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Sieht sich Anfeindungen ausgesetzt: Heike Stolle-Nassauer, Mitorganisatorin der Murnauer Corona-Demos. 

Gespaltene Murnauer Demonstranten

„Das ist nicht das, wofür wir hier stehen“: Mitorganisatorin der Corona-Demos soll mit Veranstalterin gebrochen haben

  • Andreas Mayr
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So geht‘s nicht, findet Heike Stolle-Nassauer: Sie zieht sich womöglich von den Corona-Demos in Murnau zurück. Die Mitorganisatorin distanziert sich von den Aussagen mancher Redner.

Murnau – Zum vierten Mal hat Heike Stolle-Nassauer in Murnau für die Grundrechte demonstriert. Möglicherweise zum letzten Mal. Direkt nach der Veranstaltung am Montag sagte die Mitorganisatorin im Tagblatt-Gespräch: „Ich weiß nicht, ob ich das noch weiterhin unterstützen kann. Das ist nicht das, wofür wir hier stehen. Wenn das ein Auffangbecken von Impfgegnern und Menschen ist, die der Regierung permanent irgendetwas unterstellen, hat das nichts mehr mit meinem Demokratieverständnis zu tun.“ Noch am Abend schickte sie eine Stellungnahme an diese Zeitung, in der sie ihre Worte bekräftigt und von Anfeindungen gegen ihre Person schreibt. Passiert auf dem Vorplatz des Kultur- und Tagungszentrums. Ihr Engagement sei mit Füßen getreten worden. „Da wird die Veranstaltung genutzt, um undifferenzierte und einseitige Quellen den Zuhörern als alternativlose Wahrheit zu verkaufen“, betont Stolle-Nassauer. Ihre Ausführungen lassen zudem auf einen Bruch mit Veranstalterin Magdalena Börsig-Hover schließen, die an den Montags-Demonstrationen auch nach der dritten Ausgabe festhalten will. „Ich mache das weiter. Mir geht es um die Grundrechte. Da spielen alle Themen mit rein.“

Auslöser war der Auftritt von Susanne Atlas, die sich bislang als 5G-Gegnerin in der Gegend einen Namen gemacht hat. In ihrer Wortmeldung ging die Seehauserin erst aufs Impfen, dann auf den 14-jährigen Nico Raba ein. Der Junge, der sich vorige Woche am Mikrofon gegen die Corona-Demonstrationen positioniert hatte. „Bedauerlich“ fand es Atlas, dass er geredet habe. Provokativ entgegnete sie in Richtung Raba: „Ich dachte erst einmal, wie groß ist sein Flachbildschirm zu Hause, dass er so spricht. Oder hat er vielleicht einen eigenen Flachbildschirm in seinem Zimmer, dass seine Mama ihn fernsehen lässt, die ganze Zeit von früh bis spät ARD, ZDF, Zwangsgebühren finanziert.“

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Grenze überschritten

Danach sprach sie über den britischen Journalisten und Propagandisten Sefton Delmer, den sie dem Publikum als Chef-Psychologen vorstellte, und einen ihm zugeschriebenen Satz: „Mit Gräuelpropaganda haben wir den Krieg gewonnen.“ Es geht um den Zweiten Weltkrieg. Atlas’ Hinweis an den 14-jährigen Schüler: „Das Wort kennt der junge Mann bestimmt nicht. Das muss man erst verstehen. Das kann man nicht, wenn man so jung ist. Das ist kein Thema für junge Kinder. Deshalb sollte man sich erst zurückhalten, bevor man Dinge sagt über die Menschen, die ein Interesse an der Wahrheit haben.“

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Für Mit-Organisatorin Stolle-Nassauer war an diesem Punkt eine Grenze überschritten. Sie trat ans Mikrofon und verurteilte die Worte ihrer Vorrednerin scharf. „Ich finde es nicht angemessen, einen jungen 14-Jährigen zu diffamieren. Wir sollten überlegen, wie intolerant wir in unserem Denken sind. Ich bin von den letzten Sachen etwas enttäuscht und distanziere mich davon.“ Stattdessen solle man doch über die Beschränkungen, verlängert bis 5. Juli, diskutieren. Börsig-Hover dagegen fand den Beitrag nicht so schlimm. Im Tagblatt-Interview bekräftigt sie: „Das ist doch okay. Hier ist freie Meinungsäußerung. Die (Atlas/Red.) hat ihn doch nicht diffamiert. Das hatte doch nichts mit schlecht anmachen zu tun. Wir sind ein Forum, das offen ist. Jeder ist dafür verantwortlich, was er sagt.“

Demos gehen weiter

Stellvertretend für Raba traute sich dessen Freund Korbinian Adamski vor die 30 Gäste, darunter Uwe Erfurth, Veranstalter der Samstags-Demos. Der Jugendliche  kritisierte das Verhalten einiger Demonstranten. „Ich finde es schade, dass ich als Minderjähriger, der seine Meinung äußert, unterbrochen und ausgebuht wurde. Aber wenn ich von Ihnen Applaus bekommen würde, hätte ich wohl etwas Bedenkliches gesagt.“ Darauf wiederum sah sich Veranstalterin Börsig-Hover gezwungen, „diese Aussagen zu relativieren und zurückzuweisen. „Wir sind hier wegen unserer eigenen Situation, weil wir in Freiheit leben wollen.“

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Dieses Verbalgefecht übertünchte den besten und gehaltvollsten Teil des Abends für jene Murnauer, die ihre Sorgen in Corona-Zeiten teilen. Ein Mann, als Michi stellte er sich vor, sprach unter anderem über die ungewisse berufliche Existenz vieler. Jutta Reinhardt sorgt sich um ihre persönlichen Daten, die mit einer Corona-App unerlaubt in falsche Hände kommen könnten. Ärztin Gudrun Stroer, schon vor zweieinhalb Wochen als Gast bei einer Murnauer Demo aktiv, wies auf die seelischen Schäden (verursacht von Polizeieinsätzen, wie sie sagt) hin. Veranstalterin Börsig-Hover wählte für ihren Auftaktvortrag das Thema „Zivilcourage“, driftete aber in wilde Theorien ab, als sie etwa von einer Geheimkonferenz der Vetomächte (Jalta II) erzählte, die bereits am 9. Mai die Bundesregierung ausgehebelt und eine neue Ordnung aufgestellt haben sollen. „Das Spiel ist vorbei.“ Die Demos offensichtlich nicht. Nächsten Montag gehen sie weiter. 

Anm. der Red: Der Artikel enthält in der Printausgabe einen Fehler: Nicht Nico Raba sprach diesmal vor den Demonstranten, sondern dessen Spezl Korbinian Adamski. Die Online-Version ist bereits korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. 

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