Ländlicher Glasfaser Ausbau
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Ein Bagger hebt in Nordrhein-Westfalen Erdreich für den Breitbandausbau aus. In Murnau verzögert sich die Fertigstellung erheblich.

Breitbandausbau in Murnau

Telekom ist  massiv in Verzug

Der Breitbandausbau in Murnau verzögert sich erheblich. Die Telekom wird nach aktuellem Stand wohl fast ein Jahr später fertig werden als geplant. Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) missfällt das.

Murnau – Man schrieb den 28. April 2016, als das Vertragswerk unterzeichnet wurde. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) setzte damals im Rathaus seine Unterschrift unter eine Vereinbarung mit der Deutschen Telekom. Das Unternehmen hatte im Zuge einer Ausschreibung den Zuschlag für den Netz-Ausbau erhalten. Dazu zählen Glasfaserkabel und neueste Technik. „Das ist ein wesentlicher Schritt in die Zukunft“, sagte der Rathaus-Chef seinerzeit beim Pressetermin, an dem auch Telekom-Vertreter teilnahmen. Zwei Wochen später kam der damalige bayerische Finanzminister und heutige Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach Murnau, um einen Förderbescheid in Höhe von 670 000 Euro zu übergeben.

Doch mehr als zwei Jahre danach ist der Ausbau des Breitbandnetzes in Murnau nach wie vor nicht abgeschlossen. Eigentlich hätte das Projekt schon Ende Oktober 2017 fertig sein sollen. Im November hieß es dann, dass die Inbetriebnahme für Anfang Dezember geplant sei. Wenig später wurde als Abschlusstermin die erste Jahreshälfte 2018 genannt. Doch auch das lässt sich nicht halten. An einigen Stellen ist der Ausbau zwar bereits erledigt. Dies teilte sinngemäß ein Telekom-Mitarbeiter dem Murnauer Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger mit. Dieser ist bei der Kommune auch für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Laut Bittlinger plant die Telekom die vollständige Fertigstellung aber erst für Ende August. Die Datenrate soll 30 bis 100 Mbit pro Sekunde betragen. Von der Telekom war am Dienstag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme erhältlich.

Bürgermeister Beuting hat für die Verzögerung wenig Verständnis: „Der Breitbandausbau durch die Telekom hat in Murnau zu lange gedauert“, für die örtlichen Firmen „unakzeptabel lange“. Das Förderprogramm sei zwar vom Freistaat gut gemeint, aber es seien, im wahrsten Sinne des Wortes, zu viele Baustellen in Bayern auf einmal. Beuting kündigte am Dienstag an, dass demnächst eine Breitband Offensive Murnau diskutiert wird, „weil wir einen flächendeckenden Glasfaserausbau anstreben“. Am Mittwoch, 4. Juli, treffen sich Gemeinderäte, Mitarbeiter der Verwaltung und der Gemeindewerke zu einem Workshop. Bittlinger betont: „Wir wollen uns als innovativer und technologischer Standort positionieren.“ Hintergrund der möglichen Breitband-Offensive: Auch nach Abschluss des laufenden Telekom-Projekts wird es in der Marktgemeinde weiter Gebiete geben, in denen Kupferleitungen in der Erde liegen. Diese sind weniger leistungsfähig.

Bittlinger will die massive Verzögerung nicht weiter kommentieren. Nur so viel: „Beim Thema Breitbandausbau kann Deutschland und Bayern noch deutlich besser werden.“

Das Projekt in Murnau ist, vereinfacht gesagt, zweigeteilt. Die Telekom investiert in einen Großteil des Gemeindegebiets auf eigene Rechnung. In den restlichen Ortsquartieren, meist in den Außenbereichen, rentiert sich dieser Eigenausbau für das Unternehmen wohl nicht, weil es etwa zu wenige Abnehmer gibt oder teure Tiefbau-Arbeiten nötig sind. Hier kommt die Kommune ins Spiel, die die Kosten trägt und dafür den besagten Vertrag mit der Telekom zur Schaffung der Infrastruktur geschlossen hat.

Roland Lory

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