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Daumen nach oben: Rolf Beuting mit Mädchen und Buben iim Hof der Schule von Igunga.

Bürgermeister begleitet früheren Murnauer Pfarrer zu Hilfsprojekten in Afrika

Beuting in Tansania: Mehr als ein schnelles Abenteuer

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Afrika hat Rolf Beuting seit jeher fasziniert. Mit dem früheren Ortspfarrer Helmut Enemoser ging Murnaus Bürgermeister nun auf eine Reise nach Tansania. Dort unterstützt der Geistliche soziale Projekte; Beuting leistete einen Beitrag. Er kehrte bereichert zurück.

Murnau– Genau vor einem Jahr nahm diese Beziehung ihren Anfang, die auch ein Abenteuer werden sollte, aus der aber viel mehr werden könnte. Da feierte Rolf Beuting seinen 50. Geburtstag, und statt Geschenken wünschte sich Murnaus Bürgermeister (ÖDP/Bürgerforum) Spenden für ein Entwicklungsprojekt in Tansania. 4000 Euro flossen in die Reparatur eines defekten Brunnens des Regionalkrankenhauses Mtinko, in dem viel Murnau steckt. Der ehemalige Ortspfarrer Helmut Enemoser (76), der nun in Irsee (Ostallgäu) lebt, hatte dessen Aufbau wie andere Projekte in dem ostafrikanischen Land stark gefördert. Beuting, lange Pfarrgemeinderatsmitglied und kirchlich engagiert, kennt Enemoser seit jeher gut – und sagte zu, als der Geistliche ihn fragte, ob er ihn sowie zwei Bekannte, Karl Bruckmaier und Dominik Godde, auf einer privaten Reise zu den Orten seiner Projekte begleiten wolle. Schon vor 25 Jahren hatte Beuting Uganda kennengelernt, „und das war so prägend, das hat mich nie mehr losgelassen“.

Der Bürgermeister, der am Mittwoch 51 Jahre alt wird, erlebte an Ort und Stelle, wie unendlich wertvoll die Brunnenreparatur, dieses Geschenk aus Murnau, war. Wasser spielt eine zentrale Rolle – vor allem, wenn es eben nicht einfach aus der Leitung fließt: „Es war sehr beeindruckend zu verstehen, dass die Leute dann ein paar Stunden am Tag nur damit beschäftigt sind, Wasser zu bekommen“, sagt Beuting. Und was für eine Erleichterung es für sie bedeutet, wenn es im Haus oder in der Nähe verfügbar ist.

Nüchtern betrachtet ließ Beuting Afrika Spenden zukommen. Doch eigentlich kehrte er selbst bereichert von der zweiwöchigen Rundreise zurück. Sein Fazit: Das Bürgermeisteramt mache ihm sehr viel Spaß, weil er jede Menge umsetzen könne. „Aber in Tansania habe ich gelernt, dass es noch andere Dinge gibt, die viel Sinn machen.“ Solidarität zum Beispiel, aber auch Respekt und Empathie, die Tansanier im Umgang miteinander, mit Älteren und Amtspersonen zeigen. „Das kommt mir hier oft zu kurz, wenn wir oft ziemlich leichtfertig über afrikanische Flüchtlinge reden; und das stört mich sehr.“ Zumal Beuting in Afrika ein anderes Miteinander erlebte, die Menschen als unendlich freundlich und gastfreundlich kennenlernte. „Ich habe mich glücklich gefühlt.“

Enemoser führte seine Begleiter auf der 2500 Kilometer langen Rundreise im Jeep zu Orten, an denen er langjährige Bekannte hat oder Projekte unterstützt. Drei nehmen zentrale Rollen ein: die Unterstützung einer weiterführenden katholischen Schule in der Provinzhauptstadt Singida, des Krankenhauses in Mtinko und einer katholischen Pfarrgemeinde im Busch in Ulyankulu, das nach Beutings Schilderung abseits der großen Routen liegt und über keine befestigten Straßen sowie wenig Infrastruktur verfügt. Pfarrer Enemoser sammelte in den vergangenen 30 Jahren über zahllose private Spenden weit über eine Million Euro, um die drei Institutionen zu unterstützen. Die Gruppe schlief mal in einem Pfarrhof, mal in Gästehäusern von katholischen Einrichtungen. In Ulyankulu sah sich Beuting selbst mit Waschbecken und Wasserhahn konfrontiert, aus dem nichts floss. Daneben stand stattdessen eine große Kanne. „Und ich habe in einige Wasserspeicher geschaut. Da ist mir ganz schlecht geworden.“

Trotzdem sagt Beuting, dass die Gegenden, die er bereiste, nur noch wenig mit dem zu tun haben, wie man sich Afrika als Klischee vorstelle. Klar gebe es unendlich viel zu tun. Doch er registrierte Entwicklung, große Überland-Straßen in gutem Zustand, Mobilfunk war fast überall verfügbar.

Die Menschen, die er sah, litten keinen Hunger, auch wenn der Speiseplan offenbar wenig Vielfalt bietet. Beuting aß gut, aber einseitig: zwei Wochen lang mittags und abends überwiegend Reis mit Huhn, ab und zu Kartoffeln und Spinatgemüse. Das Land mit seinen Menschen und die Weite der Landschaft aber haben ihn beeindruckt. Ihn trieb neben „ein bisschen Abenteuerlust, die auch noch in mir steckt“, das „Grundgefühl von Solidarität“ nach Tansania. Er empfindet die Verhältnisse in der Welt als extrem ungerecht. Und: „Reisen bildet“, weiß Beuting. Es rückte für ihn „die Probleme, die wir in Europa haben, ins rechte Licht“, ließ in ihm die Erkenntnis reifen, dass „Glück nicht an materiellen Wohlstand gebunden ist“. Und: Von den Tansaniern kann man in seinen Augen ein Stück Gelassenheit lernen. „Die Leute haben ein anderes Verhältnis zu Zeit. Hier lasse ich Termine im 30-Minuten-Rhythmus durchrauschen, das funktioniert dort nicht.“ Doch der Bürgermeister weiß, dass er seinen Arbeitsalltag nicht ändern kann, Reiseerfahrung hin oder her. Weil sich Werte nicht von einem Kontinent zum anderen exportieren lassen. Deshalb gilt: „Man kommt zurück und ist sofort im alten Leben drin.“ Am Tag nach seiner Heimkehr sprach ihn im Markt ein Bürger an und wies ihn auf einen Kanaldeckel hin, der nicht ganz bündig zur Kohlgruber Straße liege. „Da habe ich gewusst: Ich bin zurück in Deutschland.“

Doch Beuting hat sich fest vorgenommen, Tansania wieder zu besuchen. Man habe perspektivisch einen Zwei-Jahres-Rhythmus ins Auge gefasst, sagt er mit Blick auf seine Gruppe. „Da ist eine Beziehung entstanden, die man pflegen muss. Und ich möchte gerne weitermachen.“

Tansania war mehr als ein kurzes Abenteuer.

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