Bis zu 40 Meter tief bohren die Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes derzeit in den Murnauer Boden.
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Bis zu 40 Meter tief bohren die Mitarbeiter des Staatlichen Bauamtes derzeit in den Murnauer Boden.

Kritik von Grünen

Bohren für die Murnauer Ortsumfahrung: Nicht jedem gefällt das

  • Simon Nutzinger
    VonSimon Nutzinger
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In Murnau und Seehausen wird gebohrt. Noch bis Ende kommender Woche entnimmt das Staatliche Bauamt Weilheim Bodenproben, um die Machbarkeit einer Ortsumfahrung zu prüfen. Nicht jedem gefällt das.

Murnau/Seehausen – Thema ist sie bekanntlich seit vielen Jahren: eine Ortsumgehung für Murnau. Sie soll den immer weiter wachsenden Verkehr, der täglich durch die Marktgemeinde rollt, eindämmen beziehungsweise um den Ort herum leiten. In den vergangenen Wochen hat das Langzeitprojekt nun zumindest ein wenig konkretere Formen angenommen. Seit 12. Juli und noch bis Ende kommender Woche nimmt das Staatliche Bauamt Weilheim an sechs verschiedenen Stellen auf Murnauer und Seehauser Flur Tiefbohrungen vor. Sie sollen Aufschluss geben, ob und wo die Boden- und Grundwasserverhältnisse eine mögliche Umfahrung denn überhaupt zulassen würden.

Bis zu 40 Meter tief graben sich die Maschinen dabei zwischen Kemmelgelände, Bahnhof und Riedhausen in den Boden. Auf Grundwasser sind sie dabei offenbar noch nicht gestoßen, betont Thomas Herrmann vom Staatlichen Bauamt. „Bisher alles bestens.“ Ansonsten hat der Untergrund reichlich Kies und einige wenige Findlinge mit rund 30 Metern Durchmesser offenbart. Was das im Endeffekt für eine mögliche Umgehung bedeutet, vermag Herrmann nicht zu sagen. Eine Fremdfirma erstellt ein diesbezügliches Gutachten. „Im Spätherbst wissen wir vermutlich mehr.“

Bohrungen geben keine Hinweise über mögliche Trassenführung

Hinweise über einen denkbaren Verlauf der Trasse geben die Bohrpunkte jedoch nicht. „Das hat keinerlei Aussagekraft“, stellt er klar. „Wir prüfen einfach alle Möglichkeiten und schauen, was im Untergrund los ist.“ Eine Route, die in der Vergangenheit immer mal wieder im Raum stand, ist eine Westumfahrung, die am Kreisel an der Bahnunterführung beginnen und unter der evangelischen Kirche hindurchführen würde. Anschließend ginge es auf der Westseite des Kemmelparks durch ein eingehaustes Bauwerk und dann weiter Richtung Gewerbegebiet Straßäcker, wo die Umfahrung auf die Bundesstraße einbiegen würde.

Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) begrüßt die aktuell stattfindenden Bohrungen. „Sie werden die Fakten liefern, die für eine sachliche Diskussion wichtig sind“, betont er. Denn eines ist für ihn klar: „Umso weniger über Vermutungen und Meinungen zu einer möglichen Entlastungsstraße diskutiert wird, desto besser wird die Diskussion.“ Als grundsätzlich positiv bewertet auch Beutings Seehauser Pendant Markus Hörmann (CSU), dass sich das Bauamt mit der Murnauer Verkehrslage beschäftigt. „Es ist wichtig, dass sich etwas tut“, unterstreicht er. Die Bohrungen haben ihn allerdings ein Stück weit überrascht. „Ich hätte es sinnvoller gefunden, zunächst einmal ein Verkehrsgutachten zu erstellen, wie effizient eine Umfahrung denn grundsätzlich wäre, bevor ich den Boden aufgrabe.“ Eine Trasse, die am Bahnhof entlang führen würde, hält er zudem für ausgeschlossen. „Soll die dann oben drüber führen oder werden dann die Bahngleise verlegt“, fragt er sich. „Das sind alles Themen, die müssen dringend abgeklärt werden.“

Veronika Jones von den Grünen: „Es kann nicht die Lösung sein, immer mehr Straßen zu bauen“

Bekanntermaßen kritisch stehen einer Umgehungsstraße die Murnauer Grünen gegenüber. Sie würden das Geld lieber in den öffentlichen Nahverkehr investieren. „Da wäre es deutlich besser und nachhaltiger aufgehoben“, findet Gemeinderätin Veronika Jones. Auch die Radwege auszubauen und attraktiver zu gestalten, sei eine Alternative, um dem Verkehrschaos Herr zu werden. „Es kann nicht die Lösung sein, immer mehr Straßen zu bauen.“ So blauäugig, dass man das Privatauto, insbesondere auf dem Land, quasi abschafft, ist sie freilich nicht. „Aber man muss ja irgendwann auch anfangen, andere Angebote zu schaffen.“ Solange die Umfahrung noch nicht Realität ist, werde Jones gemeinsam mit ihren Parteikollegen zumindest versuchen, diese „irgendwie zu verhindern“.

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