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Blackout: Murnau trifft Vorkehrungen

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Von: Peter Reinbold

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Städte bereiten sich auf «Blackout» vor
Dunkel und kalt bleibt’s, wenn durch die Leitungen kein Strom mehr fließt. © Nicolas Armer/DPA

Nur jede zweite Kommune in Deutschland besitzt einen Notfallplan, sollte es zu einem kompletten Stromausfall kommen. Der Markt Murnau und seine Gemeindewerke gehören zu diesen vorbildlichen 50 Prozent. Was klar ist: Ohne Strom geht auch im Ort so gut wie nichts. Allein die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung sind für einige Tage über Notstromaggregate gesichert.

Murnau – So etwas kannte man bislang eher aus Katastrophenfilmen: das Szenario eines tage- oder gar wochenlangen Stromausfalls. Diese Gefahr ist nicht mehr so unrealistisch. Deshalb beschäftigt man sich auch in deutschen Behördenstuben mit einem derartigen Geschehen, das durch Cyberangriffe auf die digitale Infrastruktur oder Attacken entstehen kann, die gezielt Kraftwerke treffen. Die Angst der Menschen wird größer, plötzlich ohne Strom dazusitzen – oder in einer kalten Wohnung – auch in einem Ort wie Murnau. Denn ohne Strom geht in den Gebäuden – ganz egal ob Einfamilienhaus oder Wohnblock – nichts mehr: Heizung, Licht, Kommunikation, Herd und Kühlschrank, alles ist tot.

Für zwei Stunden kann es ja behaglich sein, bei Kerzenschein ein Buch zu lesen. Doch das, wovor die Behörden zunehmend warnen, ist alles andere als gemütlich: Es ist bedrohlich. Diese Furcht will die Kommunalpolitik den Bürgern nehmen. „Zunächst einmal ist festzustellen, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt. Das theoretisch dargestellte Blackout-Szenario – nämlich, dass es über Tage und Wochen keinen Strom und kein Gas geben wird – ist höchst unwahrscheinlich. Trotzdem ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen und Vorkehrungen zu treffen. Das tun wir auch“, erklärt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), bei dem bei einem Notfall kraft Amt die Fäden zusammenlaufen, auf Tagblatt-Anfrage. „Uns liegt nicht daran, Panik zu schüren“, hatte er schon während der Sitzung des Werkausschusses in der vergangenen Woche gesagt, als in diesem Rahmen die Gemeindewerke ihren Notfallplan präsentierten. Der besteht aus einer achtseitigen Broschüre und listet Wasserwerk, Abwasserentsorgung, Parken, Fernwärme und Energie auf. „Wir sind vorbereitet“, sagt Gemeindewerke-Chef Karl Steingruber.

Einzig die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung lassen sich in Murnau – zumindest kurzfristig – bei einem Blackout aufrecht erhalten, weil der Brunnen Nord und das Pump-haus West über Notstromaggregate verfügen, die drei bis vier Tage betrieben werden können. Die Kläranlage erhält Energie durch ein Blockheizkraftwerk, das sich auf dem Gelände befindet und das imstande ist, bis zu 50 Kilowattstunden zu erzeugen.

Einige Pumpstationen können über Notstromgeneratoren bedient werden. Für die Standorte Froschhausen und Moosrain ist die Anschaffung eines größeren mobilen Notstromaggregats geplant. Damit möglichst lang Strom produziert werden kann, haben die Gemeindewerke ihre Bestände an Benzin und Diesel aufgestockt. „Die Treibstoffversorgung in Murnau ist für alle örtlichen Hilfs- und Rettungsorganisationen gesichert“, teilt Rathaussprecherin Annika Röttinger mit.

Die Gemeindewerke haben schon vor längerem einen Notfallplan geschrieben, der Markt ist gerade dabei, einen zu erstellen. „Hier werden für verschiedene Szenarien Maßnahmen festgelegt“, sagt Röttinger. Es werde situationsabhängig entschieden, „was in welchem Umfang eingeleitet werden muss“. Manche Gemeinden öffnen nach ein paar Stunden Feuerwehrhäuser oder Notunterkünfte, um die frierende Bevölkerung mit warmen Getränken und warmem Essen zu versorgen. Murnau plant Ähnliches. Röttinger zufolge ist die Ertüchtigung der drei Feuerwehrhäuser vorgesehen. Diese sollen künftig mit unabhängigen Stromerzeugern autark betrieben werden können. „Die Umsetzung läuft gerade“, sagt sie. Feuerwehrhäuser seien als Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger in Notfällen vorgesehen. Turnhallen sollen bei Bedarf als Unterkunft und Versorgungszentren zur Verfügung gestellt werden.

Ob es zu einem Blackout kommen wird oder nicht, das wissen noch nicht einmal die Experten. Aber man kann definitiv sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass Strom oder Gas zur Mangelware werden, ist deutlich größer geworden, als das in der Vergangenheit der Fall war. Katastrophenschützer spielen vorübergehende Stromausfälle durch. Wenn über viele Tage der Strom ausfällt, hat das Auswirkungen auf alle Bereiche der kritischen Infrastruktur. Dann werden Ressourcen knapp.

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, weist darauf hin, dass eine funktionierende Notversorgung mit Wasser und Wärme nur für maximal 72 Stunden möglich sei. „Die Extremsituation eines mehrtägigen Blackouts könnte der kommunale Katastrophenschutz nicht allein bewältigen. Dann kommt es auf die schnelle und gut koordinierte Zusammenarbeit an, ressortübergreifend und über alle staatlichen Ebenen hinweg.“

Auch Beuting und die Rathaus-Verwaltung wollen es so halten. Für die Abwasserbehandlung in der Kläranlage fand ein Informationsaustausch mit anderen Gemeinden, die an die Kläranlage Murnau angeschlossen sind, und dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim statt. „Grundsätzlich sind die Landratsämter die Katastrophenschutzbehörden. Derzeit sind aber die Kommunen angehalten, notwendige Vorkehrungen selbst zu prüfen und zu treffen“, sagt Röttinger.

Der Notfallplan

der Gemeindewerke ist auf deren Website hinterlegt: www.gw-murnau.de. Über die Notfallmaßnahmen wird zudem über den Marktboten, der jedem Haushalt zugestellt wird, informiert. (Direktlink: https://www.gw-murnau.de/de/news/notfallplan-gemeindewerke-murnau).

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