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Passionierter Imker: Franz Höcker aus Riegsee.

Keine neuen Erkenntnisse zum Täter

Bienen-Diebstahl: Der Stachel sitzt tief

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Das schmerzt wie tausend Stiche: Franz Höcker hat die Hoffnung fast aufgegeben, dass der Dieb noch auffliegt, der ihm 18 Bienenvölker gestohlen hat. Selbst ein Fernsehbeitrag brachte keine neue heiße Spur.

Riegsee–  Schon in der Vergangenheit war Franz Höcker in der Region bekannt gewesen wie ein bunter Hund: Der Riegseer arbeitet bei der Post, und im Nebenerwerb ist er „BienenFranz“: Mit seiner Frau Stefanie betreibt er einen Imkereifachhandel und einen Hofladen in Riegsee.

Doch nun kennt ihn knapp eine Million Menschen weit über die Landkreisgrenzen hinaus: Zuschauer, die jüngst die BR-Sendung „Quer“ verfolgten, die den Diebstahl von Höckers Bienen Mitte März bei Eberfing aufgriff. Der spektakuläre Fall brachte den Höckers von Beginn an viel Aufmerksamkeit, unzählige Menschen sprachen sie darauf an. Nach dem „Quer“-Beitrag erkannten Bayern die beiden sogar im Urlaub. Doch das, was wirklich zählt für Franz Höcker, blieb aus: Der zuständigen Polizei Weilheim liegen nach Angaben des stellvertretenden Inspektionsleiters Bernd Schewe „keine neuen Erkenntnisse“ vor. Generell schätzen Ermittler solche TV-Präsenz, die potenziell neue Zeugenaussagen generiert: „Umsonst gibt es Aktenzeichen XY nicht“, sagt Schewe.

Der Höcker-Fall besitzt fast Krimi-Format. Nachdem der Dieb zugeschlagen hatte, bot er die 18 Völker des Riegseers samt Kästen – die Rahmen wiesen das Brandzeichen „Bienen Franz“ auf – offenbar telefonisch mit unterdrückter Nummer unter dem Namen „Herr Franz“ einem Imker in Hannover zu einem Schnäppchenpreis zum Kauf an. Doch die Hoffnung, die Staatsanwaltschaft könnte beantragen, das Fernmeldegeheimnis aufzuheben, um die Identität des Anrufers zu ermitteln, löste sich in Luft auf. Die 30 Tage-Frist, innerhalb der dieser Weg offen steht, lief Mitte April ab, ohne dass die Anklagebehörde diesen Schritt in die Wege leitete. Doch Höckers Anwalt Jörg Steinleitner weiß: Die Aufhebung stellt durchaus einen „massiven Eingriff“ dar, der nicht einfach bei jeder beliebigen Straftat vorgenommen werden kann. Nun muss wohl Kommissar Zufall helfen. Vielleicht, meint Steinleitner, werde der Dieb auch bei einer weiteren Tat geschnappt.

Der Unbekannte, der sich wohl mit der Imkerei gut auskennt, könnte Höckers Bienen wegen der öffentlichen Aufruhr behalten haben – oder sie von den markierten auf neutrale Rahmen versetzt haben, um die Völker zu verkaufen, meint Höcker. Er hat zuletzt fast 6000 Euro in neue Bienen investiert. Die Sache versetzte ihm nicht nur wegen des Schadens von rund 20 000 Euro einen Stich. Höcker zeigt sich enttäuscht, dass dem Anruf nicht nachgegangen wurde, äußert deshalb gar Zweifel am Rechtsstaat, weil „Verbrecher durch den Datenschutz geschützt werden“. Der Stachel sitzt tief.

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