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Echtes in der Kunst-Welt: Der Murnauer Floristmeister Andreas Müssig gestaltet ein neues Blumen-Arrangement in der Sonderausstellung des Schloßmuseums.

Arrangements von Andreas Müssig im Schloßmuseum Murnau 

Der Handwerker unter den Künstlern

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Er fühlt sich als Handwerker, der seinen Beruf ausübt – nicht mehr und nicht weniger. Andere sehen in Andreas Müssig einen Künstler. Tatsächlich kreiert der Murnauer Floristmeister für die Sonderausstellung im Schloßmuseum jede Woche wieder abgestimmte Blumeninstallationen. Echtes in der Kunst-Welt – einmalig für das Haus.

Murnau – Dort ein Beckmann, eine Münter, hier zwei Warhols, daneben ein Lüpertz. Und dazwischen: Müssig, Müssig, Müssig. „Ich habe prominente Gesellschaft“, sagt Andreas Müssig (47). Anspruchsvolle Aufträge erhält der Murnauer Floristmeister immer wieder. Doch das renommierte Schloßmuseum, das er so sehr schätzt und in dem seine Werke so hochkarätige Nachbarn finden, „ist der ehrenvollste Platz, an dem ich bisher meine Blumen arrangiert habe“. Müssig bringt Echtes in diese Kunst-Welt, sorgt für dreidimensionale Blickfänge in der aktuellen Jubiläums-Sonderausstellung „Mit Dank für die Blumen!“. Er platziert frisches Gewächs neben gemaltem. Seine drei Beigaben gehen in der „Floriade“ zum 25-jährigen Bestehen des Museums ein Wechselspiel mit der Kunst ein, ohne mit dieser zu konkurrieren. Zeichnungen und Gemälde bieten dabei einen großen Vorteil: Hängen sie einmal, können sie einfach bleiben. Müssig dagegen muss jede Woche wieder ran ans Werk – Preis der Vergänglichkeit des lebenden Materials, mit dem er arbeitet.

Wobei: In einem Fall setzt Müssig – von langer Hand geplant – nun auf Beständigkeit: vor Peter Drehers Kleeblumenserie mit 80 Tafeln. Zur Eröffnung hatte Müssig noch mit Wiesenblumen gearbeitet, die – wie auf Drehers Bildern – in Wasserzylindern standen, jede einzelne mit transparenter Folie aufwändig fixiert; im Anschluss arrangierte Müssig den Wiesenknopf. Mittlerweile steht als dritte und endgültige Variante an dieser Stelle ein Leuchttisch, auf den Müssig Klee legte, den er Wochen vor der Ausstellung gepresst und getrocknet hatte. Die Wirkung gleicht der eines abstrakten Hinterglaswerks – nur dass der Murnauer, seit 1996 Marktgemeinderat, echte Pflanzenteile verarbeitete.

Blumen in kräftigen, leuchtenden Farben

In zwei anderen Räumen schafft er bis zum Ende der Ausstellung im November wöchentlich Neues: Er platziert kräftige, leuchtende Farben vor der Wand, die der Künstler Lars Breuer mit einem Schriftzug in starken Schwarz-Weiß-Kontrasten versehen hat. Und mit Blumen in einer nachtschwarzen Nische erzeugt Müssig eine Art Illusion, lässt den Betrachter kurz stutzen, weil dieser nicht sofort eindeutig definieren kann: Wirklichkeit oder gemalt? Die Blumen sind echt, tragen aber Müssigs Handschrift.

Blumen im Raum, Blumen im Stillleben an der Wand: Die Arrangements gehen ein Wechselspiel mit der Kunst ein.

Er kreiert damit viel mehr als schmückende Deko: eine Darstellung von Blumen, eigenständige Werke, die aber in Verbindung zum großen Ganzen stehen. „Ich versuche nicht, etwas nachzumachen“, betont Müssig, der sich mit Herzblut dieser Aufgabe widmet: „Eine spannende und schöne Sache“.

Dabei darf er „nicht so wahnsinnig viel darüber nachdenken“, mit wem seine Arrangements in einer Reihe stehen: echten Hochkarätern. Das wäre wohl das Ende von Spontaneität und Kreativität. Auch eine genaue Planung wäre hinderlich: „Ich handle immer aus der Situation heraus, und manchmal kann sich eine Entscheidung während des Machens noch verändern.“ Trotzdem: Müssig sieht sich als Floristmeister, als Handwerker, „nicht als Künstler – das ist mein Beruf“.

Andreas Müssig ist auch ein Künstler

Erste Umsetzung: Wiesenblumen vor der 80-teiligen Kleeblumen-Serie von Peter Dreher (hinten).

Das beurteilt Schloßmuseums-Chefin Dr. Sandra Uhrig anders. „Andreas Müssig ist auf seine eigene Art auch ein Künstler“, betont die Expertin. „Wie er das hinbekommt – das ist ziemlich nah dran an einem Maler, den man bei der Komposition beobachtet.“ Müssig, den Uhrig auch zu Rate zieht, wenn es etwa Kringel-Blumen auf einem Werk von Gabriele Münter zu bestimmen gilt, verstärke mit seinen Blumen „den Effekt der Bilder. Ich finde ihn unheimlich inspirierend und erhalte von ihm viele Anstöße“. Bei Besuchern kommen die Blumen ausgezeichnet an: Die Kombination werde „sehr positiv aufgenommen. Und viele sind ganz überrascht“, sagt Uhrig. Müssig erhält auch persönlich großen Zuspruch. Immer wieder besuchen Interessierte erst die Ausstellung und dann sein Ladengeschäft, das um die Ecke liegt, um ihm zu versichern, wie reizvoll sie die Schau finden. Müssig sagt selbst: „Das Faszinierende an dem Ganzen ist, dass plötzlich frische Blumen auftauchen, die mit der Kunst korrespondieren.“ Das außergewöhnliche Experiment ist geglückt.

Das gilt in doppelter Hinsicht. Echte Flora braucht zwingend Wasser – und das hätte zum Problem werden können für das auf die kostbaren Leihgaben fein abgestimmte Museums-Raumklima, das Be- und Entfeuchter im Lot halten. Uhrig und Müssig besaßen keine Erfahrungswerte: „Es war nicht klar, welche Auswirkungen das Wassers hat“, sagt die Leiterin. Sie überwachte das Geschehen engmaschig, um sofort reagieren zu können. Doch es tat sich: nichts. „Es gab erstaunlicherweise keinerlei Schwierigkeiten“, sagt Uhrig. Müssig ergänzt: „Die Raumtechnik gleicht alles aus.“

Er richtet sich nach dem ganz besonderen Rahmen, den das Museum darstellt. Es sorgt für erschwerte Bedingungen: Die Blumen, die Müssig verarbeitet, dürfen nicht stauben, schmutzen, abfallen oder zu intensiv riechen. „Man muss sehr aufpassen.“ Zumindest in diesen Momenten hat Müssig dann doch an seine prominente Gesellschaft zu denken.

Die Sonderausstellung

 „Mit Dank für die Blumen! Eine Floriade zum 25-jährigen Jubiläum des Schloßmuseums Murnau“ läuft noch bis Sonntag, 11. November. Geöffnet ist die Schau generell von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr (an Feiertagen auch montags), bis Ende September am Wochenende bis 18 Uhr. Der Eintritt in die Sonderausstellung kostet sechs Euro.

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