Ein Polizist spricht durch ein Megafon, daneben stehen drei weitere Polizisten, im Hintergrund steht eine kleine Gruppe von Menschen.
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Der Maskenappell: Per Megafon weist die Polizei das letzte Häuflein Demonstranten auf die Regeln hin.

Heimische Teilnehmer „als Statisten missbraucht“

Nach Demos: Murnau entwickelt sich „zu kleinem Zentrum“ der Corona-Kritiker - Bürgermeister reagiert

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Nach Corona-Versammlungen in Murnau: Bürgermeister Rolf Beuting glaubt an seine Bürger. „Das war keine Murnauer Veranstaltung. Ich glaube nicht, dass die Murnauer Systemkritiker sein wollen.“

  • Am Dienstag fand in Murnau eine Kundgebung mit etwa 300 Coronau-Kritikern statt.
  • Jetzt stellt der Bürgermeister klar: „Das war keine Murnauer Veranstaltung.“
  • An die Murnauer richtet er eine klare Aufforderungen.
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Murnau – Rolf Beuting schaute auch vorbei. Am Vormittag machte der Bürgermeister einen kurzen Abstecher mit dem Rad, in der Nacht nach einer langen Sitzung gegen 22.30 Uhr nochmals. Die Gemeinderäte Veronika Jones (Grüne) und Rudolf Utzschneider (CSU) wollten sich ebenfalls ein Bild machen, sehen, was da wirklich los war in ihrer Gemeinde.

Nun: Nachts blieb es ebenso ruhig wie noch am Vormittag zuvor. Dort fand in Murnau eine Kundgebung mit etwa 300 Corona-Kritikern auf dem Volksfestplatz statt. Nimmt man das Hupkonzert beim Autocorso einmal aus. Und dennoch: Die Marktgemeinde als Showbühne für professionelle Aktivisten – das gefällt der politischen Spitze keineswegs.

Nach Corona-Demo in Murnau: Bürgermeister sieht Entwicklung mit gemischten Gefühlen

„Wäre nicht schön, wenn das zu einer Dauerschleife würde“, bestätigt Beuting (ÖDP/Bürgerforum). „Aber ich glaube nicht, dass wir ein Problem bekommen. Da setze ich auf die Murnauer, dass sie sich nicht für irgendwelchen Quatsch missbrauchen lassen.“

Die Entwicklung der vergangenen Wochen sieht der Rathauschef mit gemischten Gefühlen. Das gibt er zu. Einerseits „bestreite ich nicht, dass man sich mit den Corona*-Maßnahmen auch kritisch auseinandersetzen kann“, stellt Beuting klar. „Das respektiere ich.“ Doch: „Wenn jetzt Leute von außerhalb kommen, um bei uns Stimmung zu machen, dann wird es kompliziert.“ Auch er sah den Auftritt der Aktivisten Schiffmann und Co. als „große Show“, um Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Bürgermeister betont: Kritische Corona-Kundgebung war keine Murnauer Veranstaltung

„Das sind Profis, die Konflikte provozieren. Das lief ab wie mit Regieanweisungen, die Leute wurden aufgefordert zu filmen, den Polizisten die Meinung zu sagen.“ Mit den Zielen, die die Masken-Gegner aus der Region verfolgen, hätten die der Redner der Kundgebung nichts zu tun. „Das war keine Murnauer Veranstaltung. Ich glaube nicht, dass die Murnauer Systemkritiker sein wollen.“ Beuting geht sogar so weit, dass die heimischen Demonstranten bei der Veranstaltung „als Statisten missbraucht wurden“.

Dass sich die Herren der Corona-Info-Tour mit ihrem Auftritt einen Gefallen getan haben, das zweifelt der Bürgermeister an. „Ich denke, das war eher kontraproduktiv.“ Vor allem der Autocorso nach 20 Uhr. „Ich denke nicht, dass es geschätzt wird, wenn die Leute nachts aus den Häusern gehupt werden.“

Murnau: Heimische Demonstranten „als Statisten missbraucht“

Für ihn bleibt die Hoffnung, dass die Menschen erkennen, wem sie da auf dem Volksfestplatz gegenüberstanden. Daher formuliert er auch eine Aufforderung an die Bürger: „Jedem der Versammlungsteilnehmer sollte klar sein, auf wen er sich einlässt.

Der Polizei ist das mehr als bewusst. Joachim Loy als Leiter der Inspektion in Murnau macht keinen Hehl daraus, dass sich der Markt „zu einem kleinen Zentrum“ der Anti-Corona-Bewegung entwickelt habe. Aber: „Das ist kein Problem für uns“, stellt er klar.

Polizei: Murnau hat sich „zu einem kleinen Zentrum“ der Anti-Corona-Bewegung entwickelt

Vor allem nicht logistisch. Verstärkung ist immer abrufbereit, um auf Situationen reagieren zu können. „Wir scheuen uns nicht davor, einzugreifen, wenn gegen Recht verstoßen wird“, betont der Erste Polizeihauptkommissar. Eine Feststellung ist Loy wichtig: „Wir sind keine Befehlsempfänger, sondern wir stehen zu unserem Beruf.“

Sollten Schiffmann und seine Mitstreiter wieder den Weg nach Murnau suchen, dann „können sie gerne kommen.“ Nur müsse den Aktivisten klar sein, dass die Polizei vorbereitet sein wird. „Aber es wird wieder Restriktionen geben.“

Murnauer Polizei für mögliche weitere Corona-Versammlungen vorbereitet

Eben auch, um die Murnauer zu schützen. Ein gutes Verhältnis zum Bürger vor Ort steht für den Inspektionsleiter in der Priorität ganz weit oben. „Wir wissen, dass es auch eine Zeit nach Corona* geben wird. Und die Menschen sollen das Vertrauen in die Polizei nicht verlieren.“

Murnauer Jost Schlegtendal lag im Koma. Beinahe wäre es an Covid-19 gestorben. Die Demonstrationen in seiner Heimat Murnau betrachtet er besonders kritisch. Aber er sagt auch: Corona-Leugner sind in der Minderheit. *Merkur.de ist Teil des zentralen Ippen-Digitalnetzwerks.

(Von Christian Fellner)

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