Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch, hat die Hände auf dem Schoß gefaltet.
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Jost Schlegtendal wäre beinahe an den Folgen von Corona gestorben. Er appelliert an jeden: Tragt Maske! Haltet Abstand!

„Es kann jeden treffen“

Murnauer überlebt Corona-Erkrankung nur knapp - und macht jetzt klare Ansage an Leugner

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Jost Schlegtendal lag im Koma. Beinahe wäre er an Covid-19 gestorben. Die Demonstrationen in seiner Heimat Murnau betrachtet er besonders kritisch. Aber er sagt auch: Corona-Leugner sind in der Minderheit.

  • Jost Schlegtendal aus Murnau ist sportlich, gesund - und erkrankte trotzdem schwer am Coronavirus.
  • Nur knapp hat er das Virus überlebt. Umso mehr fehlt ihm das Verständnis für die Corona-Demos.
  • Aber er ist sich sicher: Die Corona-Leugner sind in der Minderheit.
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Murnau – Zufällig ist Jost Schlegtendal am Dienstag am Volksfestplatz vorbeigeradelt. Was ist denn das für ein Auflauf?, hat er sich gefragt. Mittlerweile weiß er’s: Die „Corona-Info-Tour“ stoppte in Murnau. Etwa 300 Menschen kamen. Darunter Maskenverweigerer, Abstandsregel-Ignorierer, Corona-Leugner.

Murnauer erkrankt an Covid-19 - und überlebt nur knapp

Genau diese Gruppe „geht mir gewaltig auf den Keks“, sagt Schlegtendal. Ihnen will er zurufen: Haltet Abstand! Tragt Eure Masken! Beschränkt Eure Kontakte! „Was bitte ist so schlimm daran?“ Wenn man damit Leben retten kann.

Beinahe wäre der 66-Jährige gestorben. Im März hatte sich der Rechtsanwalt mit dem Corona-Virus infiziert. 28 Tage lag er in der Murnauer Unfallklinik, zwölf davon im Koma. Im Tagblatt-Interview schilderte er Ende Mai seine Erfahrungen, seine Halluzinationen, sein Glück. Schon damals ärgerte er sich über die bundesweiten Demonstrationen gegen Beschränkungen – Meinungsfreiheit in allen Ehren.

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Auch in Murnau gingen Bürger für „ein Leben in Freiheit“ auf die Straße. Eine eher lokal begrenzte Veranstaltung. Jetzt suchten sich die in Deutschland bekannten Querdenker-Aktivisten Dr. Bodo Schiffmann und Prediger Samuel Eckert Murnau als Station aus, den Markt, der sich laut Polizei-Chef „zu einem kleinen Zentrum“ der Anti-Corona-Bewegung entwickelt hat. Schlegtendals Heimat, um dort gegen die Regierung, Corona-Maßnahmen, Einschränkungen zu wettern.

Dieser Punkt lässt Schlegtendal ratlos zurück. „Welche Einschränkung denn?“ Für sich sagt er nur: „Ich bin halt mehr zu Hause, das juckt mich nicht.“ Schlimmer treffe es die jüngere Generation. Mit seinen drei Kindern, alle Mitte 20, hat er sich darüber unterhalten. Klar: Sie würden gerne Party machen, sich mit Freunden treffen. Geht nicht – und sie akzeptieren die Situation.

Corona in Bayern: Schlegtendal versteht Demonstranten nicht: „Welche Einschränkung denn?“

Schlegtendal denkt auch an die Menschen, die in der Hotellerie und Gastronomie beschäftigt sind oder Einzelhändler, die massiv leiden. „Die Situation ist beschissen“ – er sagt, wie’s ist. Aber: „Da müssen wir jetzt durch.“ Mit Maske, mit Abstand, mit Kontaktbeschränkung. Das betont er immer wieder.

Schlegtendal geht es nicht um ihn selbst. Er fühlt sich gut, nur in den Beinen fehlt Kraft. „Skifahren könnte ich noch nicht.“ Ansonsten: gesund. Er hat – auch wenn es dafür keine Garantie gibt – keine Angst, dass er sich noch einmal ansteckt. Was aber ist mit anderen Menschen, denen es genauso ergehen könnte wie ihm? Natürlich war sein Verlauf eine Ausnahme, kein Arzt fand dafür eine Erklärung.

Lockdown für Gastronomie und Einzelhändler: „Die Situation ist beschissen. Da müssen wir jetzt durch“

Er, der sportliche, gesunde Mann, den das Virus fast getötet hätte. Doch zeigt sein Beispiel: „Es kann jeden treffen.“ Diese Botschaft will Schlegtendal verbreiten. Im privaten Umfeld leistet er Aufklärungsarbeit. Erzählt seine Geschichte. Kurz hat er sich überlegt, ob er mal bei einer Demonstration auftauchen soll. Mit einem Schild: „Ich hatte Corona.“

Nach Corona-Erkrankung: Murnauer leistet Aufklärungsarbeit

Im Querdenker-Lager bringt das nichts, das weiß er. In der Fußgängerzone kam er Ende Mai mal mit ein paar von ihnen ins Gespräch. Um nach fünf Minuten festzustellen: „Man spricht zwar miteinander, kommt aber nicht auf einen Nenner.“

Er bleibt gelassen. Die Leugner, Verschwörungstheoretiker und Maskenverweigerer sieht er in der Minderheit. 95 Prozent, glaubt er, unterstützen die Regeln. Die übrigen fünf, „die sind halt leider sehr laut“.

Murnauer überzeugt: Verschwörungstheoretiker und Maskenverweigerer in der Minderheit

Nach Corona-Versammlungen in Murnau glaubt der Bürgermeister weiter an seine Bürger. „Das war keine Murnauer Veranstaltung. Ich glaube nicht, dass die Murnauer Systemkritiker sein wollen.“

(Von Katharina Bromberger)

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