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Am Rathaus weht die Hakenkreuzfahne: In der Zeit des Nationalsozialismus entstanden in Murnau zahlreiche Bauten. Es kristallisierten sich damals große Wohn- und Siedlungsgebiete heraus.

Aufarbeitung der braunen Ära in Murnau

NS-Zeit: Sprunghafter Anstieg des Bauvolumens

Dir Forschungsarbeiten zu Murnau in der braunen Ära schreiten voran. Eine Recherche zur Bautätigkeit ist abgeschlossen. Das Werk wird nach aktuellem Stand jedoch wahrscheinlich nur im Internet abrufbar sein.

Murnau – Fast 300 Seiten umfasst das Manuskript, das vor Kurzem fertig wurde. Das Werk des Architekturhistorikers Dr. Christoph Hölz beleuchtet die Bautätigkeit in Murnau während der Zeit des Nationalsozialismus. Die Fertigstellung verzögerte sich etwas, denn der Lehrbeauftragte und stellvertretende Leiter des Archivs für Baukunst in Innsbruck hatte auch noch ein Projekt in Feldafing zu bearbeiten.

Das Bauvolumen nahm in Murnau in der braunen Ära laut Hölz „sprunghaft zu. Damals kristallisierten sich große Wohn- und Siedlungsgebiete heraus“. Die Marktgemeinde habe sich damals allmählich zu einem „interessanten Ort für den wohlsituierten Mittelstand“ entwickelt.

Große Flächen nahm in den 1930er Jahren das Militär in Anspruch. Zwei Bauten, die Artilleriekaserne (später Kemmel-Kaserne) sowie die Panzerjägerkaserne (heute Werdenfelser Kaserne), wurden aus dem Boden gestampft. Die Nazis rüsteten sich für den Krieg.

Derjenige, der in Murnau damals am meisten plante, war der Architekt Gustav Reutter (1894 bis 1971). Dessen Sohn Robert, ebenfalls Architekt, starb vor Kurzem. Hölz konnte bei seinen Forschungen auf Unterstützung bauen. Kunsthistorikerin Dr. Regina Prinz sichtete im Staatsarchiv München Bauakten.

Hölz’ Arbeit liegt der Gemeinde zwischenzeitlich vor. Sie werde „in den nächsten Wochen vom Marktarchiv überprüft“, sagt Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Sobald die Überprüfung abgeschlossen ist, „ist davon auszugehen, dass sie zur Vorstellung und Genehmigung dem Gemeinderat vorgelegt wird“. Danach sei eine Online-Veröffentlichung vorgesehen. Einen konkreten Zeitplan kann Bittlinger derzeit hierfür aber noch nicht nennen.

Die Kosten für die Forschungsarbeit liegen bei 18 000 Euro. Sofern alle zugesagten Fördermittel eintreffen, „hat der Markt Murnau einen Restbetrag von 3850 Euro zu tragen“, teilt Bittlinger mit. Hölz fände es gut, wenn Schüler ausgewählte Bauprojekte in Fallbeispielen vertiefen würden. Dies könnte ein Mitglied „einer Familie sein, die im Besitz von einem der Häuser ist“.

Unterdessen biegt auch Dr. Edith Raim mit ihrem Projekt allmählich auf die Zielgerade ein. Die Historikerin forschte in den vergangenen Jahren über Murnau in der Zeit zwischen 1920 und 1950. Sie will das Manuskript Anfang August Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) vorlegen. Danach werde außer dem Bürgermeister sicher der Arbeitskreis „Geschichte des Nationalsozialismus in Murnau“ und „einige andere Personen das Manuskript lesen und eventuell werden Änderungen, Korrekturen et cetera gewünscht“, sagt Raim. „Ich rechne daher entweder im Spätherbst oder Winter beziehungsweise Anfang 2019 mit einer Veröffentlichung.“

Dann wären da noch die Recherchen zu den Murnauer Würdenträgern. Als sich der Marktgemeinderat 2017 von Max Dingler und Lorenz Sonderer distanzierte, beschloss das Gremium auch, dass ein Wissenschaftler weitere Ehrenbürger und Träger der Bürgermedaille unter die Lupe nehmen soll, die vor 1930 geboren wurden. Der Auftrag ist nach Bittlingers Angaben aber noch nicht vergeben. „Es liegt bisher ein Angebot vor.“ Die Kommune will sich nach weiteren kompetenten Wissenschaftlern umsehen. Der Hauptverwaltungsausschuss beziehungsweise der Marktgemeinderat entscheiden dann über die Vergabe.

Roland Lory

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