund 100 zusätzliche Wohnungen sollen auf diese Weise entstehen. Die Frage ist: Reicht das?

Murnau – Wohnen ist in Murnau zum Luxus geworden, den sich immer weniger leisten können. Das Angebot ist knapp, die Nachfrage ungebrochen hoch – das treibt die Preise in schwindelerregende Höhen. Diese hätten mittlerweile bei Kaufimmobilien ein Niveau erreicht, bei dem 95 Prozent der Murnauer passen müssten, beklagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum).

Ein Beispiel: Für eine geplante Drei-Zimmer-Wohnung werden laut einer Offerte auf einem Internet-Portal sage und schreibe 556 000 Euro verlangt – ein stolzer Preis für rund 85 Quadratmeter Wohnfläche. Bei den Mieten sieht es nicht anders aus: Unter zehn Euro kalt pro Quadratmeter ist kaum mehr was zu bekommen, heißt es aus Maklerkreisen. Und bei neuen Objekten sind schnell mal 13 bis 14 Euro fällig.

Das Thema erhitzt die Gemüter, der Druck auf die Ortspolitik ist hoch. „Murnau muss im Gleichgewicht bleiben“, schreibt Rathauschef Beuting in einer aktuellen Sonderausgabe des Gemeindeblatts „Marktbote“. „Keine Murnauerin und kein Murnauer sollen aufgrund der Mietpreisentwicklung gezwungen sein, die Gemeinde zu verlassen.“ Drei größere Vorhaben stehen auf der Agenda, um die Wohnungsnot zu lindern. Der Gemeinderat hat bereits dafür grünes Licht gegeben. Doch bis das erste Domizil bezugsfertig ist, dürfte noch einige Zeit vergehen. Ein Überblick:

Am Längenfeldweg wird die Marktgemeinde auf einem eigenen, rund 3500 Quadratmeter großen Grundstück selbst aktiv und steigt in den kommunalen Wohnungsbau ein. 6,5 Millionen Euro will sie investieren, wobei hohe Zuschüsse sowie zinsgünstige Darlehen erwartet werden. Wie genau die Bauwerke aussehen, steht noch nicht fest. Dies soll ein Realisierungswettbewerb, an dem sich Architekturbüros beteiligen können, klären. Beuting hofft, dass 2019 Baustart ist – und um die 40 Wohnungen entstehen. Anvisiert wird eine Kaltmiete von acht bis neun Euro pro Quadratmeter.

Auf demAreal um das James-Loeb-Haus (ehemaliges Gemeinde-Krankenhaus) will die Kommune auf der Basis einer Erbpachtregelung Grund zur Verfügung stellen, damit genossenschaftliches Wohnen verwirklicht werden kann. Dazu braucht es aber zuerst ein Konzept, wo überhaupt eine Bebauung in Frage kommt. Erst dann können sich interessierte Genossenschaften bewerben. Beuting ist auch in diesem Fall optimistisch, wünscht sich „mindestens“ 50 Wohnungen und rechnet ebenfalls 2019 mit dem Spatenstich.

Am weitesten fortgeschritten sind die Vorbereitungen für den sozialen Wohnungsbau auf dem Gebiet östlich der Eichendorffstraße. Dort will die Wohnbau GmbH Weilheim – eine kommunale Gesellschaft, an der auch der Markt Murnau beteiligt ist – in den nächsten Jahren Zug um Zug alte Blöcke aus den 1950er Jahren abreißen und durch neue ersetzen. Auf diese Weise sollen – Planer sprechen von einer Nachverdichtung – 20 Wohnungen hinzukommen. Insgesamt sind es am Ende 48. Noch heuer beginnt der erste Bauabschnitt. Wenn alles glatt läuft, ist das 19 Millionen Euro teure Projekt 2021/22 abgeschlossen. Die geförderte Kaltmiete liegt, so die Kalkulation, zwischen 5 und 6,50 Euro pro Quadratmeter.

Beuting ist davon überzeugt, dass sich mit diesen drei Vorhaben einiges bewirken lässt. „Ich denke schon, dass das einen Effekt hat“, sagt er. Der Murnauer Makler Rupert Poettinger sieht das anders. Natürlich sei es richtig, dass die Kommune etwas unternehme, erklärt er. Nur glaube er nicht, dass sich auf diese Weise das Mietniveau senken lässt. Die besagten 100 Wohnungen entstünden über einen Zeitraum von mehreren Jahren. „Das nimmt der Markt locker auf, auch wenn nur Einheimische angesprochen werden“, meint Poettinger. Es werde allenfalls etwas Dynamik herausgenommen.

Wie dem auch sei: Beuting denkt schon an den nächsten Schritt, will künftig Bauland-Ausweisungen mit sozialen Auflagen verknüpfen. Beispielsweise könnte ein Grundeigentümer dazu verpflichtet werden, einen Teil seines Areals günstig abzutreten, um dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das Zauberwort heißt „sozialgerechte Bodennutzung“. Noch heuer will die Verwaltung dem Gemeinderat dazu einen Vorschlag präsentieren. „In anderen Städten funktioniert das gut“, sagt Beuting. „Es geht um eine dauerhafte Veränderung von Strukturen.“

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