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Wird in bestimmten Gebieten getötet: der Biber.

Landratsamt informiert sich in anderen Landkreisen

Der Biber bekommt Gesellschaft: Weitere Tierart im Staffelsee aufgetaucht

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32 Biber sind im Landkreis seit September getötet worden – allesamt im Norden. Während alles noch auf den Nager schaut, ist am Staffelsee eine weitere Tierart aufgetaucht, die Konflikte bergen könnte: der Fischotter.

Landkreis – Reden ist in diesem Fall Gold, Kommunikation das A und O – das weiß Daniëlle Sijbranda. Deshalb hält die Riedhauserin, die seit dem Frühjahr Biberbeauftragte des Landkreises ist, auch nicht mit einer Entdeckung hinter dem Berg, die nach den Diskussionen um den Biber für neuen Zündstoff sorgen könnte. In der vergangenen Woche hat Sijbranda an zwei verschiedenen Stellen am Staffelsee streng geschützte Fischotter gesehen, insgesamt mindestens drei Tiere. Sie erzählte in Seehausen von ihrer Beobachtung, die offenbar speziell die Fischer alarmiert: „Bei ihnen gibt es große Angst.“ Denn: Der Fischotter kann in Reusen schlüpfen. Sijbranda sieht die Tiere angesichts „der Biomasse an Fisch, die es dort gibt, nicht als Problem für den Staffelsee. Was ein Fischotter frisst, bemerkt man fast nicht.“ Es stehe zu erwarten, dass die Tierart keine hohe Dichte erreiche.

Neu am Staffelsee: der Fischotter.

Sijbranda stößt die Diskussion über die Neu-Staffelseer bewusst an: „Es ist wichtig, dass wir von Anfang an offen über diese Tierart sprechen und nicht nach zwei Jahren darüber reden, was wir hätten machen sollen.“ Man wird den Fischotter im Auge behalten. Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf betont, seine Behörde wolle Informationen in anderen Landkreisen einholen: „Wir lassen das nicht so laufen.“

Zumal ein anderes streng geschütztes Tier nach wie vor für Brisanz sorgt: der Biber, um den sich hitzige, emotional besetzte Debatten entzündeten. Viele geraten bei seinem Anblick schier in Verzückung; andere sehen in ihm eine Gefahr und einen Feind der Kulturlandschaft, der wertvolle, alte Bäume bedroht. Immer wieder wurden – vor allem am Staffelsee – Rufe laut, das Landratsamt solle „Entnahmen“ genehmigen, also die Lizenz zum Töten erteilen. Diese wurden erhört. Jäger, die von der Unteren Naturschutzbehörde gezielt für diese Aufgabe bestellt werden, dürfen seit Anfang September die Nager in bestimmten Gebieten wieder fangen sowie erschießen – und haben dies bisher im größeren Stil vollzogen: 32 Tiere sind nach Angaben vonSijbranda innerhalb von knapp drei Monaten mit behördlicher Zustimmung getötet worden. Die Beauftragte, die vermittelt, berät und Betroffenen ihre Ängste zu nehmen versucht, bemerkt, dass sich die überhitzte Stimmung mittlerweile abgekühlt hat – es trat eine Entspannung ein: „Die Leute sehen, dass etwas geschieht, dass Biber auch entnommen werden; das hilft, Druck abzubauen“, sagt die Wildtiermedizinerin. Die Kommunikation im vergangenen halben Jahr hat in ihren Augen für Beruhigung gesorgt. Doch sie weiß: Die Meinungen sind gespalten. Wer den Biber als Bedrohung empfindet, reagiert positiv auf das Vorgehen; für andere, die Gefallen finden an den putzigen Tieren, sei es dagegen „ein Schock“, dass diese plötzlich erschossen werden. Eine Praxis, die es in anderen Landkreises seit längerem gibt, wie Sijbranda betont. 2017 seien bayernweit 1600 Tiere entnommen worden, in Oberbayern rund 310.

Mehr Biber als erwartet wurden getötet

Daniëlle Sijbranda ist Biberbeauftragte des Landkreises.

Allein 23 Biber – und damit mehr als erwartet – wurden seit September am Staffelsee getötet, alte ebenso wie junge: 9 am Südufer, 14 auf der Südseite der Insel Wörth. Drei Biber wurden an der Ach in Uffing gefangen, weitere drei in Mühlhagen;Grund waren jeweils Konflikte wegen vorhandener Triebwerkskanäle. Weitere drei Nager gingen bisher in Eschenlohe auf beiden Seiten der A95 in Lebendfallen. Dort sorgen tiefe Entwässerungsgräben dafür, dass sich die Wiesen bewirtschaften lassen. Genau in diese bauten offenbar zwei Biberfamilien Dämme, die Wasser über weite Strecken zurückstauten. Nassen Grund aber können Landwirte nicht bearbeiten, vor allem nicht mit schwerem Gerät. Zudem unterhöhlten die Tiere den Boden. Sijbranda weiß von vier Kühen, die einbrachen. Auch in Garmisch-Partenkirchen geht es aller Voraussicht nach bald Bibern an den Pelz. Anträge auf Entnahme laufen nach Angaben von Sijbranda für Kanker und Mühlbach.

Mittlerweile besiedeln die Tiere im ganzen Landkreis auch sehr kleine Bäche und Entwässerungsgräben. Sijbranda glaubt, dass der Sättigungsgrad bei den Bibern bald erreicht ist. Die 48-Jährige denkt schon einen Schritt weiter: Es soll nicht mehr nur über Schäden und Probleme gesprochen werden. „Wir müssen langsam in Richtung Akzeptanz der Biberpräsenz“, meint sie. Voraussetzung dafür sei, den Menschen die Angst zu nehmen. Das gelinge, indem man über Schutzvorkehrungen aufkläre – oft lasse sich ein Problem damit beseitigen. Doch es gebe eben „nicht immer zumutbare Präventionsmaßnahmen“. Sijbranda, die vielfach kontaktiert wurde und Bedarf für weitere Biberberater im Kreis sieht, unterstützt Betroffene, zeigt etwa, wie Bäume mit Drahthosen geschützt werden können; das Landratsamt vermittelt den Kontakt zu ihr (Telefon 0 88 21/75 13 30). Auch Försterin Silke Hartmann leistet mittlerweile Beratung auf diesem Gebiet.

Sijbrandas Arbeit scheint zu fruchten. Immer wieder verfolgt sie begeistert die Bereitschaft von Betroffenen, auch über Schutzvorkehrungen zum Erfolg zu kommen – unter anderem in Eschenlohe, in Uffing, im Grainauer Huberpark oder im Murnauer Seidlpark. An den beiden Weihern des Areals lebt eine Biberfamilie, die ihr Revier gegen Rivalen verteidigt. Vor Jahren hatte die Ortspolitik eine (letztlich nicht genehmigte) Entnahme gefordert. Nun ziehen viele Beteiligte, darunter Vereine, an einem Strang mit dem Ziel, die Biber im Süden der Weiher zu halten, der nicht als Park gepflegt wird.

Bestimmte Bäume wurden geschützt, andere, die eine Gefahr darstellen könnten, gefällt. Abgeholzt werden auch kranke Eschen im Gewässer-Süden. Sie verbleiben vor Ort – als gezielt platziertes Biberfutter. Sollten die Nager nicht mitspielen, „muss man sich alles wieder anschauen“, sagt Sijbranda. Geht allerdings die Rechnung auf, bleibt Murnau ein Naturschauspiel erhalten: Beim Abendspaziergang lässt sich mit etwas Glück eine Biberfamilie beobachten.

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