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Verzichtet auf den Wahlkampf: Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting.

Corona-Krise in Murnau

Bürgermeister-Stichwahl: Beuting verzichtet auf Wahlkampf

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Deutschland befindet sich im Krisenmodus. In Zeiten der Corona-Pandemie gerät die am 29. März anstehende Bürgermeister-Stichwahl in Murnau aus dem Blickfeld. Amtsinhaber Rolf Beuting sagte jetzt sogar alle seine Wahlkampf-Pläne ab.

Update, 27. März: Am 29. März ist Stichwahl in mehreren Kommunen im Landkreis. Alle Ergebnisse, News und Reaktionen am Wahltag lesen Sie hier live im Ticker für die Region Garmisch-Partenkirchen.

Murnau – Murnaus Rathaus ist zwar bis auf Weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen. Dennoch geht der Verwaltungsbetrieb weiter und ist im Zuge der Corona-Krise mit einer Vielzahl an Aufgaben besonders gefordert. „Ich bin den ganzen Tag mit Corona beschäftigt“, berichtet Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum).

Der Rathauschef zieht daher in Sachen Wahlkampf die Reißleine – und erklärt auf seiner Facebook-Seite, diesbezüglich alle geplanten Aktivitäten sein zu lassen. „In einer Zeit, in der das öffentliche Leben weitestgehend eingestellt werden muss, halte ich es nicht mehr für angemessen, Sie weiterhin mit Wahlkampf zu behelligen“, wendet sich Beuting per Video-Botschaft an die Zuschauer. Wichtiger sei jetzt „das gemeinsame füreinander Einstehen und dass Sie gut und gesund durch die Corona-Krise kommen“. Eine Wahlwerbung in eigener Sache schiebt der Politiker am Schluss dennoch hinterher: „In der jetzigen Situation sind Erfahrung und Beständigkeit im Bürgermeisteramt von höchster Bedeutung.“

Die Entscheidung, wer künftig im Murnauer Rathaus das Sagen hat, geht in die Verlängerung. Beuting muss sich in einer Stichwahl am 29. März, die aufgrund der außergewöhnlichen Umstände ausschließlich als Briefwahl stattfindet, seinem Herausforderer Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) stellen.

Beuting hatte nach eigenen Angaben noch einige Aktionen in der heißen Phase vorgesehen, die allesamt gestrichen wurden. Beispielsweise ließ er einige tausend Postkarten drucken, die jetzt ins Altpapier wandern. Auch wurden Info-Stände und der Stimmenfang im Internet abgeblasen. Beuting zeigt sich mit Blick auf eine Wiederwahl „verhalten optimistisch“, wie er selbst sagt. Es bestehe aber das Risiko, dass seine Anhänger glauben, das Ganze sei in trockenen Tüchern. „Die Leute müssen an der Wahl teilnehmen.“

Sein Gegner Zoepf gibt sich indessen kämpferisch: „Ich bin guten Mutes“, erklärt er. Immerhin hätten im ersten Durchgang rund 58 Prozent der Murnauer Beuting nicht gewählt. Und es habe etliche Nichtwähler gegeben, die man mobilisieren kann. Zoepf will auf den Wahlkampf nicht verzichten. Dieser werde allerdings coronabedingt eingeschränkt, erklärt der Mehr-Bewegen-Chef. Öffentliche Veranstaltungen werde es daher keine mehr geben, dafür eine Postwurfsendung und Initiativen in den Sozialen Medien. „Ich bin voller Tatendrang“, betont Zoepf, der den besagten Video-Beitrag des amtierenden Bürgermeisters kritisch sieht. Denn dieser suggeriere, dass jeder Wahlkämpfer den Ernst der Lage nicht erkenne. Dabei sei diese Form der Werbung auch in schweren Zeiten legitim. Schließlich gehe es darum, wer in den nächsten sechs Jahren die Geschicke des Ortes lenkt.

Von Beutings Notfallmanagement ist Zoepf nicht begeistert. Der Markt brauche dringend einen Krisenstab, dem nicht nur das Rathaus-Spitzenpersonal angehöre, fordert der Politiker. Mit am Tisch müssten auch Gemeinderäte, der Wirtschaftsförderer sowie Vertreter der Blaulicht-Organisationen und anderer systemrelevanter Institutionen sitzen. Auch sollte man sich Gedanken über einen Härtefonds für notleidende Betriebe und Sofortmaßnahmen für den heimischen Einzelhandel machen. „Es läuft alles unkoordiniert ab“, bemängelt Zoepf, der seine Forderungen in einem Eilantrag an den Gemeinderat zusammengefasst hat.

Und was sagen die anderen Parteien und Gruppierungen zur Stichwahl? Konkrete Wahlempfehlungen waren gestern bei einer Tagblatt-Umfrage nicht zu hören – allerdings zwei unterschiedliche Präferenzen. Veronika Jones von den Grünen wünscht sich, ohne einen Namen zu nennen, einen „Bürgermeister aus dem ökologischen Lager, mit dem wir unsere Vorschläge in Sachen Klimaschutz zügig umsetzen können“ – eine Aussage, die wie ein Bekenntnis zu Beuting klingt. Rudolf Utzschneider von der CSU merkt hingegen mit Verweis auf den ersten Wahlgang an: „Fast 60 Prozent der Wähler haben für einen Wechsel gestimmt“ – was man als Sympathie für Zoepf interpretieren kann.

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