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Bringen die Winterberg-CD heraus: Goldschmied Peter Kreitmeir (r.), der Winterbergs Enkelsohn ist, und Komponist Chris Weller. Im Hintergrund auf dem Monitor ist ein Bild der Pianistin Brigitte Helbig zu sehen.

Hommage an Komponisten Hans Winterberg

CD-Produktion: Peter Kreitmeir bringt Klaviermusik seines Großvaters heraus

Dieses Musikprojekt ist etwas ganz Besonderes: Der Murnauer Goldschmied Peter Kreitmeir produziert zusammen mit Chris Weller eine CD mit Klaviermusik. Der Komponist: sein eigener Großvater Hans Winterberg.

Murnau – Der Murnauer Goldschmied Peter Kreitmeir und der in Uffing lebende Komponist Chris Weller haben damit begonnen, einen musikalischen Schatz zu heben. Gemeinsam produzierten sie eine CD mit Klaviermusik des nahezu vergessenen Komponisten Hans Winterberg (1901 bis 1991). Dieser war Kreitmeirs Großvater. Allerdings lernten sich die beiden aufgrund der Familienumstände nie kennen. Erst 20 Jahre nach dem Tod Winterbergs hat Kreitmeir erfahren, welch ein musikalisches Erbe auf ihn wartete.

Ein Konvolut von 10 000 Manuskriptseiten befand sich im Sudetendeutschen Musikarchiv in Regensburg – und war zunächst nicht einmal zugänglich. Kreitmeir hat inzwischen die Handschriften seines Großvaters digitalisiert und an die Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien zur wissenschaftlichen Aufarbeitung weitergegeben. Weller war von den Noten, die Kreitmeir ihm zeigte, so begeistert, dass er vorschlug, gemeinsam eine Produktion zu realisieren. In der jungen Pianistin Brigitte Helbig fanden die beiden eine ideale Interpretin für die Werke.

Helbig, die in München Klavier studiert hat, hat sich bereits im Studium oft mit zeitgenössischer Musik befasst und einige der wiederentdeckten Klavierwerke mit großem Einfühlungsvermögen, Fantasie und Gestaltungswillen einstudiert. Winterberg, der als Prager Jude im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs ins KZ Theresienstadt kam und dort zum Kriegsende befreit wurde, lebte seit 1947 am Ammersee. Neben seiner Arbeit als Archivar beim Bayerischen Rundfunk komponierte er sein Leben lang. Einige Werke wurden vom BR produziert und gesendet, doch nach seinem Tod wurde es still um ihn und seine Musik. Und es waren bis heute auch keine Aufnahmen öffentlich verfügbar. Zum Teil waren die Werke nur in Konzerten gespielt worden, zum Teil lagerten die Aufnahmen des BR noch in den Archiven.

Die erste CD mit Klaviermusik von Winterberg ist also eine echte Überraschung. „Der Drive und die Harmonik dieser Kompositionen erinnert manchmal fast schon an modernen Jazz, und die Melodien haben nicht selten ein folkloristisches Element wie bei Bartok oder Stravinsky. Winterberg sehe ich durchaus in dieser Kategorie“, sagt Weller.

Helbig spielt die Kompositionen mit Verve und Frische. Und vor allen Dingen mit großer Präzision und Kraft. Damit hat sie Interpretationen vorgelegt, die weiteren Aufführungen und Einspielungen als Referenz dienen werden. Insgesamt ist es eine Produktion, die man sich mehrmals anhören sollte. Auch wenn Winterbergs musikalische Sprache durchaus zugänglich ist, komponierte er doch in einem ganz eigenen Stil, in den man sich einhören muss.

Herausgebracht hat die neue CD das Label Toccata Classics. Die Aufnahmen wurden im Münchener Bavaria Studio auf einem Fazioli-Flügel eingespielt – ein nicht zu harter Klang, der gut zu den zwischen 1929 und 1973 komponierten Werken passt. Die CD „Piano Music, Volume One“ wird viele Hörer mit Sicherheit begeistern. Musikalisch im 20. Jahrhundert entdeckt man beim wiederholten Anhören doch auch die romantischen Gesten und große Gefühle dieser Werke.

Der Bayerische Rundfunk bringt am Freitag, 11. Oktober, um 19.05 Uhr auf BR Klassik die Sendung „Die „verquere Nationalität des Hans Winterberg“ (Wiederholung am Samstag, 12. Oktober, um 14.05). Und am Mittwoch, 16. Oktober, um 20 Uhr werden Peter Kreitmeir und Chris Weller in Zusammenarbeit mit der Camerloher Musikschule und der Pianistin Brigitte Helbig die CD erstmals im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum vorstellen. Der Eintritt ist frei.

Heribert Riesenhuber

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