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Wiederverwendbar: So sehen die Pfandbecher der Münchner Firma Recup aus.

Umstieg auf Mehrwegsystem

Kampf gegen Einwegbecher-Flut

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Diese Initiative könnte im Landkreis Schule machen: Der Bund Naturschutz will in Murnau den enormen Verbrauch von Einweg-Kaffeebechern nicht länger hinnehmen. Geschäftsleute sollen davon überzeugt werden, auf ein umweltfreundlicheres Mehrwegsystem umzusteigen.

Murnau – Angeblich schwappte der Coffee-to-go-Trend erst in den 1990er Jahren nach Deutschland – inspiriert von US-amerikanischen Ketten. Heute gehört es zum Ortsbild, dass der Kaffee nicht gemütlich in einem Café, sondern unterwegs in einem Papp- oder Plastikbecher genossen wird – mit weitreichenden Folgen für die Umwelt.

Laut Bund Naturschutz (BN) werden in der Bundesrepublik rund 320 000 Stück dieser nicht wiederverwendbaren Trinkbehälter benutzt – und zwar pro Stunde. Beate Zwingers, Zweite Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Murnau und Umgebung, schätzt, dass es allein in der Marktgemeinde am Staffelsee pro Tag um die 500 bis 600 sind – ein „hohes Aufkommen“, wie sie bemerkt. Eine realistische Zahl, denn mittlerweile gibt es an die 20 Verkaufsstellen im Ort. Dazu zählen nicht nur Cafés, sondern auch Tankstellen und Bäckereien.

Beate Zwingers wirbt für ein Coffee-to-go-Mehrwegsystem.

Die 68-jährige Rentnerin spricht von „Müllbechern“ – und ihr Ziel ist klar: „Diese Dinger müssen weg.“ Denn zum einen entstehe ein gigantischer Müllberg, weil die Kunststoffteile in der Regel nicht recycelt werden können. Und zum zweiten würden bei der Produktion unglaublich viele Ressourcen verbraucht.

Der ehemaligen Bibliothekarin ist bewusst: Einfach wird dieser Kampf nicht. Daher will sie mit einer Aktion in ihrem Heimatort Murnau starten. „Wir müssen im Kleinen anfangen“, sagt sie. Ihre Idee: Die Geschäftsleute, die Coffee-to-go anbieten, sollen auf ein Mehrwegsystem mit Plastik-Pfandbechern umsteigen. Zwingers hat sich als Partner das Münchner Startup-Unternehmen Recup ausgesucht, das bislang vor allem in der Landeshauptstadt und in Rosenheim ein solches Modell betreibt. Das Prinzip ist simpel: Kunden erhalten in den Partner-Cafés gegen einen Euro einen Mehrwegpfandbecher, der nicht weggeworfen, sondern in einer dieser Stellen zurückgegeben wird. Die Betreiber müssen die Becher, die auch mit einem Ortslogo bedruckt werden können, kaufen sowie eine Gebühr bezahlen.

Sie sei keine Recup-Vertreterin, betont Zwingers. Ihr gehe es ausschließlich darum, gegen das Wegwerfverhalten anzugehen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Zwingers hat mit allen Coffee-to-go-Anbietern in Murnau Kontakt aufgenommen, um für ihr Anliegen zu werben. Die Resonanz sei meist positiv gewesen, berichtet sie. Am 17. Juli wird es ernst: Dann findet um 20 Uhr im Kultur- und Tagungszentrum ein Runder Tisch mit potenziellen Teilnehmern statt. Zwingers will Nägel mit Köpfen machen – und noch heuer loslegen. Möglicherweise, so die Hoffnung der Naturschützerin, steigen auch andere Kommunen mit ein.

Die Unterstützung von Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ist ihr sicher: „Die Initiative des Bund Naturschutz ist eine gute Sache“, sagt der Rathaus-Chef. „Denn das Problem besteht: Oftmals werden Einweg-Kaffeebecher achtlos weggeworfen. Durch ein Pfandsystem kann man dem entgegenwirken.“

Eine Geschäftsfrau, die mitmacht, ist Barbara Krönner. Sie betreibt in der Fußgängerzone das gleichnamige Kaffeehaus. „Es wäre super, wenn wir das miteinander schaffen“, sagt sie. In ihrem Stammhaus sei zwar das Coffee-to-go-Aufkommen gering. Aber bei größeren Veranstaltungen sei die Mehrwegidee durchaus interessant. Krönner fackelte nicht lange: Sie hat schon mal einen Posten der besagten Becher bestellt – und will das Ganze beim nächsten Kulturknall-Festival ausprobieren, das am 22. und 23. Juli am alten Gemeinde-Krankenhaus steigt. 

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