Immer wieder Proteste: Gegner der Corona-Beschränkungen reden im November 2020 auf dem Murnauer Volksfestplatz auf Polizeibeamte ein.
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Immer wieder Proteste: Gegner der Corona-Beschränkungen reden im November 2020 auf dem Murnauer Volksfestplatz auf Polizeibeamte ein.

Kriminalstatistik 2020 der Inspektion vorgestellt

Corona beschert Murnauer Polizei „schwieriges Jahr“ - Ort zunächst regionales Zentrum von Protesten

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Die Corona-Pandemie hat sich 2020 teilweise massiv auf die Polizeiarbeit ausgewirkt und der Inspektion Murnau viel Arbeit beschert. Die Aufklärungsquote war so hoch wie nie zuvor. Chef Joachim Loy zählt sein Zuständigkeitsgebiet bei der Sicherheit zu Bayerns Top drei.

Murnau – Corona hat das Leben auf den Kopf gestellt – und das Aufgabengebiet der Polizei um diverse Facetten erweitert. „Es war ein schwieriges Jahr für uns“, erklärte Murnaus Inspektions-Chef Joachim Loy mit Blick auf die Pandemie, als er am Montagnachmittag die Kriminalstatistik für 2020 vorstellte.

Polizei Murnau glänzt mit hoher Aufklärungsquote

Insgesamt gilt: Murnau und das Umland sind in Bezug auf Straftaten eine Insel der Seligen, ein relativ sicheres Pflaster. Die Häufigkeitsziffer – sie gibt die Zahl registrierter Straftaten umgerechnet auf 100 000 Einwohner an – liegt im Bereich der PI Murnau bei knapp 3300. Zum Vergleich: Im Landkreis rangiert sie bei 4541, bayernweit bei 4528. Loy geht davon aus, dass das Zuständigkeitsgebiet der PI sich in puncto Sicherheit im Freistaat unter den besten Drei positioniert. Die Aufklärungsquote stieg auf über 73 Prozent. „Das ist die beste, die wir je hatten“, sagt Loy.

Corona sorgt für Belastungen bei den 38 Murnauer Polizeibeamten

Doch Corona setzte den 38 Beamten, die neben fünf Angestellten ihren Dienst verrichten, zu. Murnau, sagt Loy, habe nach Ausbruch der Pandemie „in der weiteren Region des Zentrum der Proteste der Querdenker-Szene“ gebildet. Ab April sorgten „unzählige Versammlungen gegen die Corona-Auflagen, teilweise jeden Montag und an jedem Wochenende“, die es zu beobachten und zu begleiten galt, bei Loy und seinen Leuten für Belastungen. In den meisten Fällen ließen sich die Teilnehmer der Querdenkerszene zuordnen, doch auch Reichsbürgerthesen seien unter anderem vertreten gewesen. Der Polizei-Chef ärgerte sich, wenn „viele Zuhörer“ sowohl bei kruden Theorien („Da wurde behauptet, dass es Aliens gibt“) als auch „danach bei Reden von Angehörigen der Reichsbürgerszene klatschten“. Er registrierte immer wieder Versuche, Hygienevorschriften zu missachten. Kontrollen, vor allem der Maskenpflicht und der Ausgangsbeschränkungen, banden Personal. Zahllose Bürger wandten sich an die Inspektion, um aktuell geltende Vorschriften zu erfragen. „Ein Beamter war nur damit beschäftigt“, sagt Loy.

Gruppe von Maskenverweigerern sorgt teilweise für „Angst und Schrecken“

Zudem kristallisierte sich eine 10 bis 15 Personen starke Gruppe an mitunter offenbar aggressiv auftretenden Maskenverweigerern aus Murnau und Umgebung heraus. „Geschäftsinhaber riefen uns an, baten um Hilfe und sagten, sie hätten Angst vor dieser Clique“, erzählt Loy. Diese habe „teilweise Angst und Schrecken verbreitet sowie Verkäuferinnen beschimpft und bedroht“.

Corona sorgt für deutlichen Rückgang bei Diebstählen

Trotz der Ausgangsbeschränkungen wurden 2020 etwas mehr Straftaten (1064, plus 10) registriert. Die Zahl der Rohheitsdelikte, zu denen unter anderem Raub und Körperverletzung zählen, ging leicht auf 196 zurück; sie wurden fast allesamt aufgeklärt. Deutlich fiel das Minus bei der Betäubungsmittelkriminalität (104 Fälle, 22 weniger) aus, gar immens bei einfachen und schweren Diebstählen (133 Fälle weniger). Auch hier schlug Corona durch: Läden blieben geschlossen und viele Menschen zu Hause. Insgesamt waren im vergangenen Jahr von 576 Tatverdächtigen mehr als Dreiviertel männlichen Geschlechts und rund 60 Prozent kein unbeschriebenes Blatt. 77-mal und damit 18-mal mehr als im Vorjahr wurde eine Beleidigung aktenkundig. Adressaten waren nach Angaben Loys vielfach Polizeibeamte. Sechsmal zeigten seine Leute Widerstandshandlungen an. Positiv bemerkbar machen sich in den Augen des Polizei-Chefs die Body-Cams, die seine Leute tragen. Die Kameras am Körper, die Einsätze und bestimmte Situationen festhalten, stellten „ein Riesen-Hilfsmittel“ dar, sagt Loy.

Angezeigte Zahl der Familienstreitigkeiten und der Fälle häuslicher Gewalt fast unverändert

Statistisch nicht belegen lässt sich, dass die Zahl der Familienstreitigkeiten und der häuslichen Gewalt während der Pandemie nach oben geschossen ist: 39 Fälle und damit 3 mehr als 2019 verzeichnete die PI. Loy zeigt sich indes überzeugt: „Die Dunkelziffer ist sicher hoch.“

Dies gilt auch für Sexualdelikte. 17 Fälle wurden bekannt. Zweimal wurde der sexuelle Missbrauch von Kindern angezeigt, neunmal (plus acht Fälle) ging es um die Verbreitung von pornografischen Schriften.

Auch bei den Sachbeschädigungen (129) ging die Zahl leicht nach oben.

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