+
Seenlandschaft bei Hechendorf: Im Murnauer Moos sind große Wassermengen immer noch nicht abgeflossen. Im Hintergrund ist die inzwischen für den Verkehr wieder freigegebene Bundesstraße 2 zu sehen.

Bilanz nach Hochwasser

Nur Höherlegung schützt Straßen vor Überschwemmung

  • schließen

Das Wochenende hat es wieder gezeigt: Die beiden wichtigsten Verkehrsadern in Murnaus Süden sind sehr anfällig für Hochwasser. Abhilfe schaffen kann nur ein Ausbau. Bei der Staatsstraße 2062 ist dieser in greifbare Nähe gerückt, bei der Bundesstraße 2 bleibt er Zukunftsmusik.

Murnau/Ohlstadt – Für die Fachleute im Weilheimer Wasserwirtschaftsamt war die Lage am vergangenen Wochenende im nördlichen Landkreis nicht dramatisch: Nur ein leichtes Hochwasser, wie es immer wieder vorkommt, heißt es. Dennoch ging der Dauerregen nicht spurlos vorüber: Das Murnauer Moos konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen und verwandelte sich in eine Seenlandschaft. Loisach und Ramsach traten dort an einigen Stellen über die Ufer.

Die Staatsstraße 2062 musste – wie so oft – bei Achrain gesperrt werden. Bemerkenswert: Diesmal war auch die Bundesstraße 2 in dem Abschnitt zwischen Hechendorf und der Abzweigung nach Ohlstadt betroffen und für einige Zeit nicht mehr passierbar. Inzwischen wurde diese Strecke für den Verkehr wieder freigegeben. Die Situation, dass die beiden besagten Straßen gleichzeitig nicht passierbar waren, hatte es schon länger nicht mehr gegeben. Leidtragende sind in diesen Fällen vor allem die Ohlstädter. Sie müssen dann mitunter Umwege in Kauf nehmen. Wer etwa in der Murnauer Unfallklinik arbeitet – und dies sind in dem Dorf unterm Heimgarten einige –, dem bleibt dann nur die deutlich längere Route über Sindelsdorf. „Das kann nicht sein“, ärgert sich Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei). Hier gehe es aber nicht nur um die Pendler, sondern auch um funktionierende Rettungswege. Was passiert, fragt sich der Rathaus-Chef, wenn zum Beispiel bei einem Großbrand die Murnauer Drehleiter schnell benötigt wird?

Für Scheuerer steht fest: „Es wäre an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen.“ Der Kommunalpolitiker setzt auf eine rasche Umsetzung der seit Langem geplanten Höherlegung der Staatsstraße 2062 bei Achrain. Zusammen mit seinem Murnauer Amtskollegen Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) will er erneut im zuständigen Staatlichen Bauamt Weilheim vorsprechen und Druck machen.

Das Projekt ist eine ausgemachte Sache: Vereinbart wurde, dass die beiden Nachbargemeinden in Eigenregie einen stark geförderten Radweg von Mühlhagen nach Schwaiganger entlang der Staatsstraße errichten – und sich das Staatliche Bauamt um die Hochwasserverbauung in dem neuralgischen Gebiet kümmert. Laut Scheuerer geht’s im Oktober mit den Rodungsarbeiten für den Radwegebau los. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt er. Der Freistaat sei gefordert, auch seinen Teil des „Deals“ zu erfüllen – „so schnell wie möglich“.

Die Staatsstraße muss in dem etwa 600 Meter langen Abschnitt um bis zu zwei Meter angehoben werden, damit sie nicht beim nächstbesten Hochwasser wieder überflutet wird. Dies soll mithilfe eines Damms samt Durchlässen erfolgen. Kostenpunkt: zirka drei Millionen Euro. Werner Hüntelmann, der im Staatlichen Bauamt für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen zuständig ist, geht davon aus, dass nächstes Jahr die Planungen abgeschlossen sein werden. Wann Baustart ist, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Denn es stehe noch das Genehmigungsverfahren an – vermutlich kein einfaches Prozedere bei einem Bauvorhaben im Naturschutzgebiet.

Die B 2 ist technisch gesehen ein ähnlicher Fall. Auch sie müsste in dem kritischen Bereich angehoben werden – auf einer Strecke von etwa zwei bis drei Kilometern. „Das wird forciert“, sagt Hüntelmann. Konkrete Planungen gebe es allerdings nicht. Fest steht: Dieser Eingriff wäre ebenfalls eine Millioneninvestition. Im Vorfeld des G7-Gipfels hatte man die Fahrbahn zumindest etwas hochwassersicherer gemacht. Es wurde eine dickere Deckschicht aufgebracht. Zudem werden regelmäßig die Gräben ausgebaggert, um den Abfluss zu gewährleisten. Der Effekt ist offensichtlich, die Straße steht seitdem seltener unter Wasser. Nur diesmal haben die Vorkehrungen nichts gebracht. Dafür war die Regenmenge zu hoch.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Polizei findet sechs Kilogramm Rauschgift im Reisebus
Bei einer Fahrzeugkontrolle beim Grenzübergang Scharnitz stellen Bundespolizisten sechs Kilogramm Rauschgift in einem Fernreisebus sicher. Ein Passagier hatte die Drogen …
Polizei findet sechs Kilogramm Rauschgift im Reisebus
Biber: 3000 geschädigte Bäume am Staffelsee
Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann findet drastische Worte für die Biber-Probleme am Staffelsee: Seit einem Jahr eskaliere die Situation, sagte Hörmann in einer …
Biber: 3000 geschädigte Bäume am Staffelsee
Sterne für Isartaler Restaurants: Mit der Freude kommt der Druck
Wer sie waren? Wie viele von ihnen kamen? Was sie wann gegessen haben? Was sie überzeugt hat? Ein großes Geheimnis. Fest steht nur: Die Gourmet-Tester haben im Isartal …
Sterne für Isartaler Restaurants: Mit der Freude kommt der Druck
Startplätze fürs Hornschlittenrennen zu gewinnen
Angst dürfen sie keine haben. Und ein wenig Lust auf Abenteuer und Geschwindigkeit sollten sie mitbringen. Dann sind die wichtigsten Voraussetzungen schon mal erfüllt: …
Startplätze fürs Hornschlittenrennen zu gewinnen

Kommentare