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Biber können im Bereich Staffelsee-Südufer mit Seewaldweg gefangen und getötet werden. Das Landratsamt hat die Genehmigung erteilt.

Landratsamt genehmigt mehrere „Entnahmen“ von Tieren

Biber-Tötungen: Naturschützer kritisieren „Politik der Büchse“

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Der Bund Naturschutz (BN) schaltet sich in die Diskussion um die Tötung von Bibern ein. Die Kreisgruppe fordert das Landratsamt auf, in dieser Sache „geltendes Recht zu beachten“. Die Behörde hat mehrere Entnahmen genehmigt – etwa in Seehausen.

Seehausen – Die Witterung spielt nicht mit. „Seit gut einer Woche“ liegt Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) die Genehmigung des Landratsamts vor, im Bereich Staffelsee-Südufer mit Seewaldweg Biber töten zu lassen – in unbegrenzter Anzahl. Doch Kälte und Eis ließen dies bisher nicht zu, „und es schaut auch nicht so aus, dass das noch was wird“, sagt Hörmann. Ab Mitte März bis September ist die Jagd auf die EU-weit besonders und streng geschützte Art, die sich rund um den Staffelsee vor allem wegen beschädigter Bäume Feinde gemacht hat, von Gesetzes wegen in der Regel tabu.

Weitere Genehmigungen erhielten nach Angaben von Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf „Privatpersonen zur Entnahme eines Bibers am Mühlbach in Garmisch-Partenkirchen“. Diese sei ebenfalls noch nicht erfolgt. Anders in Oberammergau: Dort wurde ein Nager „mit unserer Zustimmung“ getötet, der „erhebliche Schäden an einer Fischteichanlage verursacht hatte“, so Scharf. Das gleiche Schicksal ereilte ein Tier in Seehausen, das krank gewesen sein soll.

Der bürokratisch-sauber klingende Begriff „Entnahme“ bedeutet „in der Regel Tötung“, so Scharf. Die Biber werden in Lebendfallen gefangen und per Revolverschuss zur Strecke gebracht. „Dies soll möglichst umgehend nach dem Fang an Ort und Stelle geschehen.“ Auch ein direkter Abschuss ist im aktuellen Seehauser Fall möglich.

Behörde soll Bewährtes weiterentwickeln, anstatt „das Schlachtfest zu eröffnen“

Gegen diese Politik regt sich Widerstand. Umwelt- und Tierschützer  äußern zum Teil heftige Kritik. „Der Umgang der Landkreisverwaltung mit dem Thema Biber konnte bisher als flexible Politik des Augenmaßes beschrieben werden“, wird Axel Doering, Vorsitzender der Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen des BN, in einer Pressemitteilung zitiert. Das habe sich nun geändert, heißt es in dem Schreiben weiter. Das Landratsamt sei auf dem Weg, sich über die geltende Rechtslage hinwegzusetzen. Es öffne damit auch offiziell der Willkür weit die Tür. „Die bisherige Politik des Augenmaßes geht über zur Politik der Büchse“, kritisiert Doering. „Die aktuellen Abschüsse zeigen dies.“ Begleitet und unterstützt werde dieser Prozess durch eine mediale Verbreitung falscher Zahlen zum Bestand des Bibers und tendenziöser Zahlen zum wirtschaftlichen Schadensmaß. Der BN, der in dem Nager einen „Motor der Artenvielfalt“ sieht, fordert das Landratsamt nach den Tötungen auf, „geltendes Recht zu beachten“. Die Behörde wäre in Doerings Augen „gut beraten, das im bestehenden rechtlichen Regelwerk vorgesehene und bewährte Bündel an Prävention, Schadensausgleich und Flächenmanagement mehr in den Fokus seiner Aufgaben zu stellen und maßgeschneidert weiterzuentwickeln, anstatt das Schlachtfest zu eröffnen“.

Scharf weist die Vorwürfe zurück: „Die geltende Rechtslage wird beachtet“, betont er. „Eine Genehmigung für eine Entnahme wird nur nach sorgfältiger Prüfung und dem Vorliegen der erforderlichen Gründe erteilt.“

Das will der BN genauer wissen und hinterfragt in einem Schreiben ans Landratsamt, ob die strengen Kriterien – erhebliche wirtschaftliche Schäden oder Punkte der öffentlichen Sicherheit können Ausnahmen vom Tötungsverbot rechtfertigen – bei den umgebrachten Tieren gegeben waren. Martin Kleiner, der die Geschäftsstelle der BN-Kreisgruppe leitet und sich seit Jahren mit dem Biber und seiner Entwicklung beschäftigt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Kriterien „nicht erfüllt oder gedehnt“ wurden. „Zahlenspielereien sollten Druck machen und haben Druck gemacht auf die Landkreisverwaltung, etwas in die Wege zu leiten“, sagt Kleiner, der die Einflüsse des Bibers nicht kleinreden will. Aber: „Was passiert, ist politisch-strategisch geführte Hetze. Anlieger wenden sich an die Politik, und die hat reagiert in einer Weise, die mit der geltenden Rechtslage kaum mehr zu vereinbaren ist.“

Der Biber, einst in Bayern ausgerottet, wurde nach BN-Angaben im Jahr 2000 erstmals wieder offiziell im Kreis registriert. Bis heute wuchs der Bestand Kleiner zufolge auf 110 Reviere an, davon 12 mit Kontakt zum Staffelsee. Man rechne statistisch mit 3,5 Bibern pro Revier, das bis zu zehn Burgen aufweisen könne. Am stärksten besiedelt sind Staffelsee-Raum und Ammertal, gefolgt vom Murnauer Moos. Der BN geht davon aus, dass Revierverluste durch illegale Vergrämung beziehungsweise Tötung bei zehn Prozent des Bestandes liegen.

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