+
Berater für Suchtkranke: (v. l.) Verwalterin Stephanie Renner, Sozialtherapeut Andreas Nägele, Diplom-Pädagogin Annette Klawitter, Suchttherapeut Alfons Wagner, Diplom-Pädagogin Anissa Wagner und Sozialpädagoge Ralf Menken.

Alkohol und Spielautomaten sind das größte Problem

Condrobs: Immer mehr Menschen kommen zur Suchtberatung

Condrobs zählt doppelt so viele Klienten wie noch vor zehn Jahren. Nicht, weil immer mehr abhängig werden, sondern weil sich mehr trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Murnau – Doppelt so viele Menschen haben sich 2016 bei der Condrobs-Außenstelle in Murnau beraten lassen als noch vor zehn Jahren. Das zeigt die Jahresbilanz. Und auch die Therapeuten und Sozialpädagogen bemerken den Zustrom. Vergangenes Jahr haben 186 Personen im Alter von 14 bis 75 Hilfe gesucht. 73 Prozent davon waren Männer. Alkohol ist der häufigste Grund für ein Beratungsgespräch, gefolgt von Drogen. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei zirka 40 Jahren.

Aber auch die Zahl der Spielsüchtigen nimmt zu, sagt Condrobs-Therapeut Alfons Wagner. Das Zocken am Automaten, im Internet oder an der Börse kann schnell außer Kontrolle geraten. Viele kommen davon nicht mehr los und brauchen professionelle Unterstützung. Mit den Abhängigkeiten gehen nämlich auch oft psychische Probleme und Erkrankungen wie Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen einher.

Doch woran liegt es, dass Condrobs immer mehr Menschen betreuen muss? Der Sozialpädagoge glaubt nicht, dass die Zahl der Suchtkranken an sich gestiegen ist, sondern sich heutzutage einfach mehr Menschen trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Die Scham ist nicht mehr so groß wie früher“, sagt er. Das zeigt sich schon alleine daran, dass die meisten Klienten freiwillig die Beratungsstelle in Murnau aufsuchen. „Die wenigsten kommen aus rechtlichem Zwang oder weil die Familie oder der Arbeitgeber sie dazu verdonnert hat.“

Im Gegenteil. Häufig sei es sogar so, dass Angehörige sich bei der Stelle beraten lassen, weil sie mit den Problemen ihres Partners, ihrer Eltern, Kinder oder Freunde nicht mehr fertig werden und Condrobs dann weiterempfehlen. 69 Angehörige wurden vergangenes Jahr betreut. Zwei Drittel davon haben einen Termin wegen des Alkoholkonsums des Ehepartners vereinbart. Sucht betrifft eben immer die ganze Familie. „Vor Ort merken sie, dass wir helfen können. Das macht auch den Süchtigen Mut.“

Entschließen sich diese dann für einen Termin bei der Beratungsstelle, zeigt sich schnell, ob eine ambulante Behandlung wie Reha oder Therapiegruppen ausreicht – oder ein Klinikbesuch sinnvoller ist. Wagner betont: „Wenn sich die Betroffenen helfen lassen wollen, ist das grundsätzlich positiv.“  maw

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Abschied von Pfarrer Bartholomäus Sanftl
Er gehörte zum Soier Dorfleben dazu, brachte sich ein, gestaltete mit. Nun ist Pfarrer Sanftl mit 86 Jahren gestorben. 
Abschied von Pfarrer Bartholomäus Sanftl
Partenkirchner Festwoche: Die Rückkehr der Modenschau
Fast zwölf Jahre mussten sich die Anhänger gedulden: Jetzt durften sie nach der langen Wartezeit wieder der Trachten- und Modenschau erfreuen. Die Zuschauer bekamen …
Partenkirchner Festwoche: Die Rückkehr der Modenschau
Mure am Hechendorfer Berg: Hubert Mangold ist gegen den Münchner Weg
Nach Abgang der Riesenmure vor zwei Jahren am Hechendorfer Berg gibt es immer noch kein schlüssiges Konzept. Eines stellt das Bayerische Umweltministerium in München in …
Mure am Hechendorfer Berg: Hubert Mangold ist gegen den Münchner Weg
„Breiten“: Das nächste Baugebiet für Häuslebauer
Bebauungsplan Breiten: Gemeinde will ins beschleunigte Verfahren um Häuslebauer anzuziehen. Planungshürden fallen weg.
„Breiten“: Das nächste Baugebiet für Häuslebauer

Kommentare