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Blitzer-Attrappe von Westried:  Urheber erklärt seine ungewöhnlichen Beweggründe

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Steht wieder auf Privatgrund: die Blitzer-Attrappe des Familienvaters aus Westried.
Steht wieder auf Privatgrund: die Blitzer-Attrappe des Familienvaters aus Westried. © Dominik Bartl

Das Rätsel um Westrieds skurrile Blitzer-Attrappe ist gelöst: Der Urheber hat sich am Dienstag zu erkennen gegeben - und erklärt, was ihn zu diesem ungewöhnlichen Schritt bewog.

Murnau-Westried – Die Aktion gleicht einem Hilferuf. „Ich will nicht provozieren, ich will eine Katastrophe verhindern“, sagt Juraj J. Am Dienstagmorgen hat er sich geoutet – im Murnauer Ordnungsamt ebenso wie in der Tagblatt-Redaktion: als der Mann, der die Westrieder Blitzer-Attrappe aufgestellt hat.

Die Katastrophe, von der J. mit sehr ernstem Gesicht spricht, träte ein, wenn nach Haustieren ein Mensch zu Schaden käme. J. sagt das mit Blick auf seine eigenen Kinder (fünf und drei Jahre alt) sowie die der Nachbarn. Er hat Angst: um ihre Gesundheit, letztlich um ihr Leben. Deshalb ummantelte er einen rund 100 Kilo schweren, alten Schwedenofen mit Blech – die Blitzer-Attrappe von Westried, die zuletzt für Aufsehen gesorgt hatte. Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der Amtsanmaßung.

Westrieder Familienvater in Angst: „Die Leute sind viel zu schnell unterwegs“

J. sagt, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er sich strafbar machen könnte. Letztlich ist er diesen Preis offenbar zu zahlen bereit für die Sache, um die es ihm geht: „Wenn ich schuldig bin, bin ich schuldig. Aber vielleicht wird dadurch ein Mensch gerettet. Ich freue mich, dass endlich über dieses Thema geredet wird“, stellt der 38-Jährige klar.

Die Familie J. wohnt seit sechs Jahren an der Graf-Alban-Straße, in der Tempo 30 gilt. Das Haus, in dem sie lebt, steht direkt an der Stelle, an der diese mit der Moosrainer Straße (führt Richtung Bahnhof) und der Aschauer Straße (Verbindung zur Staatsstraße 2062) zusammentrifft; nebenan verläuft der Moosrundweg, den Ausflügler gerne benutzen. „Wir hören jede Woche Bremsen quietschen“, sagt J. Raser stellen in seinen Augen in diesem Bereich eine riesige Gefahr dar: Vor allem vom Bahnhof und von der Staatsstraße kommend seien „die Leute viel zu schnell unterwegs“. Er wünscht sich eine Tempo-Anzeige für Autofahrer, die sich aus Richtung Bahnhof nähern, und eine 60-Stundenkilometer-Begrenzung auf dem Abschnitt zwischen Staats- und Graf-Alban-Straße, auf dem aktuell 100 Sachen erlaubt sind.

Um wenigstens vorübergehend eine Besserung zu erreichen, hat J. am Samstagabend im neuralgischen Bereich auch die Attrappe unter einem Baum positioniert – ohne jede Elektronik und ohne Blitzfunktion, um niemanden zu erschrecken. Am Sonntag stand die Box seiner Schilderung nach plötzlich ein Stück weiter: an der Gabelung der Aschauer Straße. Wer den Fake-Starenkasten warum dorthin transportiert hat, ist J. ein Rätsel. Als er am Sonntagabend den Bericht samt Foto über sein Eigenfabrikat auf merkur.de sah und erkannte, dass der Fall hohe Wellen schlug, holte der Familienvater das schwere Trumm von der Gemeindefläche mit Hilfe eines Freundes per Schubkarre auf eigenen Grund zurück. „Ich will nicht provozieren“, sagt er noch einmal. Es soll nur niemand zu Schaden kommen.

Unbekannter überfährt Kater und lässt schwer verletztes Tier liegen

Wie schnell etwas passieren kann, hatte die Familie am 7. April schmerzhaft erlebt. Ein Unbekannter überfuhr ihren zweijährigen Kater genau in dem nach J.s Ansicht gefährlichen Bereich; der Unbekannte ließ den blutenden Stubentiger einfach liegen. Der Kater starb beim Tierarzt. „Wir waren traurig und sauer“, sagt J. Kurze Zeit später erwischte es eine Nachbarskatze, die schwer verletzt wurde. Was also tun? Der Hinweis „Vorsicht, spielende Kinder“ wurde aufgestellt, ein Spielball an ein Schild gehängt – und prompt gestohlen. J. sprach nach eigenen Angaben im Ordnungsamt vor, um zu erreichen, dass mit einem echten Blitzer kontrolliert wird, blieb aber erfolglos. Als Ultima Ratio baute er letztlich die Attrappe.

Gemeinde nimmt Sorgen ernst und kündigt Verkehrsüberprüfung an

Auch wenn Ärger auf ihn zukommen sollte – in der Sache bewegte der Familienvater etwas. Rathaus-Sprecherin Nina Herweck-Bockhorni bestätigt, dass dieser Dienstagfrüh „in einem sehr guten Gespräch“ mit einer Mitarbeiterin des Ordnungsamts das weitere Vorgehen besprochen habe. Die Gemeinde nehme die Sorge des Anliegers „selbstverständlich ernst und wird daher dort eine Verkehrsüberprüfung durchführen“. Bisher sei die Stelle nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Um eine Tempobegrenzung aussprechen zu können, müsse ein konkreter, nachweisbarer Grund vorliegen. „Das Ordnungsamt wird ein Tempomessgerät aufstellen, um belastbare Zahlen zu erhalten“, versichert Bockhorni. Und: Zumindest die Gemeinde wird keine rechtlichen Schritte einleiten gegen Juraj J.

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