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Unterricht mit Laptop: IT-Feldwebel und Ausbilder Sascha Reis (stehend) spricht zu den Teilnehmern.

Militär will Nachwuchs gewinnen

IT-Camp der Bundeswehr in Murnau

Die Bundeswehr braucht IT-Nachwuchs. Im Rahmen eines Camps in der Werdenfelser Kaserne machen sich in dieser Woche 16 junge Menschen aus ganz Deutschland mit der Thematik vertraut. So mancher will sich bei der Truppe bewerben.

Murnau – Enrico Botta ist seit 16 Jahren Boxer. Daher ist der 25-Jährige aus Moers bei Düsseldorf fit. „Ich bin körperlich sehr belastbar. Ich mag es auch, an meine Grenzen zu gehen“, erzählt er.

Botta ist als Elektroniker für Betriebstechnik in der Industrie tätig. Doch er will sich beruflich verändern. Er möchte zur Bundeswehr. Das hat er schon entschieden. „Die Bewerbung ist schon raus.“ Dennoch macht er in dieser Woche beim fünftägigen IT-Camp in der Murnauer Werdenfelser Kaserne mit.

Die 16 Teilnehmer zwischen 17 und 27 Jahren – vier davon sind Frauen – erfahren dabei mehr über den Arbeitgeber Bundeswehr im Bereich der Informationstechnologie. Zusammen mit den Profis des Informationstechnikbataillons 293 erhalten sie Einblicke in mobile und stationäre Satellitenkommunikationssysteme, reparieren Datenkabel, installieren Netzwerke und testen deren Funktionstüchtigkeit bei einer LAN-Party. Auch der normale militärische Alltag gehört zum Programm der IT-Camper. Im Blickpunkt stehen Tarnen und Täuschen im Gelände, Umgang mit Karte und Kompass sowie das Errichten eines Biwakplatzes mit Feuerstellen. Die jungen Frauen und Männer übernachten in der Kaserne.

Das Camp habe auch den Zweck, Transparenz zu schaffen, betont Kommandeur Jürgen Eckert (47). Also zu zeigen, „was machen wir hier überhaupt. Wir öffnen uns nach außen und bieten einen Blick hinter die Mauern“.

Normalerweise absolvieren zwischen 20 und 30 Personen die Grundausbildung in Murnau. Derzeit sind es nur 14, die demnächst ihr Gelöbnis ablegen. Eckert macht keinen Hehl: „Im Speckgürtel von München ist es nicht einfach, IT-Nachwuchs für die Bundeswehr zu gewinnen.“ Mit anderen Worten: Das Militär kann junge Leute gebrauchen.

Enrico Botta, dem 25-Jährigen aus Moers, gefällt es jedenfalls „super“ im IT-Camp. „Es wird nicht langweilig“. Er hat in den beiden Tagen viel gelernt. „Man sammelt viele Eindrücke.“ Ähnlich geht es Fabian Breitenberger, der aus der Nähe von Würzburg kommt. „Es ist sehr abwechslungsreich. Das hat mir alles viel Spaß gemacht.“ Der 18-Jährige wurde im vergangenen Jahr mit der Realschule fertig. Aktuell absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Altenheim. Breitenberger ist familiär quasi „vorbelastet“. Vater und Mutter haben beide IT-Berufe. Diese Branche interessiert auch Michelle Heilmann. „Ich arbeite sehr gern mit Computern“, erzählt die 19-Jährige aus Erding. „Die Bundeswehr reizt mich aber allgemein, das Sportliche und das Kameradschaftliche.“ In einer Kaserne herrsche zwar „ein anderer Ton, aber es gefällt mir gut“.

Freilich: Wer zur Bundeswehr geht, muss mit Auslandseinsätzen und daher auch mit brenzligen Situationen rechnen. „Man macht sich darüber schon Gedanken“, gibt Heilmann zu. Dennoch hat sie fest vor, sich zu bewerben. Etwaige Gefahren, die der Beruf mit sich bringt, sind auch Botta bewusst. „Das hält mich aber nicht davon ab, mich zu bewerben.“ 

Roland Lory

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